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GASTKOMMENTAR: Wieso Banken die Vergütungen ihrer Mitarbeiter offenlegen sollten

David Charters

Stellen Sie sich vor, wie das Investmentbanking funktionieren würde, wenn nicht nur die Vorstandsmitglieder und eine Handvoll von Spitzenverdienern Ihre Bezahlung offenlegen müssten, sondern jedermann. Dies gilt besonders für Unternehmen, bei denen der Steuerzahler die Zeche zahlen muss, sobald es schiefläuft.

In jeder Bank würde jeder wissen, was jeder andere verdient und dies würde für die Kunden und Wettbewerber ebenso zutreffen wie für Ehepartner, Nachbarn und sogar die Leute, mit denen sie Golf spielen. Tatsächlich könnte jeder mit einem Internetzugang alles herausfinden: das Grundgehalt, den Bonus, die aufgeschobenen Bonusbestandteile, Pensionszusagen – was auch immer.

In einigen Berufsgruppen, vor allem im öffentlichen Dienst, sind die Gehaltstabellen und ähnliche Dinge öffentlich zugänglich. Dort gibt es keine Geheimnisse über die Höhe der Vergütungen. Bei den höchsten Führungskräften werden selbst Geschenke und die Bewirtung aufgedeckt, damit wir darin herumstöbern können. Das gehört einfach zu ihrem Leben dazu und sie kommen damit zurecht.

Im scharfen Kontrast hierzu hüten sich die Investmentbanken vor Transparenz. Am Ende würden sich auch noch die Kunden sträuben, unsere Gebühren zu zahlen, wenn sie nur danach googlen müssten, um herauszufinden, wie viel mehr Geld als sie selbst Banker nachhause tragen.

Noch schlimmer wäre es, wenn dies rückblickend möglich wäre – zum Beispiel bis zum Beginn der staatlichen Rettungsprogramme für Banken. Im Golfclub würde jede Höflichkeit verschwinden, wenn das Nicht-Bankervolk wüsste, wie gut es uns in den zurückliegenden Jahren ergangen ist. Und dies gilt gerade für die letzten Jahre: Wer hätte gedacht, wie schamlos die Grundgehälter erhöht worden sind in der Furcht vor tatsächlichen oder nur gefühlten Bonus-Beschränkungen? Oder wie die Aktionäre übers Ohr gehauen wurden (wieder einmal), als sie die (britische) Bonussteuer zahlen durften. Und all das in einer Branche, die auf katastrophale Weise gescheitert ist und die sich – mehr oder weniger – selbst in die Pleite gesteuert hat.

Einige Leute würden empört sein. Doch auch intern würde dies ebenso große Herausforderungen mit sich bringen. Die Veröffentlichung harter Zahlen würde die Manager zum Management zwingen. Sie könnten nicht länger Unsinn verbreiten, wie gut Sie sich machen und wie toll die Zukunft aussieht. Vielmehr könnten Sie in der Bonussaison genau sehen, wie gut Sie – und jeder andere – in dem gesamten Unternehmen davongekommen ist. Es würde Ihnen wahrscheinlich wie Schuppen von den Augen fallen.

Manager müssten sich sicherlich zu einigen harten Entscheidungen durchringen. Doch handelt es sich dabei nicht gerade um ihren Job?

Sie können mich naiv nennen, doch eine Branche mit wenigen Freunden und der Notwendigkeit zur Rehabilitierung sollte bereit sein, in das Rampenlicht herauszutreten und zuzugeben, wie sie mit sich selbst umgeht. Und nichts ist grundlegender als die Bezahlung.

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