☰ Menu eFinancialCareers

Almunia spielt Sensenmann: WestLB-Schließung kostet mehr als 1 Mio. Euro pro Mitarbeiter

Stolzer Auftritt, traurige Realität: die ehemalige WestLB in Düsseldorf.

Stolzer Auftritt, traurige Realität: die ehemalige WestLB in Düsseldorf.

Den Sensenmann für bis zu 3900 Jobs hat EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia am heutigen Dienstag (20. Dezember) gespielt. Die EU-Kommission nickte das Restrukturierungsprogramm ab, das die Eigentümer der Bank (das Land Nordrhein-Westfalen und die dortigen Sparkassenverbände) sowie der Bund gemeinsam bei der EU-Kommission vorgelegt hatten.

Demnach darf die Bank ab dem 30. Juni 2012 kein Neugeschäft mehr betreiben und wird damit defacto dichtgemacht. Für die verbleibenden 4300 Mitarbeiter bedeutet dies nichts Gutes. Sicher ist lediglich, dass die 400 Mitarbeiter der sogenannten Verbundbank weiterbeschäftigt werden, die aus der WestLB ausgegliedert und anschließend an die Helaba angedockt wird.

Abwicklung kostet weitere Milliarden

Die einzige Chance für die übrigen Mitarbeiter besteht darin, dass einzelne Geschäftsbereiche der WestLB in den kommenden sechs Monaten verkauft werden. Doch die Uhr tickt. Erst vor einigen Tagen war der Westimmo-Verkauf an den Finanzinvestor Apollo Group geplatzt, womit die 470 Beschäftigten vor dem Aus stehen.

Vor einigen Wochen hatte sich bereits HSBC Trinkaus aus dem Verkaufsverfahren für das Mittelstandsgeschäft verabschiedet, womit sich die Weiterbeschäftigung von mehreren hundert Arbeitskräften bei HSBC Trinkaus ebenfalls erledigt hat.

Der einst von NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) prognostizierte Abbau von 1850 Stellen dürfte somit eher doppelt so hoch ausfallen. Was nicht bis Ende Juni verkauft ist, wird in die Bad Bank „Erste Abwicklungsanstalt“ (EAA) eingebracht und abgewickelt. Das gleiche Schicksal dürfte den restlichen Mitarbeitern drohen, die in eine sogenannte „Serviceplattform“ überführt werden.

Auch bei der Abwicklung der WestLB wird der Abbau jedes einzelnen Arbeitsplatzes durchschnittlich mehr als 1 Mio. Euro verschlingen. So veranschlagt die EU-Kommission die zusätzlichen Kosten mit 4,65 bis 5,85 Mrd. Euro, was umgelegt auf 3900 Stellen pro Kopf zwischen 1,19 und 1,5 Mio. Euro ausmacht. Die Kosten sind von den Eigentümern sowie dem Bund zu tragen, womit letztlich niemand anderes als der Steuerzahler gemeint ist.

EU-Kommission: Investmentbanker sind schuld

Dabei hatten schon die Rettungsaktionen in der Vergangenheit horrende Summen verschlungen. So errechnet die EU-Kommission, dass allein bei der Übertragung von Teilen des WestLB-Portfolios an die EAA eine Beihilfe von 11 Mrd. Euro geflossen sei, womit jeder Arbeitsplatz mit mehr als 2 Mio. Euro subventioniert worden ist.

Für das WestLB-Desaster machte die EU-Kommission die falsche Unternehmensstrategie verantwortlich: „Ihr Niedergang ist auf die Umstellung ihres Geschäftsmodells von einer Regionalbank, die Serviceleistungen für die Sparkassen erbringt, zu einer Investmentbank, die übermäßig Risiken eingeht, zurückzuführen.“

Kommentare (0)

Comments

Ihr Kommentar wird gerade geprüft. Nach erfolgreicher Prüfung wird es live gestellt.

Antworten

Pseudonym

E-Mail

Alle Informationen zu unseren Community-Richtlinien finden Sie hier