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Top-Thema:Nachfrage extrem: Consulting-Boom rund um die Banken kennt kein Ende

GASTKOMMENTAR: Wieso eine europäische Transaktionssteuer niemals funktionieren wird

Taxation

Die Aussichten für die Einführung einer Transaktionssteuer waren niemals günstiger als jetzt. Angela Merkel hat gesagt, dass Europas Minister einen Plan für die Umsetzung ausarbeiten sollen.

Die Hoffnung besteht darin, dass eine solche Steuer Finanzspekulationen bremsen und – wie seit langen von den Befürwortern erwünscht – riesige Summen einbringen wird, um die globale Armut zu bekämpfen. Doch diese Hoffnungen dürften enttäuscht werden.

Es besteht die Absicht, den Handel mit Aktien und Anleihen mit einer Rate von 0,1 Prozent zu besteuern und den Derivatehandel mit 0,01 Prozent. Dies soll zwischen 30 Milliarden und – sofern der Währungshandel eingeschlossen wäre – sogar mehr als 50 Milliarden Euro einbringen.

Die Prozentzahl mag gering klingen, doch die Auswirkungen auf einzelne Banken sind keinesfalls unbedeutend, wie das folgende Beispiel des Forbes’ Trefis Teams aus dem vergangenen Jahr verdeutlicht:

„Wir können uns die Auswirkungen dieser Steuer auf Barclays anschauen, welche nahezu 221 Mrd. Dollar in Anleihen oder anderen festverzinslichen Wertpapieren in 2010 hielt und knapp 40 Mrd. Dollar in aktienbasierten Wertpapieren – Derivate eingeschlossen.

Falls es zu einer Transaktion des gesamten Portfolios kommen sollte, dann dürfte die Bank tatsächlich eine Transaktions-Steuer von 221 Mio. Dollar auf ihre festverzinslichen Wertpapiere und 4 Mio. auf die aktienbasierten Wertpapiere zahlen. Dies würde zusätzliche Steuern in Höhe von 225 Mio. Euro für die Sales & Trading-Abteilung bedeuten. Und dies würde nur die Untergrenze der Zahlungen darstellen, da Banken normalerweise eine große Anzahl von Transaktionen in ihrem Portfolio vornehmen und die Steuer würde auf jede Transaktion anfallen.“

Abgesehen von den Kosten der Steuer für einzelne Banken hätte sie einen verzerrenden Effekt. Denn der Erfolg der Steuer und die Erträge, die sie einbringt, würde hauptsächlich von der Einbeziehung der OTC Derivate und überdies aller ausländischen Transaktionen abhängen. Sofern die derzeitigen Markt- und Reporting-Praktiken vorausgesetzt werden, scheint dies unmöglich zu sein.

Es besteht die Gefahr, dass die Steuer nur die Aktivitäten betreffen würde, die gut dokumentiert und unter dem Einfluss der Regulierungsbehörden stattfinden, während andere verschont bleiben würden. Als Folge davon würde dies Entwicklungen verschlimmern, die die Aufsichtsbehörden üblicherweise als unerwünscht empfinden wie etwa den Trend zum außerbörslichen Handel und das Wachstum des Schattenbankensystems.

Ebenso ist die Vorstellung falsch, dass die Transaktionssteuer von den Marktteilnehmern absorbiert würde. Der Hochfrenquenzhandel, der das größte Volumen an Transaktionen ausmacht, würde am meisten zu leiden haben und würde wohl aus dem Markt gedrängt werden. Soweit Arbitrage einen wichtigen Bestandteil der Preisfindung darstellt und Liquidität unverzichtbar ist, wird ein Schaden eintreten.

Im Gegensatz zur landläufigen Meinung handelt es sich nicht um die „Spekulanten“, die unter einer solchen Steuer zu leiden hätten. Denn für Leute, die auf Wertveränderungen von mehreren Prozent wetten, würde eine solche Steuerbelastung im Vergleich zu den Gewinnen gering ausfallen.

Wie der Euro riskiert die Finanztransaktionssteuer zu einem fehlgeschlagenen europäischen Experiment zu werden. Doch anders als der Euro könnte dies leicht aufgegeben werden. Das ist das Gute daran.

Bei Beate Reszat handelt es sich um eine Autorin und Wirtschaftswissenschaftlerin, die die internationalen Finanz- und Währungsmärkte beobachtet. Sie war Head of Research der internationalen Finanzmärkte am Hamburger Institut für Weltwirtschaft. Eine Version dieses Artikels ist in ihrem Blog erschienen.

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