☰ Menu eFinancialCareers

GASTKOMMENTAR: Wie Sie sich richtig von Ihrem Investmentbanking-Job verabschieden

©istockphoto/dstephens

©istockphoto/dstephens

Selten habe ich so viele Leute aus den Finanzdienstleistungen getroffen, die nahezu jeden Aspekt ihres Jobs hassen. Gleich ob es sich um die schiere Langweile bei der Arbeit handelt, die Enttäuschung über die stockende Karriere, die Bezahlung im Verhältnis zur langen Arbeitszeit, manische Vorgesetzte oder Kollegen handelt, jeder scheint sich zu beklagen.

Doch üblicherweise höre ich nichts von einer geeigneten Exitstrategie aus unerfüllenden Jobs. Wenn ich jemanden aus den Finanzdienstleistungen frage, der mit seiner Arbeit unglücklich ist, wann er aussteigen will, dann erhalte ich keine konkrete Antwort. Denn die Leute verfügen über keinerlei Ausstiegsstrategie.

Sie sollten keine Lücken in Ihrem Lebenslauf haben

Wenn Sie auf gut Glück kündigen, dann begehen Sie einen schweren Fehler. Wir schreiben nicht das Jahr 2000, als es reichlich Jobs, üppige Gehälter und die Playstation 1 gab. Seit der Lehman-Pleite hat sich die Welt der Finanzdienstleistungen gründlich gewandelt. Die Arbeitgeber erwarten eine bessere akademische Ausbildung, mehr einschlägige Berufserfahrung und Lebensläufe, die mit den sieben Weltwundern konkurrieren können – womit jegliche Lücken ausgeschlossen sind.

Bei Lücken im Lebenslauf handelt es sich im gegenwärtigen Umfeld um wahre Genickbrecher, denn es gibt einfach zu viele berufserfahrene und qualifizierte Bewerber, um eine Ausnahme machen zu können. Kurz, geben Sie Ihren aktuellen Job nicht auf, so lange Sie keinen belastbaren und durchführbaren Plan besitzen.

Wenn der richtige Zeitpunkt für den Ausstieg gekommen ist

Hierbei handelt es sich um die verbreitetsten Gründe, wieso Mitarbeiter mit weniger als zehn Jahren Berufserfahrung vorzeitig ihren Job in den Finanzdienstleistungen aufgeben.

1. Eine schwache Performance

Sie sollten Ihren Job NICHT aufgeben, wenn es sich um das erste Mal handelt, dass Sie eine schwache Performance erzielt haben. Manchmal sind schwache Performance-Berichte legitim und verdient, dennoch obliegt Ihnen die Entscheidung, ob die Kommentare über Ihre Performance gerechtfertigt sind oder nicht.

Wenn die Kommentare ungünstig aber wahrheitsgemäß ausfallen, dann ist die Zeit gekommen, sich anzustrengen und die Mängel zu beheben. Falls die Einschätzungen ungerechtfertigt sind, dann sollten Sie prüfen, ob es sich um ein Missverständnis bei Ihrer Stellenbeschreibung bzw. den Performance-Erwartungen handelt oder ob Sie sogar sabotiert worden sind.

In jedem Fall sollten Sie Ihrer Arbeit mehr Aufmerksamkeit widmen, Ihre Ziele mit Ihren Vorgesetzten genau durchgehen, Ihre Performance dokumentieren, sich um ein besseres Verhältnis mit Ihren Vorgesetzten bemühen und sich zu fangen versuchen.

Wenn Sie tatsächlich gehen sollten: Falls es sich indes um eine zweite schlechte Performance-Review handeln sollten, dann ist die Zeit gekommen, sich aus dem Schlamassel zu verabschieden. Denn mehrere aufeinander folgende Performance-Reviews bedeuten tatsächlich zweierlei: Entweder es gibt tatsächlich eine Diskrepanz zwischen den Anforderungen des Jobs und Ihren Fähigkeiten oder bei Ihrem Vorgesetzten handelt es sich um den Antichristen, der Sie den Höllenhunden ausliefern will.

2. Ein winziger Bonus

Sie sollten Ihren Job NICHT aufgeben, wenn die Boni branchenweit, unternehmensweit oder in Ihrer gesamten Abteilung sinken. Denn darin spiegelt sich nur wieder, was in der Branche, dem Unternehmen oder der Abteilung gerade abläuft und negative Auswirkungen auf Ihren Bonus hat.

Anders sieht es aus, wenn Sie als Underperformer abgestempelt und alle anderen gut bezahlt werden. Dann sollten Sie darüber nachdenken, das Unternehmen oder zumindest die Abteilung zu wechseln. Denn Bonustrends kehren sich normalerweise nicht von allein um, weshalb es wahrscheinlich ist, dass Ihr Bonus im kommenden Jahr ähnlich oder schlechter ausfällt.

3. Erschöpfende und langweilige Arbeit

Studien bestätigen, dass das Arbeiten in einer persönlich unbefriedigenden Umgebung desaströse Auswirkungen auf Ihr Privatleben sowie Ihre körperliche und mentale Gesundheit haben kann. Nachdem ich diese Erfahrung vor einigen Jahren selbst machen musste, kann ich dies nur bestätigen.

Wenn Sie Ihren Job NICHT verlassen sollten: Manchmal hilft es, mit Ihren Vorgesetzten zu sprechen und Ihre Verantwortlichkeiten zu verändern oder Sie können über einen internen Wechsel in ein befriedigenderes Umfeld nachdenken.

Sie sollten indes gehen, wenn es sich als unmöglich herausstellt, in eine andere Abteilung oder Ihre gegenwärtige Stelle zu wechseln. Dann ist die Zeit gekommen, sich anderswo umzuschauen.

4. Ein besserer Job auf der Buyside

Wenn Ihnen ein Job auf der Buyside angeboten wird, dann sollten Sie in nahezu jedem Fall gehen. Falls sich eine Chance auf der Buyside auftut, dann ist diese meist mit mehr Verantwortung, besserer Bezahlung und besseren Karrierechancen verbunden. Darüber brauchen Sie also nicht lange nachzudenken.

Sie sollten NICHT gehen, wenn die Bonuzahlung kurz bevorsteht. Tatsächlich sind Jobs auf der Buyside konkurrenzfähig und übrigens auch sehr gesucht, daher sollten Sie sich diese Chance in nahezu jedem Fall nicht entgehen lassen.

5. Falls Sie an eine Business School gehen wollen

Sie sollten NICHT gehen, wenn die Auszahlung Ihres Bonus kurz bevorsteht.

Dagegen rate ich Ihnen, drei bis vier Monate, bevor die Business School beginnt, zu gehen. Dabei sollten Sie die Zeit wie folgt nutzen: Besuchen Sie einen Monat Ihre Familie, gehen Sie zwei Monate lang auf Reisen (Mittel- und Westitalien, Martinique oder ein Plätzchen in Südost-Brasilien sind meine persönliche Favoriten) und einen Monat, um sich zu erholen und auf den Alltag an der Business School einzustellen.

Bei Exeter Jones handelt es sich um einen Philosophen, der im Körper eines Schreibers gefangen ist, und der wiederum im Körper eines Alternative Investment Analysten eingeschlossen ist. Jones hat im Investmentbanking und in Alternativen Investments gearbeitet. Eine englischsprachige Version dieses Artikels ist bereits auf Mergers and Inquisitions erschienen.

Kommentare (0)

Comments

Ihr Kommentar wird gerade geprüft. Nach erfolgreicher Prüfung wird es live gestellt.

Antworten

Pseudonym

E-Mail

Alle Informationen zu unseren Community-Richtlinien finden Sie hier