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RANKING: Stühlerücken bei den Großbanken

Durch Fusionen, Übernahmen und Beteiligungen ist in den vergangenen zehn Jahren eine neue Großbankenlandschaft entstanden, berichtet die Zeitschrift Die Bank.

Bis 1997 gab es in der deutschen Bankenwelt eine feste Größe: die drei Frankfurter Großbanken. Und auch die Rangfolge des Spitzentrios der deutschen Kreditwirtschaft hatte über die Jahre Bestand: Dem Branchenprimus Deutsche Bank folgten die Dresdner Bank und die Commerzbank.

Das Bild änderte sich 1998, als durch die Fusion von Bayerischer Vereinsbank und Bayerischer Hypotheken- und Wechselbank die Hypo-Vereinsbank (HVB) entstand. In der bayerischen Metropole München war die vierte Großbank geboren, die in den folgenden Jahren im Branchen-Ranking Platz zwei belegen sollte.

Einen Schub erhielt das Münchener Institut mit der Übernahme der österreichischen Bank Austria Creditanstalt. Hierdurch gelang nicht nur eine starke Positionierung in der benachbarten Alpenrepublik, sondern insbesondere auch der Einstieg ins wachstumsträchtige Osteuropageschäft. Denn der österreichische Branchenprimus hatte sich frühzeitig in Mittel- und Osteuropa engagiert. Mit der Übernahme durch die italienische Unicredit 2006 endete dieses Kapitel freilich jäh.

MIt der Übernahme der Dresdner Bank wollte der Münchener Versicherungsriese Allianz zum Allfinanzkonzern aufsteigen – die Strategie, das Bank- und Versicherungsgeschäft zu verschmelzen, hielt jedoch nie, was sie versprach. Im Gegenteil: Die Investmentbanking-Tochter Dresdner Kleinwort bescherte der Allianz zuletzt milliardenschwere Verluste.

Anfang 2009 übernahm schließlich die Commerzbank die Dresdner Bank und läutete damit das Ende der “Beraterbank” ein.

Im Banken-Ranking 2008 der Zeitschrift Bank sind Commerzbank und Dresdner Bank noch getrennt gelistet, da die Übernahme erst 2009 vollzogen wurde. Die addierte Bilanzsumme beider Häuser erreicht dennoch mehr als eine Bio. Euro. Damit nimmt die neue Commerzbank unangefochten die Position 2 im Ranking der deutschen Kreditinstitute ein – mit weitem Abstand vor der Hypo-Vereinsbank.

Traditionell an der Spitze steht die Deutsche Bank mit einer mehr als doppelt so großen Bilanzsumme von 2,2 Bio. Euro. Ihre Führungsposition wird nach der Übernahme der Postbank weiter steigen. Derzeit ist der Branchenprimus mit gut 25 Prozent an der Tochter der Deutschen Post beteiligt.

Trotz Finanzkrise haben 2008 einige Spezialinstitute ihren Expansionskurs fortgesetzt: Die Bilanzsumme der Direktbank ING DiBa wuchs erneut ihr Bilanzsummenwachstum (+ 7,5%) fort und nimmt inzwischen Position 21 ein. Die ebenfalls als Direktbank konzipierte DKB verbessert sich von Rang 32 auf 27. Auf der Überholspur befinden sich auch die auf Financial Services fokussierten Töchter der großen deutschen Automobilkonzerne: Volkswagen Bank (Rang 39), Mercedes-Benz Bank (50) und BMW Bank (90).

Ein großer Sprung nach vorn gelang der Santander Consumer Bank, die auf die Absatzfinanzierung von Kraftfahrzeugen und Konsumgütern spezialisiert ist. Mit der Übernahme des Konsumentenkreditgeschäfts der Royal Bank of Scotland, der RBS (RD Europe) GmbH, baute Santander die Wettbewerbsposition weiter aus. Die Bilanzsumme schnellte um 39% in die Höhe, und in den Top 100 verbesserte sich die Bank von Rang 56 auf 43.

Die Gruppe der Landesbanken, die in der Liste der größten deutschen Kreditinstitute seit Jahren die Positionen 4 bis 20 dominieren, wird von der Landesbank Baden-Württemberg angeführt, dicht gefolgt von der Bayerischen Landesbank. Nur noch auf Platz 10 der Top 100 ist die WestLB zu finden. Doch dies alles ist eine Momentaufnahme. Als Folge der aktuellen Krise wird sich die Struktur im Landesbankensektor grundlegend verändern.

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