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GASTKOMMENTAR: Aus zehn Anfragen ergibt sich ein Meeting und aus 1000 Kontakten ein Vorstellungsgespräch

Es ist erst 11 Uhr und ich habe heute schon drei Absagen per Email erhalten. Daher möchte ich eigentlich in mein Bett zurückschlüpfen. Doch ich ringe mich dazu durch, einen Kaffee zu trinken. Das ist sicherer, als zu den Keksen zu greifen.

Denn den Morgen zu verschlafen, wäre nichts anderes als eine Verschwendung wertvoller Stunden, in denen ich Leute auftreiben und neue Kontakte knüpfen könnte. Ich versuche alle relevanten Personen in meinem speziellen Geschäftsfeld kennenzulernen. Viele davon beantworten meine Emails, treffen mich zum Kaffee und bezahlen sogar großzügig die Rechnung. Fühlen sie sich ein wenig schuldig, weil sie selbst angestellt sind und wissen, wie wenige Jobs es auf dem Markt gibt?

Die langen Nächte im Büro während meines früheren Jobs und meine schicke Ausbildung – wohin hat das alles geführt? Nach drei Monaten auf Jobsuche bin ich müde. Ich vermisse die Arbeit, die Kollegen, die Gehaltsüberweisung und sogar die Meetings am frühen Montagmorgen. Die erste Rate meines Studentendarlehens wird in einem Monat fällig und das bereitet mir Angst.

Das Spiel mit den großen Zahlen

Bei der Jobsuche geht es schlicht um die Zahlen: Ich schätze, dass zehn Anfragen – die meisten davon via Email – zu einem Meeting führen. Die zehn Meetings beschäftigen mich so lange, bis ich eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch erhalte, gleich ob es sich um einen Job handelt, den ich tatsächlich haben möchte. Und zehn Vorstellungsgespräche führen hoffentlich letztlich zu einer Jobofferte.

Also handelt es sich um 10x10x10=1000 Leute, mit denen ich mich abgeben muss, um möglicherweise ein Jobangebot zu erhalten. Die Zahl scheint erdrückend und beängstigend. Allerdings gehe ich davon aus, dass ich bereits 600 Kontakte hinter mir habe.Vielleicht ist es der Mathematiker in mir, der mich zu dieser Berechnung drängt.

Gibt es überhaupt so viele Leute in meiner speziellen Branche? Ja, sie gibt es, wobei es sich nicht allein um die Managing Directors, Chief Investment Officers und HR Professionals handelt. Die Vice Presidents und Associates zählen ebenfalls dazu. Teammitglieder, die die Hand heben und einen empfehlen können, sind viel zahlreicher als man glaubt.

Oftmals lässt sich zu den jüngeren Teammitgliedern leichter ein Kontakt herstellen; dabei kann es sich um sehr wertvolle Alliierte handeln, wenn es darum geht, Informationen auszutauschen zu Jobchancen, Veränderungen im Unternehmen und Einführungen. Diese Entdeckung gehört zu den angenehmsten Erfahrungen meiner aktuellen Jobsuche.

Ich bin über die Zahl der Leute in meiner Branche überrascht, denen ich zuvor niemals über den Weg gelaufen bin und die dennoch zu einem Treffen mit mir bereit sind. Wenn es einen Nutzen meines unablässigen Networkings gibt, dann ist dies, dass ich eine der bestvernetzten Personen in meinem Sektor bin. So sage ich mir jeden Morgen, sobald ich aufwache: “Es ist keine Frage, ob ich wieder eine Arbeit finde, sondern nur wann.”

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