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Deutsche Bank bläst BHF-Verkauf an LGT ab: Spekulationen über die möglichen Gründe

Während sich die Welt um deutsche Autos und Anlagen reißt, erweisen sich deutsche Banken als ebenso unverkäuflich wie die Autobiografie Erich Honeckers. So hat am heutigen Montag (18. April) die Deutsche Bank den Verkauf der BHF-Bank an die Liechtensteiner LGT-Gruppe überraschend abgebrochen.

Über die Gründe für das Scheitern wurde zunächst nichts näheres bekannt. Dennoch lohnt sich ein Vergleich der zentralen Passagen aus den Pressemitteilungen der beiden beteiligten Institute:

So heißt es bei der Deutschen Bank:

“Beide Institute hatten bereits Einigkeit über die Veräußerung der BHF-Bank erzielt und einen für Deutsche Bank, LGT und BHF-Bank guten Vertrag unterschriftsreif vorbereitet. Nach Gesprächen zwischen den Parteien und mit den zuständigen Aufsichtsbehörden sind die Deutsche Bank und die LGT jedoch zu dem Schluss gekommen, die Transaktion nicht weiter zu verfolgen.

Die Deutsche Bank bedauert, dass es nicht zu der Transaktion gekommen ist. Um den Kunden und Mitarbeitern der BHF-Bank zügig Sicherheit über die weitere Entwicklung und eine klare langfristig tragfähige Perspektive zu geben, hat der Vorstand der Deutschen Bank entschieden, den Verkaufsprozess frü die BHF-Bank nicht fortsetzen.”

Dagegen heißt es bei der LGT:

“LGT und Deutsche Bank haben die Verhandlungen über einen Verkauf der BHF-Bank beendet. Nach Gesprächen zwischen den Parteien und mit den zuständigen Aufsichtsbehörden sind die LGT und die Deutsche Bank zum Schluss gekommen, diese komplexe Transaktion nicht weiter zu verfolgen.”

Waren aufsichtsrechtliche Bedenken mitschuld?

Falls man dem Wortlaut der Pressemitteilungen ernst nehmen sollte – was freilich zu diskutieren wäre – scheinen aufsichtsrechtliche Bedenken eine Rolle bei dem Scheitern des Verkaufs gespielt zu haben. So bedauerte die Deutsche Bank den misslungenen Deal und weist neben Gesprächen mit dem potenziellen Käufer ausdrücklich auf Diskussionen mit den Aufsichtsbehörden hin.

Auch die LGT streicht die Rolle der Aufsichtsbehörden heraus und bezeichnet den geplanten Deal explizit als “komplexe Transaktion.” Seit der Finanzkrise schauen die Regulierungsbehörden bei den Ereignissen auf dem Bankenmarkt genauer hin. So ließ vor einigen Wochen die Luxemburger Aufsicht CSSF beispielsweise den schon fast sicheren Verkauf der KBL an die indischische Hinduja-Gruppe im letzten Moment platzen.

Oder war der Deutschen Bank der Erlös zu mickrig?

Ein weiteres Problem könnte der Verkaufserlös darstellen. So wollte die Deutsche Bank die BHF-Bank ursprünglich als Ganzes für den Buchwert von 650 Mio. Euro abstoßen. Schon vor dem Jahreswechsel zeigte sich, dass der deutsche Branchenprimus beide Ziele verfehlen würde:

Die LGT war hauptsächlich am Wealth Management der BHF interessiert. Die unverkäuflichen Teile der Bank wären indes bei der Deutschen Bank verblieben. Die Kosten für Restrukturierung und Personalabbau hätte damit der deutsche Finanzkonzern tragen müssen. Dagegen hatte sich das Kaufangebot der LGT nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters zuletzt auf 400 Mio. Euro belaufen. Das scheint der Deutschen Bank zu wenig Geld und zu viel Rest-BHF gewesen zu sein.

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