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Wann sich häufige Jobwechsel doch auszahlen können!

Ein Büro, zwei Schreibtische. Auf der einen Seite sitzt der treue Mitarbeiter, der schon seit dem Ende seines Studiums bei dem gleichen Arbeitgeber ist, auf der anderen der sprunghafte Kollege, der seit dem Examen alle drei Jahre das Unternehmen gewechselt hat. Dieselbe Position, dassselbe Alter: Wer von beiden verdient wohl mehr?

In den allermeisten Fällen der Sprunghafte, haben Forscher der Uni Köln in einer neuen Studie herausgefunden. Ihr Fazit: Im Durchschnitt verdienen Mitarbeiter, die von außen kommen, mehr als die internen. Je nach Hierarchiestufe beträgt die Gehaltsdifferenz zwischen beiden Gruppen bis zu 20 Prozent.

Für ihre Analyse haben die Forscher Daten der Vergütungsberatung Towers Perrin ausgewertet, genauer gesagt: die Gehaltsdatenbank aus dem Bankenbereich, in der – anonymisiert – die Daten von mehr als 100.000 Angestellten enthalten sind.

“Die Ergebnisse lassen sich aber auch auf andere Branchen übertragen”, sagte Towers-Perrin-Berater Martin Emmerich. Für unfair halten Berater und Forscher den Gehaltsunterschied trotz identischen Alters und vergleichbarer Position übrigens nicht.

“Wer den Job wechselt, geht immer ein Risiko ein, dass es beim neuen Arbeitgeber nicht funktioniert”, sagte Dirk Sliwka, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Köln. “Der Gehaltsaufschlag ist der Ausgleich für dieses Risiko.” Schließlich sei der Mensch von Natur aus eher risikoavers.

Wie hoch das Plus für die Wechselwilligen ausfällt, hängt der Studie zufolge auch von der konjunkturellen Lage ab. Während im Jahr 2007 der ermittelte Wechselzuschlag im Durchschnitt knapp 5 Prozent betragen hat, ist er im Jahr 2008 auf 1,5 Prozent gefallen. Doch diese Durchschnittswerte seien nur bedingt aussagekräftig, räumen die Autoren der Studie selbst ein.

Ob jemand im Fall eines Wechsels deutlich mehr Gehalt bekomme, hänge vor allem davon ab, auf welcher Hierarchieebene er sich gerade befindet und auf welche Ebene er wechseln will. “Je höher die Verantwortungsstufe, desto größer kann der Gehaltssprung ausfallen”, sagte Emmerich.

Auf Bereichsleiter-Ebene etwa verdienten Mitarbeiter, die von außen kommen, im Schnitt zwischen 14 und 20 Prozent mehr als jene, die sich im Unternehmen selbst heraufgearbeitet haben.

Auf den Ebenen darunter fallen die Unterschiede nicht ganz so groß aus – vorhanden sind sie aber auch dort. Nur auf der niedrigsten der analysierten Hierarchiestufen, auf der Spezialisten und Experten angesiedelt sind, haben die Internen gegenüber den Externen oft einen Vorsprung.

“Das liegt daran, dass auf dieser Ebene unternehmensspezifisches Wissen eine wichtige Rolle im Arbeitsalltag spielt, etwa, dass man mit der Firmensoftware gut umgehen kann”, so Sliwka. “Externe müssen da erst angelernt werden, deshalb können sie in vielen Bereichen kaum einen Aufschlag verhandeln.” In Managementfunktionen gehe man dagegen davon aus, dass die eingekaufte Führungskraft mehr oder weniger sofort voll einsetzbar sei.

Auch wenn die meisten Mitarbeiter bereit sind, ein gewisses Maß an Gehaltsunterschieden zu tolerieren – überreizen sollten Personalverantwortliche ihre Leidensfähigkeit nicht. Bis zu 20 Prozent Abstand zwischen dem Niedrigst- und dem Höchstverdiener in einem Team hält Emmerich für vertretbar. Größer sollte der Unterschied aber nicht sein.

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