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KOMMENTAR: Wieso Ackermann und seine Mitarbeiter die Kapitalerhöhung fürchten wie der Teufel das Weihwasser

Deutsche Bankchef Josef Ackermann ist kein Freund leiser Töne: “Die Deutsche Bank wird alles tun, um eine Zwangskapitalisierung zu verhindern”, posaunte der Schweizer kürzlich. Der deutsche Branchenprimus sei ausreichend kapitalisiert.

Insider hatten gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters ausgeplaudert, dass die Deutsche Bank bei einer Anhebung der harten Eigenkapitalquote auf 9 Prozent einen Kapitalbedarf von 9 Mrd. Euro aufweisen würde.

Die ebenfalls von Thomson Reuters entwickelte “Weltuntergangs-Maschine”, mit der sich der Kapitalbedarf der Banken bei einem Haircut südeuropäischer Staatsanleihen ausrechnen lässt, kommt zu einem noch drastischeren Ergebnis. Falls die Eigenkapitalquote auf 9 Prozent angehoben und den Griechenland-Anleihen ein Faconschnitt von 50 Prozent verpasst wird, dann würden der Deutschen Bank sogar 13,4 Mrd. Euro fehlen.

Vier Gründe wieso Ackermann keine Kapitalerhöhung will:

Bleibt die Frage, wieso Ackermann wie ein Kampfhund knurrt, um eine Kapitalerhöhung zu vermeiden? Die Antwort dürfte – wie so häufig – mit den Boni zusammenhängen. Konkret:

1. Bei Staatshilfen würden Boni gedeckelt

Falls die Deutsche Bank – wie so viele Institute vor ihr – den Gang zum Steuerzahler wählen würde, dann müsste die Bank die Vergütung ihrer Mitarbeiter auf 500.000 Euro deckeln. Mit einem solchen Kleingeld dürften sich viele wohldotierte Investmentbanker der Deutschen Bank wie etwa der Ackermann-Nachfolger und designierte Co-Chef des Instituts Anshu Jain kaum zufriedengeben. Die Deutsche Bank wäre mit einem Schlag im Investmentbanking nicht mehr konkurrenzfähig, da das Spitzenpersonal sofort das Weite suchen würde.

2. Geschäftsbereiche lassen sich nicht oder nur zum Spottpreis verkaufen

Die zweite Möglichkeit besteht darin, Geschäftseinheiten zu verkaufen und die Einnahmen ins Eigenkapital zu verbuchen. Doch aufgrund der wiederbelebten Finanzkrise sind derzeit kaum Käufer für derartige Geschäftsbereiche in Sicht. So versucht die Deutsche Bank seit über einem Jahr, die BHF Bank zu versilbern, ohne dass ihr dies gelungen wäre. Selbst bei einem Erfolg wäre hier nur ein kleiner dreistelliger Millionenbetrag einzusacken – viel zu wenig, um das Eigenkapital aufzufüllen.

3. Mit einer Kapitalerhöhung haben Aktionäre und Mitarbeiter schlechte Erfahrungen gesammelt

Der wahrscheinlichste Weg besteht mithin in der dritten Möglichkeit: einer Kapitalerhöhung. So hat die Deutsche Bank bereits im vergangenen Jahr erfolgreich 308,6 Mio. neue Aktien für jeweils 33 Euro ausgegeben und dabei die stolze Summe von 10,2 Mrd. Euro eingestrichen.

Allerdings haben die Investoren damit ein schlechtes Geschäft gemacht: Denn die Aktie der Deutschen Bank notierte zum Schlusskurs am Freitag bei mageren 27,31 Euro. Somit haben die Aktionäre in einem Jahr 17,2 Prozent ihres Einsatzes verloren. Daher erscheint es zweifelhaft, ob der Deutschen Bank ein solches Unternehmen erneut leicht fallen würde. In diesem Fall würden überdies nicht nur die Aktien, sondern auch der Wert der angesammelten Mitarbeiter-Boni verwässert, da diese an den Aktienkurs gebunden sind.

4. Wenn das Eigenkapital erhöht wird und die Gewinne stagnieren, purzelt die Eigenkapitalrendite

Und nicht zuletzt: Wenn das Eigenkapital bei gleichem oder gar sinkendem Gewinn steigt, fällt die Eigenkapitalrendite. Zwar hat sich Ackermann selbst längst von einer Eigenkapitalrendite von 25 Prozent verabschiedet, doch mit jedem Prozentpunkt, den die Eigenkapitalrendite nachgibt, sinken auch die Chancen von Ackermann und seinen Mitarbeitern auf fette Boni. So verwundert es nicht, dass der Deutsche Bank-Chef eine weitere Kapitalerhöhung bekämpft wie der Teufel das Weihwasser.

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