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Übernahmepoker geht wieder los: Wann werden M&A-Experten gesucht?

Endlich geht das ganz große Poker-Spiel wieder los. Der britisch-australische Minenkonzern BHP Billiton hat für den kanadischen Düngemittelkonzern Potash 39 Mrd. US-Dollar (31 Mrd. Euro) angeboten. Doch noch wurden die Karten nicht gezeigt – vielleicht ist noch mehr drin.

Bei der spektakulären Übernahmeschlacht auf dem Rohstoffmarkt handelt es sich um keinen Einzelfall. Laut dem Datenlieferanten Dealogic wurden in den zurückliegenden vier Wochen Übernahmen in Höhe von insgesamt 127 Mrd. Euro angekündigt, was den höchsten Wert seit Oktober 2008 darstellt. Damit scheint die Krise vorbei zu sein, womit auch die Expertise der Banken bei der Umsetzung und Finanzierung der Deals wieder mehr gefragt sein sollte.

So reibt sich auch schon so mancher Banker die Hände. “Unternehmen mit hohen Cash-Beständen schauen sich nach Quellen für künftige Gewinne um, nachdem sie die Kosten während des Abschwungs verringert haben. In den zurückliegenden Monaten haben wir die meisten Aktivitäten seit langem gesehen”, sagt Investmentbanker Ian Hart von Morgan Stanley. Das sollte sich auch auf die Konjunktur-Lokomotive Deutschland und seinen Arbeitsmarkt auswirken

M&A-Experten sollten sich nicht zu früh freuen

Doch M&A-Experten sollten sich nicht zu früh freuen. Denn noch führt diese Entwicklung nicht zu verstärkten Einstellungsaktivitäten bei den Investmentbanken. “Bei uns ist das de facto nicht der Fall”, sagt Dorothea Friebe, Managerin Banking & Finance beim Executive Search-Unternehmen Huxley.

Denn bei der Pokerrunde in Deutschland sind noch kaum große Spieler mit von der Partie. “Im Mittelstand herrscht Bedarf, aber da ist nicht viel Geld zu machen”, erklärt Friebe die Motivation der Banken. Den Mittelständlern sei gelegentlich auch der Preis zu hoch.

Auch bei den Eidgenossen herrscht noch Ruhe

Auf dem entsprechenden eidgenössischen Arbeitsmarkt herrscht ebenfalls Flaute, wobei die Schweiz ohnehin kein großer M&A-Markt sei. Doch auch anderswo rechnet Executive Search-Experte Klaus Robert Biermann von Biermann Partners in Zürich nicht mehr mit vielen Einstellungen im laufenden Jahr.

“Das Jahr ist zu weit fortgeschritten und die Leute werden einfach zu teuer”, sagt Biermann. Denn die Banker erwerben über das Jahr sukzessive variable Vergütungsbestandteile. Wenn eine Bank im zweiten Halbjahr Investmentbanker anheuern wolle, müsse sie für die entgangenen Boni aufkommen, ohne dass der neue Mitarbeiter in 2010 noch effektiv Arbeit leisten könne.

Doch einzelne Adressen heuern wieder an

Dagegen stellt Thomas v. Ciriacy-Wantrup von Fricke Finance & Legal ein wachsendes Interesse fest: “Der Markt hat sicherlich bei bestimmten Adressen angezogen. Von einer Euphorie sind wir aber noch weit entfernt.” Vor allem französische Banken hätten in jüngster Zeit ihre Teams verstärkt – dabei handle es sich jedoch um Einzelfälle.

Falls die Nachfrage nach M&A-Experten wieder anziehen sollte, dann würde wahrscheinlich zunächst auf dem Analyst- und Associate-Level gesucht werden. “Da ist man eher schlank aufgestellt”, stellt von Ciriacy-Wantrup fest. Dort gebe es eine umgekehrte Pyramide, indem die erfahrenen Leute in der Überzahl seien.

Dabei war in der Vergangenheit der Bereich M&A ein guter Indikator für einen Wirtschaftsaufschwung, doch dies scheint jetzt anders zu sein. “Mit den bestehenden Teams können die Transaktionen, die es gibt, abgewickelt werden”, sagt von Ciriacy-Wantrup und ergänzt: “Da sind noch Kapazitäten offen.” Mit einer weiteren Belebung rechnet der Recruitment-Experte nicht vor 2011.

Doch beim Übernahmepoker werden wie am Spieltisch die Karten erst am Ende auf den Tisch gelegt. Erst dann wird sich die zukünftige Entwicklung auf dem Recruitment-Markt für M&A zeigen – und nicht zuletzt ist auch ein wenig Glück nötig.

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