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Commerzbank: Prozess um gestrichene Millionen-Boni für 104 Investmentbanker beginnt

Commerzbank-Chef Martin Blessing.

Commerzbank-Chef Martin Blessing.

6 Mrd. Euro Staatshilfe und dennoch Millionenboni für Commerzbanker? Der Prozess um die unbezahlten Garantieboni für 104 ehemalige Investmentbanker von Dresdner Kleinwort beginnt am heutigen Montag (23. Januar) in London. Dies dürfte den Blutdruck von Steuerzahlern, Aktionären und vielen weniger glücklichen Bankern kräftig erhöhen. Denn es geht um eine Nachzahlung von 52 Mio. Euro – oder 500.000 Euro pro Kopf.

Die Fakten: Die Dresdner Bank hatte im August 2008 ihren Mitarbeiter in London einen Bonuspool in Höhe von 400 Mio. Euro in Aussicht gestellt, um die Investmentbanker nach der Übernahme des Instituts durch die Commerzbank bei der Stange zu halten.

Doch nur einige Wochen später löste die Pleite der US-Investmentbank Lehman-Brothers die erste Finanzkrise aus, in denen die Commerzbank tief in die roten Zahlen stolperte. Der deutsche Steuerzahler musste dem angeschlagenen Institut mit 6 Mrd. Euro beispringen.

Infolge dessen strich die Commerzbank den Bonuspool um 90 Prozent zusammen. Das Institut machte einen außerordentlichen Vermögensverlust (material adverse change) für die Maßnahme verantwortlich. Infolgedessen blätterte die Commerzbank trotzdem 152 Mio. Euro als Boni auf den Tisch.

Denn die Boni wurden – jedenfalls auch Sicht der Kläger – als sogenannte „Garantieboni“ gewährt. Das schöne daran: Diese werden auch fällig, wenn die Investmentbanker Milliardenverluste generieren. Leistung und Bezahlung haben also nicht mehr viel miteinander zu schaffen.

Bei dem Rechtsstreit wird es um die Frage gehen, ob die Bonuszahlungen tatsächlich garantiert waren und die Commerzbank einen legitimen Grund hatte, die Auszahlung zu streichen. Die 104 ehemaligen Dresdner Kleinwort-Banker verlangen immerhin die Kleinigkeit von 52 Mio. Euro von ihrem ehemaligen Arbeitgeber. Es geht also pro Kopf um die Summe von 500.000 Euro. Diese sind allerdings recht unterschiedlich verteilt; so verlangen einige Spitzenbanker Millionen, während es sich bei anderen nur um wenige 1000 Euro dreht.

Zum Vergleich: In den ersten neun Monaten 2011 hatte die Commerzbank für jeden ihrer insgesamt knapp 59.000 Mitarbeiter einen durchschnittlichen Personalaufwand von gerade einmal 56.500 Euro springen lassen.

Entsprechend wehrt sich die Bank gegenüber den Forderungen mit allen Mitteln: „Die Commerzbank als Rechtsnachfolgerin der Dresdner Bank wird sich gegen die erhobenen Forderungen konsequent verteidigen“, sagte eine Unternehmenssprecherin. Bei dem Prozess lassen die Kläger 20 und die Bank fünf Zeugen aufmarschieren, worunter sich auch Commerzbank-Chef Martin Blessing befindet. Es dürfte also noch spannend werden.

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