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GASTKOMMENTAR: Wieso Schweizer Privatbanken zu den Gewinnern der Krise zählen

Die Finanzkrise wurde nicht durch die edlen und verschwiegenen Privatbanken in der Schweiz ausgelöst, sondern durch die wallstreethörige, Geld pumpende FED, Performance getriebene Manager von Grossbanken sowie durch naive Privatkunden, die sich ein Haus kauften, ohne es sich leisten zu können.

Diese Entwicklung ist nicht spurlos an der Schweiz vorbeigegangen. So wurde die früher grossspurig auftretende UBS in den Strudel der Finanzkrise hineingerissen und mit der Auslieferung von Kundendaten an die US-Steuerbehörden hat sie das Ende des traditionellen Bankgeheimnisses eingeläutet. Dieser Umsturz vollzog sich in kürzester Zeit – ein wahrhaft revolutionärer Vorgang.

Für die traditionellen, kompetenten und konservativen Privatbanken hatten alle Ereignisse zusammen nur erstaunlich minime negative Konsequenzen und zwar aus folgenden Gründen:

1. Die strategischen Vorteile der Privatbanken

Dabei sind die Vorteile der Privatbanken Legion: Humane Grösse, Fokussierung auf die Bedürfnisse der Kunden und nicht der Manager, grössere moralische Verantwortung aufgrund des engen Kontaktes zwischen Private Bankern und Kunden, nicht nur kompetente, sondern vor allem erfahrene Mitarbeiter, welche das Auf- und Ab der Märkte über Jahrzehnte kennen und im Fall einiger Kommanditgesellschaften auch uneingeschränkte persönliche Verantwortung und Haftung. Kurzum, all diese Faktoren führen zu einer grundsätzlich anderen Gewichtung der Return/Risikoneigung der Akteure mit der Konsequenz, dass diese Banken und die Portfolios der Kunden weitaus vorteilhafter durch die Krise geschlittert sind.

2. Die Schwächen der Grossbanken

Die Privatbanken in der Schweiz, ihre Ableger in Asien oder anderswo auf der Welt profitierten auch von der Schwäche der Grossbanken, notabene der UBS. Entsprechend verzeichneten diese in den letzten Jahren enorme Zuflüsse an Neugeldern alter und neuer Kunden, damit sind diese Institute für die Zukunft besser aufgestellt als zuvor.

3. Eurokrise führt zu Neugeldzuflüssen

Die strukturelle Schwäche des Euroraumes, notabene der dilettantische Umgang des europäischen Politbüros damit, führte dazu, dass insbesondere aus Deutschland seit Ausbruch der staatlichen Schuldenkrise im Frühjahr 2009 Euros in mehrstelliger Milliardenhöhe den Weg in Schweizer Bankkeller gefunden haben – und zwar umgetauscht in starke Schweizer Franken.

4. Hohe Qualität der Arbeitskräfte

Die Dichte an qualifizierten Arbeitskräften, der rege Austausch von Marktakteuren nicht nur im Private Banking, sondern auch im Rohstoffbereich – noch vergrössert durch die steuerlich bedingte Abwanderung verschiedenster Hedgefonds aus London – wird sich ebenfalls positiv auf die Innovationsleistung auswirken und dafür sorgen, dass die bisherigen Finanzzentren wie Genf und die Region um Zürich und Zug auch in Zukunft einen entscheidenden Einfluss auf die globalen Finanzströme haben werden.

Damit sind gerade die Banken in der Schweiz die grossen Profiteure der instabilen politischen und finanzwirtschaftlichen Situation Europas und der globalisierten Weltwirtschaft. Verbunden mit dem traditionellen Wissen über das Finanzmetier, der Offenheit gegenüber neuen Technologien und Investmentthemen, können Schweizer Privatbanken daher äusserst optimistisch der Zukunft entgegenblicken.

5. Anteil ausländischer Banker wird weiter steigen

Die grösste Gefahr für die Banken liegt in der aktuellen Regulierungswut von Nationalbanken und Politikern und im mühsamen, ineffizienten Aufbau weiterer interner Kontrollstrukturen, die allesamt künftige Krisen nicht verhindern werden. Allerdings wird der pragmatische Ansatz der Schweizer Politik dazu beitragen, dass sich die Standortvorteile der Vermögensverwaltung in der Schweiz gegenüber dem europäischen Umland auch weiterhin positiv abheben werden.

Nur eines muss jedem Kunden bewusst sein: Hinter den Hochsicherheitstüren der Banken warten nicht mehr Schweizer Kundenberater auf ihn, sondern europäische und globale Wanderarbeiter. Die Chance, auf eine Schweizer Arbeitskraft zu treffen, dürfte in etwa so wahrscheinlich sein wie ein Sechser im Lotto.

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