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GASTKOMMENTAR: Eine anthropologische Untersuchung des Middleoffice

Ohne eigene Schuld hat es mich ins Middleoffice verschlagen. Während langer Arbeitszeiten habe ich P&Ls kontrolliert und die Arbeitsabläufe optimiert, damit der Laden reibungslos funktioniert. Dabei habe ich ein profundes Verständnis der Persönlichkeitstypen entwickelt, die dort arbeiten. Diese werde ich jetzt ein wenig näher beleuchten:

1. Der Anal-Manager

Der Anal-Manager ist sehr stolz darauf, es so weit gebracht zu haben. Er schätzt seinen Job sehr, er schätzt seine Funktion sehr, er schätzt seine Bank sehr und verehrt die Shareholder.

Er ist empfänglich für rapide Stimmungsumschwünge. Gelegentlich kann er liebenswürdig sein, doch zumeist ist er unhöflich, jähzornig und rücksichtslos.

2. Der alte Associate

Der alte Associate wird vom Anal-Manager zugleich verachtet und geschätzt. Bei ihm handelt es sich nicht um den Stoff, aus dem Manager sind, denn er verfügt weder über die Fähigkeiten, mit Menschen umzugehen, noch über Selbstdisziplin. Doch er kennt das Geschäft und die Arbeitsabläufe in- und auswendig. Er wird immer Associate bleiben und weiß dies auch.

3. Der desillusionierte Analyst

Der desillusionierte Analyst ist schon seit einigen Jahren dabei und beginnt die Sinnlosigkeit des ganzen Geschäfts zu durchblicken. Als er anfing, schaute das Gehalt noch ganz anständig aus. 36 Monate später hat sich das geändert, die Stelle erscheint ihm sinnlos und genauso verhält es sich mit dem gesamten Banking. In der Weiterqualifikation besteht seine letzte Hoffnung, um dem Ganzen noch zu entrinnen.

Dabei steht er auf Parties an den Wochenenden wie in 1999.

4. Der Anal-Analyst

Der Anal-Analyst will alles über seine Stelle wissen. Er kriecht dem Anal-Manager so weit in den Hintern, wie das anatomisch möglich ist. Er sehnt sich danach, zum Associate zu avancieren und 10.000 bis 15.000 Euro zusätzlich zu verdienen.

Der Anal-Analyst wird häufig dabei gesehen, wie er versucht, mit sehr guten Ideen Lorbeeren einzuheimsen.

5. Der Startrader

Beim Startrader handelt es sich um keinen natürlichen Bewohner des Middleoffice, doch er schaut manchmal vorbei. Er gibt sich bescheiden, freundlich und hilfsbereit. Für das Middleoffice nimmt er sich immer Zeit. Obgleich er zu den Topverdienern zählt, kleidet er sich bescheiden.

Beim Startrader handelt es sich um meinen persönlichen Favoriten.

6. Der Möchtegern-Startrader

Der Möchtegern-Startrader stellt so ziemlich das Gegenteil des oben genannten dar. Er ist meist sehr wählerisch bei den Berichten, die er aus dem Middleoffice erhält und vertritt die Auffassung, dass alle anderen an seiner schwachen Performance schuld sind.

Der Möchtegern-Startrader kann beim Fischen auf eFinancialCareers ertappt werden, wo er sarkastische Kommentare hinterlässt.

7. Der ungeschickte Quant

Den unbeholfenen Quant werden Sie selten zu Gesicht bekommen. Falls Sie ihn doch im Aufzug treffen, dann wird er hartnäckig auf den Boden starren und jeden Smalltalk zu vermeiden suchen.

Auf seinem Schreibtisch liegt ein Programmierbuch und er kennt den Preis von jedem Produkt im Aldimarkt um die Ecke.

8. Der Rebell

Dem Rebell ist es ******egal, ob er seinen Job verliert.

Seine Leistungen liegen auf einem akzeptablen Niveau und er macht genau das, was er versprochen hat. Der Rebell verhält sich oftmals rotzfrech gegenüber dem Anal-Manager, wofür dieser ihn fürchtet.

Der Rebell verwendet viel Zeit aufs Schwatzen, um attraktive Kolleginnen zu verführen.

9. Die Prolls

Bei den Prolls handelt es sich gewöhnlich um Cash-Trader. Sie können dabei beobachtet werden, 80er-Jahre Hits im Handelssaal zum besten zu geben.

Dumm wie Bohnenstroh geben sie immer Stoff für einen guten Witz her.

10. Die attraktive Assistentin

Dabei handelt es sich um ein attraktives Mädchen, das seine Unterklassenherkunft nicht ganz kaschieren kann. Es wird von allen anderen Frauen gehasst, weil sich alle Männer nur mit ihr abgeben.

11. Die Neureichen

Lassen sich häufig darüber aus, wie toll Schilaufen sei, obgleich sie das gerade zweimal gemacht haben.

12. Die nicht ins Raster fallen

Dabei handelt es sich um einen durchschnittlichen Typen. Er ist üblicherweise liebenswürdig, obgleich es beträchtliche Unterschiede gibt.

Bei dem Autor handelt es sich um einen leicht desillusionierten Banker aus dem Middleoffice, der lieber ein Trader wäre.

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