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13.000 Jobs bedroht: Alles was Sie über das Planspiel einer Fusion von UBS und Credit Suisse wissen müssen

Eigentlich macht alles Sinn: Wenn UBS und Credit Suisse ihr Investmentbanking zusammenlegen würden, entstände laut JPMorgan-Analyst Kian Abouhossein mit einem Schlag eine der fünf weltgrössten Investmentbanken mit Erträgen von 19,9 Mrd. US-Dollar ab 2013.

Die gemeinsame Investmentbank wäre:

1. Der zweitgrösste Spieler auf dem Equity Markt mit Erträgen von 7,5 Mrd. US-Dollar.

2. Der sechstgrösste FICC-Player mit Erträgen von 8 Mrd. US-Dollar ab 2013.

Laut Abouhossein würden die Vorteile gerade im Geschäft mit Anleihen, Währungen und Rohstoffen substanziell ausfallen. “Eine Zusammenfassung der FICC-Geschäfte von Credit Suisse und UBS wäre im Kreditgeschäft stark (inklusive strukturierter Kredite) und im Währungsgeschäft relativ stark.”

Der erforderliche Aderlass

Dies würde indes notwendigerweise Kosteneinsparungen und Jobabbau nach sich ziehen. Die Kosten in dem virtuellen Joint Venture dürften gegenüber dem jetzigen Stand um 40 Prozent fallen. Die Mitarbeiterzahl würde insgesamt um 38 Prozent sinken. Damit wären rund 13.000 Jobs überflüssig, wobei 57 Prozent der Einsparungen auf das Equity-Geschäft, 30 Prozent auf FICC und 15 Prozent auf die Investment Banking Division entfallen würden.

Als Juniorpartner des Joint Ventures müsste die UBS die Hauptlast des Abbaus tragen: 45 Prozent ihres derzeitigen Personals müsste verschwinden, im Vergleich zu 32 Prozent bei der Credit Suisse. Die Verstümmelung im Equity-Geschäft würde bei der UBS noch gravierender ausfallen: Dort müssten 55 Prozent des Personals ihren Schreibtisch räumen. Die Auswirkungen des Planspiels hat JPMorgan in folgender Tabelle zusammengefasst:

Quelle: JPMorgan

Im Joint Venture würde der Credit Suisse nicht überall die Hauptrolle zufallen. So dürfte die UBS für das Flow FICC-Geschäft zuständig sein, während Credit Suisse das Geschäft mit strukturierten FICC zufallen würde. Die UBS erhielte auch das Geschäft mit Equity Flow Derivatives. Structured Equity Derivatives würde wiederum in die Verantwortung der Credit Suisse fallen, ebenso wie Prime Services, Cash Equities und Electronic Trading.

Wieso das Ganze Sinn machen könnte…

Laut Abouhossein würde die Zusammenarbeit der Investmentbanken von Credit Suisse und UBS durchaus Sinn machen. So bezweifelt der Analyst, dass die Credit Suisse allein jemals in er Lage sein werde, angemessene Erträge im FICC zu generieren und der Vorstoss in diesen Geschäftsbereich sei bislang zulasten der Aktionäre der Credit Suisse gegangen.

Nach den erforderlichen Restrukturierungskosten würde das Joint Venture Eigenkapital von 4,6 Mrd. Franken bei der Credit Suisse und 9,8 Mrd. Franken bei der UBS freisetzen. Die Credit Suisse würde dadurch die von Basel III vorgesehene Eigenkapitalquote (T 1) von 12,5 Prozent bereits 2013 erreichen, während es ohne die Fusion lediglich 9,4 Prozent wären. Die UBS würde sogar eine Quote von 18,3 statt 13 Prozent aufweisen.

Abouhossein weist auch darauf hin, dass es nicht das erste Mal wäre, dass zwei Schweizer Grossbanken fusionieren würden. So ist die UBS in 1998 aus der Fusion der Schweizerischen Bankgesellschaft in Zürich und dem Schweizerischen Bankverein in Basel hervorgegangen, wobei in den folgenden Jahren 24 Prozent des Personals abgebaut wurden.

… und wieso das ganze Unsinn ist

Falls wir den 1. April hätten, liesse sich die Bedeutung des Vorschlags leicht zu den Akten legen. Da dies jedoch nicht der Fall ist, lehnen andere Analysten den Entwurf ab.

“Ich mag es nicht, den Beitrag eines Mitbewerbers zu kritisieren. Aber ich habe heute nur einen einzigen Anruf erhalten. Unser Sales Team hat ebenfalls nur einen Anruf erhalten, was bedeutet, dass die Leute zu beschäftigt mit anderen Sachen sind oder es handelt sich lediglich um ein Konzept”, sagt ein anderer Banken-Analyst.

“Die Frage ist doch, wie würde sich das selbst finanzieren? Und wie würde das gewaltige Private Banking damit umgehen. Das scheint ein Rohrkrepierer zu sein”, ergänzt der Analyst.

Andere Bank-Analysten zeigen sich ähnlich skeptisch. “Sie befinden sich immer noch in einem Entwicklungsprozess und dies wäre geradezu ein revolutionäres Ergebnis. Ich glaube, dass keine von beiden Banken dafür bereit ist.”

“Es ist höchst unwahrscheinlich, dass dies umgesetzt wird. Fusionen im Investmentbanking sind besonders brutal und schwierig ins Laufen zu bringen. Sie lohnen sich nur, wenn eine Partei die andere kostenlos erhält, ähnlich wie bei JPMorgan and Bear Stearns oder Barclays und Lehman”, sagt ein anderer Analyst.

Branchenkenner bezweifeln auch, ob die Schweizer Politik einen solchen Bankenriesen durchwinken würde. Schliesslich würde der Schweizer Staat und seine Bevölkerung von einem solchen Institut leichthin in Geiselhaft genommen werden können.

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