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INTERVIEW: Der Leiter der Vermögensverwaltung Deutschland der Deutschen Bank erzählt von seiner Karriere und der Zukunft der Branche

Björn Jesch, Leiter Vermögensverwaltung Deutschland, Deutsche Bank, Private Wealth Management beantwortet im Interview mit eFinancialCareers.de einige Fragen über seinen Werdegang und gibt einige Tipps für eine erfolgreiche Karriere im Banking.

1. Welche Berufserfahrungen haben Sie schon in den Finanzdienstleistungen gesammelt?

Von Beginn an war ich im Kapitalmarktgeschäft. Nach meiner Ausbildung zum Bankkaufmann habe ich einige Zeit als Devisenhändler gearbeitet, bevor ich dann in die Investmentberatung im Private Banking und Private Wealth Management eingestiegen bin. Hier war ich im In- und Ausland in unterschiedlichen Positionen im Management tätig. Heute leite ich die Vermögensverwaltung des Deutsche Bank Private Wealth Managements. Zu meinen Aufgaben gehört auch das Management einiger Fonds, womit sich der Kreis schließt, weil ich wieder im aktiven Portfolio Management arbeite.

2. Würden Sie Ihren Karriereweg als konventionell oder als ungewöhnlich beschreiben?

Beides ist richtig: Ich habe im Jahr 1989 Abitur gemacht, also zu Beginn des großen BWL-Booms. Dennoch habe ich mich bewusst gegen ein wirtschaftswissenschaftliches Studium entschieden, obwohl das damals wie heute die Eintrittskarte für eine Finanzmarktkarriere war. Dass diese Entscheidung meine Karriere in keiner Weise gehemmt hat, liegt sicher auch daran, dass die Stationen meines Werdegangs immer sinnvoll und mit einer Aufwärtsbewegung aufeinander folgten. Mein Entschluss, ins Privatkundengeschäft und nicht in den institutionellen Bereich zu gehen, entsprach sicher nicht dem typischen Muster einer Karriere, die im Handel begann.

3. Was ist wichtiger: Talent oder harte Arbeit?

Muss man sich für eines entscheiden, so ist es auf jeden Fall das Talent. Im Kontext des Portfolio Managements verstehe ich darunter etwa Initiative, Kreativität und Intuition. Ich habe allerdings schon viele Talente im Asset Management wieder verpuffen sehen, weil die Disziplin für Formalitäten, Prozesse und andere weniger spannende Aspekte der Professionalität fehlte und darunter die Qualität und die Ergebnisse litten.

4. Was würden Sie Bewerbern vor einem Vorstellungsgespräch mit Ihnen raten?

Abgesehen davon, dass ich mir eine professionelle Herangehensweise mit exzellenter Vorbereitung zum Unternehmen und den Inhalten der in Rede stehenden Position wünsche, möchte ich echte Begeisterung sehen. Was mir darüber hinaus besonders wichtig ist: Ein Bewerber sollte unbedingt ehrlich sein. Man sollte im Gespräch mit mir lieber eine Wissenslücke souverän eingestehen als die weißen Flecken auf der Wissenslandkarte wortreich zu tarnen.

5. Was wissen Sie heute über das Bankgeschäft, was Sie gerne bereits vor 15 Jahren gewusst hätten?

Vor 15 Jahren konnte sich noch kein Asset Manager vorstellen, dass es so möglich sein würde, die Gesetze und Selbstregulierungsmechanismen der Kapitalmärkte durch völlig irrationale Reaktionen so leicht auszuhebeln. Die “schwarzen Schwäne”, mit denen wir heute immer rechnen müssen, lagen außerhalb unserer Vorstellungskraft. Natürlich wäre es für mich ein enormer Vorteil, hätte ich das eine oder andere Kapitalmarktereignis auch nur ansatzweise antizipieren können. Aber die Entwicklung der jüngeren Vergangenheit und meine Rolle haben mich nicht desillusioniert – im Gegenteil. Ich sehe es als Herausforderung, mein Portfolio Management auf die geänderten Verhältnisse erfolgreich auszurichten.

6. Falls Sie nur einen Mitarbeiter in den kommenden sechs Monaten einstellen dürften, wie würde das Profil aussehen?

Die nächsten sechs Monate versprechen sehr turbulent und fordernd zu werden. Gefragt ist unter diesen Umständen im Portfolio Management vor allem eine Persönlichkeit mit hoher intrinsischer Motivation, großer Flexibilität und einer ordentlichen Portion Markt-Instinkt.

7. Wir wird Ihr Geschäftsbereich in 2015 aussehen?

Im Moment lässt sich nur schwer vorhersagen, wie unser Geschäftsbereich im nächsten Jahr aussehen wird. Einige langfristige Trends sind jedoch erkennbar: Der Schwerpunkt wird auch in Zukunft stärker auf der Weiterentwicklung von Methoden zum Risikomanagement liegen als auf der Suche nach Überrenditen. Auch wird die Bedeutung von Strömungen und Tendenzen, die nicht auf messbaren Markttrends, sondern auf Marktpsychologie im Sinne der “Behavioral Finance” beruhen, immer größer. Im Moment ist wegen der globalen Kapitalmarktentwicklung vieles im Fluss. Nicht zuletzt deshalb haben Kundenorientierung, Vertrauen und Transparenz für uns höchste Priorität.

8. Wie würden Sie jemanden davon überzeugen, für Sie zu arbeiten?

Wer in mein Team kommt, kann sich sicher sein, dass ich ihn in seiner Entwicklung eng begleite und als Sparringspartner zur Verfügung stehe. Ich ermutige jeden dazu, neue Ideen zu entwickeln. Anerkennung und Beförderungen sind bei mir nicht das Resultat von Status und Seniorität, sondern von Kreativität und erfolgreicher Weiterentwicklung.

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