☰ Menu eFinancialCareers

GASTKOMMENTAR: Wieso ein erstklassiger Studienabschluss in Finanzdienstleistungen wichtig ist

Ich kann mich immer noch an den Ärger des Kollegen, eines Rates Traders, erinnern, als er die Lebensläufe durchblätterte: Von den Unis der Kandidaten kannten wir kaum eine und solche, die uns geläufig waren, konnten kaum als beeindruckend bezeichnet werden. In unserer Großbank zählen wir zu den lukrativsten Bereichen. Wie kann dann Human Resources eine derart enttäuschende Vorauswahl treffen?

Die Wahrheit ist, dass unser Desk den Ruf hatte, elitär zu sein. So verfügten alle acht Trader mindestens über einen Master in Science oder mehr und jeder einzelne verfügte (selbstverständlich) über einen erstklassigen ersten Studienabschluss, wodurch sie sich für die besten weiterführenden Unis wie Princeton, Oxford, École Polytechnique, Cambridge oder die London School of Economic qualifizierten.

Unser Bereich wuchs vorzugsweise organisch (was auch billiger ist), wodurch diese Elfenbeinturm-Kultur weiter verstärkt wurde. Denn die Praktikanten wurden zuerst und vor allem wegen ihrer akademischen Leistungen eingestellt. Ich erinnere mich an ein Meeting nach einer Runde von Vorstellungsgesprächen, in der die Performance der Kandidaten an diesem Tag diskutiert wurde. Als einer der bedeutendsten Sales-Mitarbeiter nach seiner Entscheidung über einen Kandidaten gefragt wurde, beklagte dieser sich über die “Mittelmäßigkeit” des Kandidaten, weil er einen nur “guten” Abschluss besaß. Daraufhin wurde er abgelehnt.

Doch wieso wird auf Prädikatsabschlüsse und Master-Titel so viel Wert gelegt? Wie so vieles in der Bankenwelt handelt es sich um eine Frage des Prestige und der Herkunft und nicht um Effizienz. Schon ein kurzer Blick durch den Handelssaal belegt, dass es nur eine geringe Korrelation zwischen akademischer Leistung und Performance gibt. Sicher muss man schlau genug sein, um mit den Feinheiten der Preisfeststellung von Derivaten zurechtzukommen, doch noch wichtiger sind die richtige Einstellung, Enthusiasmus und Motivation.

Daher macht die Einstellungspolitik unseres Desks auch wenig Sinn. Es gibt keinen Grund, wieso Leute mit nur einem “gut” nicht doch einen fantastischen Trader abgeben sollten. Doch wir haben nie einen Gegenbeweis gesehen. Denn die Leute ohne einen erstklassigen Studienabschluss haben aufgrund der tiefsitzenden elitären Kultur den Job erst gar nicht erhalten. Somit gibt es keinen Grund zu glauben, dass diese Einstellungspolitik jemals enden werde.

Kommentare (2)

Comments
  1. a) Die besten Trader sind fast nur selbständig. Sie traden aus Verdienstgründen oft für andere mit. Wie bekloppt müsste ein echter Könner auch sein, für ein knappes sechsstelliges Gehalt jeden Tag 14 Stunden angestellt zu arbeiten?
    b) Es sind meiner breiten Erfahrung nach Leute, die nur in wenigen Fächern gut waren – und genau daher wissen, was sie können und was nicht, also auch besser abstrahieren können, was worauf Einfluss haben könnte.

  2. Die Beantwortung der Frage “Wieso ein erstklassiger Studienabschluss in Finanzdienstleistungen wichtig ist”, hat in diesem Text eigentlich nicht stattgefunden. Vielmehr wurden Gründe wie Prestige, Elitenkultur und “das war bei uns schon immer so” vorgeschoben. Welch subelitäreres Denkvermögen man haben muss, um so einen BS von sich zu geben!

Antworten

Pseudonym

Pflichtfeld

E-Mail

Ungültige E-Mail-Adresse

Alle Informationen zu unseren Community-Richtlinien finden Sie hier