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Ausblick: Wo 2012 in der Schweiz die besten Jobchancen für Finanzprofis versteckt sind

Credit Suisse am Zürcher Paradeplatz.

Credit Suisse am Zürcher Paradeplatz.

Selten war eine Prognose zur Arbeitsmarktentwicklung in den Finanzdienstleistungen schwieriger. Die schwelende Staatsschuldenkrise, der starke Franken und die Restrukturierung der Branche stellen ein grosses Fragezeichen hinter alle Aussagen zu den Trends in 2012. Dennoch haben wir bei führenden Headhuntern in Zürich und Genf nachgefragt, wo die heissesten Jobchancen in der Schweiz versteckt sind.

Die selektiven Einstellungen gehen weiter

Laut Lars Brändle von kessler.vogler human capital management werden die Arbeitgeber im neuen Jahr eher „opportunistisch“ als proaktiv einstellen. „Wenn wir einen sehr guten Kandidaten haben und diesen vorschlagen, dann wird das geprüft. Die Chancen bestehen nach wie vor. Das stellen wir bei vielen Banken fest“, beteuert der Headhunter.

Das schwierige wirtschaftliche Umfeld sorge für reichlich Verunsicherung – auch und gerade auf Bewerberseite. „In solchen Zeiten werden wir oft von Kandidaten angefragt, was möglich ist“, ergänzt Brändle. Denn durch die fortschreitende Umstrukturierung in der Branche schauen sich auch Kandidaten rein vorsorglich auf dem Markt um.

Kommt der Banker-Exodus?

„In 2014/15 werden in der Branche 10 bis 15 Prozent weniger Leute arbeiten“, schätzt Klaus Robert Biermann von Biermann Partners. Für das kommende Jahr rechnet der Personalexperte damit, dass sich viele Banker von der Branche verabschieden und bei Boutiquen, kleinen Shops, Beratungen, Asset Management-Selection, Risk Beratung und im alternativen Asset Mangement unterkommen. „Dies geschieht nicht nur gezwungenermassen, sondern auch freiwillig“, ergänzt Biermann.

Cashcows werden immer gesucht

Wer Erträge generieren kann, hat auch in schwierigen Situationen eine Chance. Daher liessen sich laut Brändle auch weiterhin die „Cashcows“ der Branche platzieren, wozu der Personalexperte Private Banker und  Spitzentrader zählt, die glaubhaft versichern, signifikante Zusatzerträge für ihren Arbeitgeber in spe generieren zu können. Auch die Rückholaktionen von bewährten Client Relationship Managern gingen weiter.

Konsolidierungswelle bei Schweizer Privatbanken bringt Bewegung in den Markt

Die wachsende Kostenbasis, höhere Anforderungen im Private Banking, das Ende des Bankgeheimnisses und der starke Franken werden auch in 2012 die Konsolidierung auf dem Schweizer Wealth Management-Markt vorantreiben. So gehen durch die Integration von Clariden Leu in den Mutterkonzern Credit Suisse 600 Stellen verloren und Sarasin geht an die brasilianische Safra Group.

Laut Stephan Surber von Michael Page Schweiz werde dies einige Bewegung in den Markt bringen. Viele Kandidaten müssten sich neu orientieren und auch die Banken müssten bestimmte Funktionen neu besetzen.

Im Wealth Mangement werden weiter Spezialisten gesucht

„In der Vermögensverwaltung wird es branchenweit weniger Stellen, aber zumindest Chancen geben“, sagt Stefan Bächer von Guggenbühl & Bächer. Da dieser Bereich teilweise mit Überalterung des Personals zu kämpfen habe, gebe es zumindest für junge Leute Chancen. Im Wealth Management gebe es auch Banken, die anitzyklisch agieren. „Man muss für seine Kunden da sein, wenn es regnet und nicht nur, wenn die Sonne scheint“, betont Bächer.

„Neben Senior Private Bankern mit Kundenbüchern werden im Wealth Management auch Produktspezialisten und Investment Consultants gesucht, um die Beratungsleistung zu verbessern, was auch dringend erforderlich ist“, ergänzt Biermann.

Der Trend zu Family Offices wird wahrscheinlich auch im neuen Jahr weitergehen. „Die Family Offices insourcen immer mehr Aufgaben, die früher von Dienstleistern wie Banken unternommen worden sind“, beobachtet Surber.

In Corporate Finance und Private Equity geht noch etwas

Trotz der Frankenstärke konnte sich die Schweizer Industrie in 2011 behaupten. „Den Industrieunternehmen geht es nicht schlecht“, resümiert Surber, was namentlich für den Mittelstand gelte. Daher rechnet der Personalexperte auch mit weiteren Einstellungen in Corporate Finance und Private Equity, die eng an die realwirtschaftliche Entwicklung gekoppelt sind. Gerade auch bei Corporate Finance Boutiquen beobachtet Surber ein positives Einstellungsverhalten. Ganz ähnlich sieht dies Biermann: „Wir glauben an das Corporate Banking und das Global Transaction Banking.“

In Genf dürfte das Commodity-Trading weiter einstellen

„Das Commodity-Trading wächst weiter. Da sehen wir klar Nachfrage, die allerdings in Genf stärker als in Zürich ausfällt“, sagt Surber. Vom dem anhaltenden Trend im Rohstoffhandel und den wachsenden Volumina werde der Handelsplatz Genf auch weiterhin profitieren.

Klassiker I: Compliance

 

Der Finanzkrise sei Dank werden Spezialisten in Compliance auch in 2012 Hochkonjunktur haben – besonders im Private Banking und im Asset Management. „Wir sehen einen starken Bedarf an Leuten, die Erfahrung mit Finanzdelikten mitbringen (in der Bekämpfung von Geldwäsche und Due Diligence). Darüber hinaus sollten die Kandidaten für diese Jobs Spezialisten in ihren geografischen Märkten sein, wobei das Hauptaugenmerk auf Osteuropa (Russland), Asien und Lateinamerika liegt. Spezialisten heisst, dass sie die Sprache fliessend sprechen und idealerweise aus der Region stammen oder dort für lange Zeit gelebt haben“, sagt Audrey Dresen von Oliver James Associates. Der ideale Compliance-Bewerber verfügt dabei über rund fünf Jahre Berufserfahrung in der Schweiz.

Klassiker II: Risk

Auch im Riskomanagement rechnet die Personalexpertin mit einem Fortgang der Einstellungswelle. „Wenn man sich die Quartalsergebnisse anschaut, dann sehen wir, dass Unternehmen, die in ihre Risikoinfrastruktur und –systeme investiert haben, bessere Ergebnisse im Vergleich zu denjenigen Unternehmen aufweisen, die dies unterlassen haben“, ergänzt Dresen. Dabei würden vor allen Bewerber mit einer guten mathematischen oder naturwissenschaftlichen Ausbildung gesucht, die ein profundes Verständnis für die verschiedenen Anlageklassen, die Märkte und die Bedürfnisse des Frontoffice mitbringen.

Dresen rechnet damit, dass der Bedarf an Credit und Market Risk-Spezialisten hoch bleibe. Da viele Unternehmen überdies ihr Abläufe optimieren, würden zunehmend auch Change Management-Experten und Business Analysten nachgefragt. Derartige Spezialisten sollten zwischen fünf und sieben Jahren Berufserfahrung mitbringen.

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