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Alles was Sie über JPMorgans Prognose fürs Investmentbanking in 2012 wissen müssen

Wird das Jahr 2012 für das Investmentbanking womöglich noch schlimmer als das laufende Jahr? Und wenn Sie Ihren Job im Zuge der Restrukturierung der Branche verlieren, haben Sie überhaupt noch eine Chance, einen neuen Job zu finden?

JPMorgan-Analyst Kian Abouhossein und das vierzehnköpfige Aktienanalyseteam haben eine detaillierte Prognose für das Investmentbanking 2012 in Europa entwickelt. Die Auswirkungen der Umstrukturierung sind recht vielfältig. Dennoch lässt sich schon jetzt sagen, dass Sie hoffentlich nicht im Fixed Income einer europäischen Bank arbeiten sollten. Hier die wichtigsten Ergebnisse:

1. Falls die UBS ihr FICC-Geschäft erfolgreich reduzieren kann, dann handelt es sich möglicherweise um einen sicheren Arbeitsplatz

JPMorgans Analysten halten viel von der UBS und bezeichnen die Schweizer Großbank als erstklassige Wahl unter den globalen Investmentbanken. So verfügt das Unternehmen über eine komfortable Kapitalausstattung, hohe Liquidität und ist in Hinblick auf die Staatsschuldenkrise vergleichsweise wenig exponiert. Das Eigenkapital wird als “solide” bezeichnet und das Wealth Management entwickelt sich gut. So wird für 2013 mit einer Kernkapitalquote nach Basel III (Tier 1) von 11,7 Prozent gerechnet.

Dies hängt jedoch von der erfolgreichen Verkleinerung des FICC-Geschäfts ab. Falls sich dies nicht wie geplant entwickeln sollte, ziehen die JPMorgan-Analysten auch weiterhin einen Zusammenschluss des Investmentbankings mit dem der Credit Suisse in Erwägung, der 13.000 Jobs kosten könnte.

2. Entweder die Banken streichen Stellen, verringern die Vergütungen oder müssen mit einer kleineren Eigenkapitalrendite leben

Laut JPMorgan wird die Eigenkapitalrendite globaler Investmentbanken durchschnittlich um 53 Prozent auf 8,3 Prozent fallen, falls die Institute keine Gegenmaßnahmen ergreifen.

Doch der Absturz der Eigenkapitalrendite kann vemieden werden, wenn die Banken ihre Mitarbeiterzahl oder ihre Vergütung zusammenstreichen. Die Auswirkungen für die einzelnen Banken hat JPMorgan in einer Tabelle zusammengefasst. So schlägt Abouhossein vor, weitere 3400 Stellen zu streichen oder die durchschnittliche Vergütung um 18 Prozent zu senken.

Für die einzelnen Banken ergeben sich laut Abouhossein folgende Werte:

Credit Suisse-Investmentbanking: Entweder werden 1947 Stellen gestrichen oder der Personalaufwand pro Kopf wird von 305.000 US-Dollar auf 263.000 Dollar vermindert.

UBS-Investmentbanking: Entweder es werden 1664 Stellen gestrichen oder der Personalaufwand pro Kopf fällt von 313.000 US-Dollar auf nur noch 252.000 US-Dollar.

Deutsche Bank-Investmentbanking: Entweder es fallen 4228 Stellen weg, oder der durchschnittliche Personalaufwand sinkt von 469.000 US-Dollar auf 301.000 Dollar, was immerhin einen Abschlag von gut einem Drittel entspricht.

Goldman Sachs-Investmentbanking: Entweder es werden 4314 Stellen gestrichen oder der Personalaufwand pro Kopf fällt von 458.000 auf nur noch 378.000 Dollar.

Morgan Stanley-Investmentbanking: Entweder es fallen 3450 Stellen weg oder die durchschnittliche Vergütung sinkt von 390.000 auf 270.000 Dollar.

BNP Paribas CIB: Dort müssten 3984 Stellen wegfallen.

Société Générale CIB: Entweder es werden 2663 Stellen gestrichen oder der Personalaufwand pro Kopf fällt von 280.000 auf 183.000 Dollar.

Barclays Capital: Entweder es entfallen 5061 Stellen oder aber die Vergütung pro Kopf sinkt von 280.000 auf 183.000 Dollar.


Quelle: JPMorgan

3. In FICC sollten Sie bei den Branchengrößen arbeiten

Das Investmentbanking dürfte vorerst nicht zu einer Wachstumsbranche zählen. Wie die unten stehende Grafik zeigt, rechnen die Analysten von JPMorgan nicht damit, dass die Erträge in 2012 und 2013 nennenswert zulegen werden. Die Erträge aus dem Geschäft mit Anleihen, Währungen und Rohstoffen (FICC) dürften sogar weiter fallen.


Quelle: JPMorgan

Unter solchen Umständen sollten Sie bei einer der Branchengrößen arbeiten. In Fixed Income sind dies JPMorgan, Goldman Sachs, Deutsche Bank, BarCap, Citi oder die Bank of America. Alternativ rät JPMorgan zum “FICC light-Modell” von BNP Paribas.

4. Vielleicht sollten Sie auch für eine US-Bank arbeiten

Die US-Banken haben sich stärker bemüht, ihre Leverage und schlechte Darlehen zu verringern als ihre europäischen Mitbewerber. Die durchschnittliche Leverage der US-Banken liegt nur bei Faktor 8, bei den europäischen dagegen bei 17 oder bei 14, wenn die Hypotheken berücksichtigt werden. Dies scheint immer noch zu hoch zu sein.

Die europäischen Banken müssen überdies im kommenden Jahr Schulden von 395 Mrd. Euro refinanzieren und 389 Mrd. in 2013. Dies könnte unter den gegenwärtigen Marktbedingungen schwer fallen.

5. Einige der kleineren Wettbewerber könnten in Schwierigkeiten geraten

Die Vergütungsregeln führen in der EU dazu, dass die Fixgehälter steigen und die Boni sinken. Dies verringert gerade für die zweite und dritte Liga unter den Investmentbanken die Flexibilität auf der Kostenseite, rechnen die Analysten von JPMorgan vor. Dies macht eine Verringerung der Festgehälter oder aber Kündigungen wahrscheinlicher.

Laut JPMorgan handelt es sich besonders bei UBS, Credit Suisse und Morgan Stanley um Tier 2-Investmentbanken, die besonders unter den fallenden Erträgen und inflexiblen Vergütungssystemen zu leiden haben. Doch falls Sie das kommende Jahr bei der UBS überstehen, dann befinden Sie sich womöglich beim richtigen Arbeitgeber.

Französische Banken zählen nicht zu den Branchengrößen. Dennoch sind sie für die Zukunft möglicherweise besser aufgestellt, weil sie in der Lage sind, die geringeren Erträge durch geringere Vergütungen zu kompensieren. Dies wird aus der folgenden Grafik deutlich.


Quelle: JPMorgan

Die Schlussfolgerungen für 2012 lauten somit: Vermeiden Sie die Tier 2-Banken – außer die französischen; bleiben Sie bei US-Banken – außer es handelt sich um Morgan Stanley und vermeiden Sie UBS – außer Sie arbeiten in Equities oder der Investment Banking Division.

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