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GASTKOMMENTAR: Wieso Banken immer noch einstellen

In der Vergangenheit waren die Investmentbanken dafür berüchtigt, oftmals zu schnell auf Marktveränderungen zu reagieren. Diese Reaktion führte für gewöhnlich zu Veränderungen der Mitarbeiterzahl und leeren Bonusumschlägen. Ich werde niemals die Erinnerung an meine Tage als Junior-Banker an der Wall Street vergessen, als der Arbeitgeber kurz vor Weihnachten das Personal verringerte, nachdem das Unternehmen erkannt hatte, dass es sicherlich Verluste schreiben würde.

In 1989 kam der Personalabbau wieder ganz schnell und in 1998 folgte er unmittelbar auf die Asienkrise, als die Banken ihre Mitarbeiterzahl schnell und aggressiv abbauten. Doch dieser Prozess verlangsamte sich nach dem Platzen der dot.com-Blase – er fand immer noch statt und fiel in so manchem Unternehmen teuflisch aus, aber er fand damals wesentlich langsamer statt. Es schien als ob die Banken möglicherweise eher die verpassten Gelegenheiten (oder die Mühe der Wiedereinstellung) scheuten als die aufgeblähten Kosten.

Gleichwohl waren viele Banken in 2004 wieder unterbesetzt, als sich der Markt wiederbelebte. Dies bedeutete, dass die Banken nicht schnell genug auf die hässlichen Anlageverluste im Sommer 2007 reagieren konnten – erinnern Sie sich an die Rekordboni aus dem Frühjahr 2009 bei mittlerweile untergegangenen Unternehmen, die fürchteten, dass ihre Beschäftigten ohne die Kohle die Flucht ergreifen würden? Wie das in dieser Atmosphäre passieren konnte, ist für mich immer noch unerklärlich.

Nach 2009 kamen die Einschnitte beim Personal. Allerdings gab es ein Verzögerung, die abermals die Furcht vor verpassten Gelegenheiten widerzuspiegeln scheint. Und wieder erwies sich dies in gewisser Weise als sinnvoll, als das Geld in 2009 wieder zu sprudeln begann, was durch die öffentlichen Geldspritzen und die Verzweiflung der Zentralbanken angefacht wurde.

Jetzt sieht die Situation wieder nicht allzu rosig aus. Dennoch werden wir sehen, dass die Großbanken auch weiterhin in hoher Zahl einstellen werden. Ich kann mir nicht helfen, doch ich befürchte, es könnte unerfreulich enden.

Während wir uns der Bonussaison nähern, wundere ich mich, ob die Banken die Luken dicht machen oder ob sie die Party bei der Bezahlung weiterverfolgen. Es ist eine Tatsache, dass hohe Bonuszahlungen mit soliden Dividendenzahlungen oder mit Eigenkapitalbildung unvereinbar sind.

Doch trotz all dieser Hindernisse, sage ich immer noch meinen Studenten, dass sie auch in der hoch regulierten Bankenbranche reich werden können. An einem bestimmten Punkt wird die Regulierung das Eingehen von Risiken beschränken, was erforderlich ist, um das große Geld zu machen. Doch an diesem Punkt sind wir aber noch längst nicht angekommen.

Peter Hahn ist Dozent für Finanzwissenschaft bei Cass Business School. Vorher war er CFO für Großbritannien bei der Citigroup.

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