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Mein Gott – Sie haben Kleinwort umgebracht!

Nach der Übernahme der Dresdner Bank ist eines klar: Die Commerzbank hat offenbar kein Interesse, größere Investmentbanking-Kapazitäten in London zu behalten.

Das Frankfurter Institut hat nicht nur den Eigenhandel drastisch zurückgefahren – was angesichts angesichts der Performance von Dresdner Kleinwort sicher nicht das Schlechteste ist – sondern auch das Aktiengeschäft als Ganzes. Ja, sogar die Fusionsberatung bei Dresdner Kleinwort.

In weniger als zwölf Monaten wurde die einst mächtige Institution Kleinwort Benson in einen Haufen Schutt verwandelt.

Dabei ging es Kleinwort eigentlich ganz gut: Das britische Corporate-Broking-Geschäft war nicht schlecht, das Aktienresearch wurde ganz gut bewertet. Das ECM-Geschäft war an Großtransaktionen wie dem 10-Mrd.-Dollar-Börsengang von Rosneft 2007 beteiligt. Und die Fusionsberater betreuten weltweit Kunden wie Sinopec, IPIC, Petronas und QIA.

Was passiert nun mit den rund 3.000 Mitarbeiter, die in der Gresham Street weiterarbeiten?

Diejenigen, die ihre Jobs behalten, werden das wohl auch in Zukunft tun. Ansonsten sieht es so aus, als habe die Commerzbank Gefallen an dem Gebäude gefunden. Die Bank plant, die übrige Belegschaft aus London nachzuholen.

Die meisten, die gehen mussten, konnten bei anderen Banken in der City unterschlüpfen. Ein Indiz, dass Dresdner Kleinwort bis zum Ende im Frühjahr 2009 viele erstklassige Mitarbeiter beschäftigte.

Ein große Zahl von Aktien-Mitarbeitern sind bei schnellwachsenden Häusern wie Evolution und Execution aufgetaucht. Und das Corporate-Broking-Team ist nur einige hundert Meter weiter zu Investec umgezogen. Langjährige M&A-Banker wiederum sind zu respektablen Namen wie Greenhill und Wasserstein Perella weitergezogen.

Es wäre unfair zu sagen, dass niemand froh wäre, die Bank verlassen zu haben. Schließlich ist der neue Eigentümer Commerzbank im Kern eine krisengeschüttelte deutsche Privatkundenbank, die im Debt-Capital-Market-Geschäft in der unteren Liga spielt.

Ein Großteil des Geldes, das die Bundesregierung der Commerzbank zur Verfügung gestellt hat, galt übrigens nicht der Dresdner Bank und Dresdner Kleinwort. Die Bilanz von Dresdner Kleinwort war übrigens nie so groß, um sich mit den toxischen Wertpapieren zu vergiften – tatsächlich schlummerte ein Großteil in den Büchern der Mutter in Frankfurt.

Leider gehört es zur Natur des Investmentbankinggeschäfts, das kaum jemand in der City dem bekannten Namen hinterher trauern wird. Ein ähnliches Schicksal widerfuhr zuletzt nach der Übernahme durch die niederländische ING 1995. Und kaum jemand dürfte 2007, als sich die Dresdner-Kleinwort-Belegschaft unter dem Allianz-Dach relativ sicher fühlte, Bear Stearns hinterhergetrauert haben.

Während Bear Stearns aber ohnehin keine historische Bindung zum Londoner Finanzdistrikt hatte, bedeutet das Ende von Kleinwort zugleich das Ende einer 200 Jahre dauernden Geschichte. Lebe wohl, Kleinwort, der letzte verbliebene Name einer einst stolzen englischen Geschäftsbank.

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