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GASTKOMMENTAR: Es lohnt sich, als Excel-Affe durchzuhalten

Auf dieser Website sind kürzlich einige Artikel von Junior-Bankern erschienen, die sich aufgrund des vielen Ärgers in der Branche entschieden haben, ihr Glück bei weniger fordernden Tätigkeiten zu suchen.

Obgleich Investmentbanking sicherlich nichts für jeden ist, wende ich mich gegen die Vorstellung, dass es sich um eine teuflische Kröte handle, die sich auf die besten Jahre Deines Lebens setzt.

Kürzlich habe ich einen Anruf von einem Freund erhalten, den ich Jean-Philippe nenne. Bei Jean-Philippe handelt es sich um einen der wenigen Überlebenden aus meinem Investmentbanking Associate-Programm. Er gehört zu einer seltenen Spezies: Immun gegen Nachtschichten klebt er rund um die Uhr an seinem Blackberry (selbst wenn er um 2 Uhr nachts bei Whisky Mist auf einem Stuhl steht und Champagner herunterkippt).

Jean-Philippe ist auch ein Beleg dafür, dass das Leben – mit viel Ausdauer – besser wird, wenn Sie lange Zeit im Banking arbeiten.

Wieso ich Jean-Philippe beneide.

Ich habe mit Jean-Phillipe eine Wohnung geteilt und ihn immer gemocht. Anders als seine gleichrangigen Kollegen hat er eine anständige Universität besucht, eine allerdings – die nie auf den Wunschlisten der großen Banken erscheint. Ich weiß immer noch nicht, wie er dieses oftmals unüberwindliche Hindernis bewältigt hat und die Aufmerksamkeit der Banken erlangt hat.

Anfangs stellte Jean-Phillipes gallischer Charme sicher, dass er die Bars und Banken immer als letzter verließ, doch konnte er dies niemals in einen Erfolg mit dem wichtigen Leuten in der Bank umsetzen. Er begann im Bereich Capital Markets, was nicht gerade der Ort ist, an dem die künftigen Hedgefondsmanager und Private Equity-Manager des Universums ihre ersten Erfahrungen sammeln.

Im Bereich Capital Markets hätte Jean-Philippe eine Vielzahl von Gelegenheiten gehabt, die Finanzchefs von Unternehmen zu treffen. Daher hätte er das Bankgeschäft für einen komfortablen 9 bis 19-Uhr-Posten im Treasury oder im Corporate Finance eines Unternehmens verlassen können.

Stattdessen hing er fest und krümmte sich über Excel-Tabellen, während einer nach dem anderen von uns auf grünere Weiden außerhalb des Bankings wechselte.

Wir bemitleideten ihn, unserem Weg nicht gefolgt zu sein, doch da er allgemein beliebt war, haben wir ihm das niemals direkt gesagt. Wir wunderten uns auch, wie er das aushielt: Unser Leben auf der Buy-Side war so viel besser, als das was wir als Associates im Banking durchmachen mussten. Wir fürchteten, dass nachdem die Banken riesige Beträge von Subprime-Verbindlichkeiten in ihren Bilanzen abgeschrieben hatten, er in dem Blutbad der unvermeidlichen Abbauwelle eine Kündigung erhalten würde.

Doch dies geschah niemals.

Vielmehr sah es so aus, als ob Jean-Phillipe mit dem Verbleib im Banking ein gutes Geschäft gemacht hätte. So sind die Grundgehälter für Junior-Banker im Vorfeld strengerer Bonusregeln gestiegen und die Jobs auf der Buy-Side begannen, nicht mehr allzu sicher auszuschauen, als die Fonds Schwierigkeiten bekamen, neue Fonds auf dem Markt zu platzieren oder Mittelzuflüsse zu generieren. In der Zwischenzeit erntet Jean-Philippe die Belohnung für sein Leben im Investmentbanking.

Er hat die meisten seiner Wochenenden frei und betreibt immer weniger Zahlenverarbeitung. Bei Wiedersehenstreffen zum Abendessen oder Brunch sieht er weniger Müde aus und er hat gelernt, mit den Säcken unter den Augen besser umzugehen. Und zum ersten Mal sind wir neidisch. Denn langfristig lohnt sich Investmentbanking doch.

Bei dem Autor handelt es sich um eine ehemaliger M&A-Associate, der jetzt im Private Equity arbeitet.

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