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Weiterbilden in der Freizeit – welche Freizeit?

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag fordert, Freizeit und Urlaub vermehrt zur Weiterbildung zu nutzen, dabei haben die meisten kaum freie Zeit dazu.

“Die Arbeitnehmer in Deutschland müssen mehr Ferien- und Freizeit in Weiterbildung investieren”, forderte jüngst Martin Wansleben, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK). Wansleben reagierte damit auf einen neuen EU-Bericht zur Arbeitszeit in Europa. Demnach haben die Beschäftigten in Deutschland insgesamt 40 bezahlte freie Tage pro Jahr, und sie gehören bei der Gesamtarbeitszeit zu den Schlusslichtern.

Während Gewerkschaftsführer und Sozialpolitiker sofort unisono die Freizeit zum höchsten unantastbaren Gut erklärten, belegen aktuelle Studienergebnisse am Beispiel der Fachkräfte im Finanz- und Rechnungswesen, dass Weiterbildung in der Freizeit kaum noch möglich ist – es gibt nämlich kaum noch welche.

Eine Studie von Robert Half, dem weltweit führenden Personaldienstleister im Finanz-, Rechnungs- und Bankwesen, belegt: Die Grenze zwischen Privatleben und Arbeitszeit verschwimmt zunehmend. Für 10% der in Deutschland befragten Finanzmanager etwa ist es undenkbar, ohne ihren Laptop oder PDA in den Urlaub zu fahren. Knapp ein weiteres Viertel (24%) aller Befragten greift auf das mobile Büro zurück, wenn beim Arbeitgeber dringende Projekte oder Veränderungen anstehen.

Viele haben gar keine Freizeit – sie arbeiten nämlich!

Der Branchen-Newsletter “Controller’s E-News” ermittelte kürzlich für Controller noch höhere Zahlen: Über die Hälfte (52,5%) der Controller ist demnach im Urlaub für ihre Firma erreichbar, vor 2 Jahren waren es noch 46%. Deutlich ist der Anteil jener gewachsen, die sogar jederzeit erreichbar sind: 23,5% gegenüber 11% in 2005.

Viele Arbeitnehmer bei Finanzdienstleistern und in Unternehmen müssen sich im Zuge der Globalisierung an internationalen Zeitzonen orientieren. Dazu ist es teilweise erforderlich auch in Randzeiten, also abends oder am Wochenende, zu arbeiten. Und dank BlackBerry & Co. ist das Büro für Viele nur eine Armlänge entfernt: Für 22% der deutschen Finanzexperten ist es laut Robert Half-Studie Normalität, abends die E-Mails abzurufen oder einen geschäftlichen Anruf zu tätigen.

Im Rahmen besonderer Projekte arbeiten weitere 44% auch nach Torschluss in der Firma zuhause weiter. Selbst das Wochenende ist nicht mehr unantastbar; mehr als ein Viertel (26%) der Arbeitnehmer widmet jedes zweite Wochenende einen Teil ihrer Freizeit dem Beruf, 7% sogar jedes Wochenende.

“Controller’s E-News” fand zum Thema Weiterbildung im Urlaub heraus: Befragt, was für ein Buch die Controller im bevorstehenden Urlaub lesen werden, gaben 19% an, ein Fachbuch für die berufliche Tätigkeit zur Hand zu nehmen. Wer solche Zahlen liest, fragt sich, wann genau hier noch die Weiterbildung Platz finden soll.

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