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GASTKOMMENTAR: Wie schnell bei der Jobsuche Selbstvertrauen in Verzweiflung umschlägt

Schon in guten Zeiten kann die Jobsuche eine traumatische Angelegenheit darstellen. Doch wenn Sie arbeitslos sein sollten, dann fällt die Sache ungleich härter aus.

Es handelt sich um einen aufrüttelnden, andrenalinreichen Ritt. In einer Woche ergeben sich gleich drei Chancen bei erstklassigen Adressen und in der nächsten Woche haben sich alle erledigt und Sie sind zurück auf der Startposition. Der Mangel an aufmunterndem Feedback kann besonders frustrierend wirken.

Dabei handelt es sich um ein Spiel mit hohen Einsätzen. Denn die Suche nach einem Job unterscheidet sich grundlegend von gelegentlichen Vorstellungsgesprächen, während Sie immer noch glücklich angestellt sind. Sie fühlen sich wie in einer Tretmühle und Ihre Ersparnisse rinnen dahin. Das Leben in London oder in irgendeinem anderen Finanzzentrum ist teuer, besonders wenn Sie sich an das Leben eines Bankers mit allen seinen Annehmlichkeiten gewöhnt haben.

An einem bestimmten Punkt gerät man in die Zwickmühle zwischen einem idealen Job, der sich leider noch nicht ergeben hat, und einer weniger glamourösen Notlösung. Bei diesem Angebot müssten Sie einen beträchtlichen Abschlag von Ihren Gehaltsvorstellungen in Kauf nehmen und Sie hegen ernsthafte Bedenken, weshalb Sie die Zusage bereits seit mehreren Wochen aufgeschoben haben. Der Jobmarkt kann uns also mit Situationen konfrontieren, wie wir sie normalerweise nicht erwarten würden.

Doch gelegentlich stoßen Sie auch auf ein Stellenangebot, das besser als alle Ihre vorherigen Jobs ist. So habe ich während einer früheren Arbeitslosigkeit von einer offenen Stelle erfahren, die besser bezahlt war und interessantere Tätigkeiten als meine sämtlichen anderen Jobs umfasste. Ich kannte sogar schon das Team und mochte es sehr, denn Sie waren in der Vergangenheit bereits Kunden von mir gewesen. Der Chef arbeitete an einem Projekt für eine große Bank, weshalb sie jemanden brauchten, der so schnell wie möglich anfangen konnte und ich befand mich klar in der Poleposition. Dies lag daran, dass alle geeigneten Kandidaten lange Kündigungsfristen zu beachten hatten und mein Arbeitsverhältnis gerade geendet hatte.

Doch dann versetzte ein Manager einfach jemanden aus einem anderen Bereich der Bank. Mir war bewusst, dass der betreffende Kandidat weniger als ich geeignet war, weshalb die Begründung für mich reichlich unbefriedigend ausfiel: “Die Begrenzung unserer Mitarbeiterzahl zwingt uns zu einer internen Lösung. Das tut uns Leid…”

Ein Freund von mit, der in einer anspruchslosen aber lukrativen Position auf der Buyside arbeitete, fiel dem Dodd-Frank-Gesetz zum Opfer. So stellte die Bank seinem Team ein Ultimatum: Entweder sie suchten sich einen neuen Job oder sie würden abgewickelt. Die Londoner Niederlassung wurde geschlossen und er fand sich selbst in der Arbeitslosigkeit wieder.

Zunächst gab er sich noch recht zuversichtlich: “Wie viele andere Banker können schon meinen Job machen. Das sollte schon klappen. Mein Abfindungspaket ist groß genug, dass ich nicht mein Auto verkaufen muss.” Doch in den folgenden drei Monaten wurde das Leben immer schwieriger: Er musste aus seinem schicken Apartment aus- und in die Wohnung seines Bruders einziehen. Er organisierte einige Meetings, die zu nichts führten, und früher oder später hörten die Headhunter auf, ihn anzurufen. Auch das Auto musste er schließlich verkaufen.

Ich traute mich nicht, ihm zu sagen, wie unangebracht sein anfänglicher Optimismus war. Der beste Weg, um mit der zweischneidigen Motivation bei der Jobsuche umzugehen, besteht m.E. in Folgendem:

Haben Sie ein Leben jenseits der Jobsuche: Sie mögen versucht sein, sich lieber aus dem öffentlichen Leben zurückzuziehen, als die Fragen Ihrer Freunde zur Jobsuche zu beantworten. Doch dies ist falsch, denn viele Schwierigkeiten erscheinen als weniger groß, wenn Sie sich die Probleme Ihrer Freunde anhören. Und es ist erlösend, von Insidern zu hören, wie Ihre alte Firma langsam zusammenbricht.

Treiben Sie Sport: Damit fühlen Sie sich gleich besser und es stärkt Ihr Selbstvertrauen. Die Endorphine, die dabei produziert werden, helfen gegen Depressionen und Tagestiefs. Falls Sie lernen, wie Sie Ihre Gehirnchemie beeinflussen können, dann werden Ihre emotionalen Umschwünge beherrschbar.

3. Freuen Sie sich über Erfolge, auch wenn die Auswirkungen noch gar nicht absehbar sind: Beispielsweise mag das Networking mit acht Personen in der vergangenen Woche nicht unmittelbar zu Ergebnissen führen, doch Sie können nie wissen, ob sich vielleicht doch noch eine Jobchance ergibt.

Der Autor arbeitet im Investment Management.

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