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Bundesbank baut bundesweit 800 Stellen ab – Verdi protestiert

Der Stellenabbau-Virus auch die Bundesbank erfasst. Endlich möchte man sagen, schließlich sind die einst mächtigen Frankfurter Währungshüter längst zu einem ausführenden Organ der Europäischen Zentralbank geworden und haben operativ nicht mehr viel zu melden.

Ein Sprecher der Behörde bestätigte, dass 13 von bundesweit 47 Filialen bis 2012 geschlossen werden sollen. Betroffen sind die Standorte Aachen, Augsburg, Bayreuth, Bremen, Cottbus, Dresden, Duisburg, Flensburg, Gießen, Kassel, Kiel, Lübeck und Meiningen sowie die Betriebsstätte in Lörrach.

Von den Schließungsplänen sind rund 800 Mitarbeiter betroffen. Der Prozess werde sozialverträglich ohne betriebsbedingte Kündigungen ablaufen, sagte Bundesbank-Sprecher Andreas Funke.

Die Gewerkschaft Verdi kritisierte die Pläne dennoch umgehend und kündigte ein Treffen mit der Bundesbank-Spitze an, um die Pläne zu diskutieren. “Wir verurteilen die Pläne der Bundesbank, fast die Hälfte ihrer Filialen zu schließen”, sagte Uwe Foullong, im Verdi-Bundesvorstand für Banken zuständig. “Ein solcher Kahlschlag ist völlig unverständlich und bedeutet zudem einen Wortbruch des Bundesbankpräsidenten, der den Arbeitnehmervertretern noch im März erklärt hat, dass keine Notwendigkeit bestünde, eine größere Anzahl von Filialen zu schließen”, so der Gewerkschaftsfunktionär.

Hintergrund für die Zentralisierung der Standorte ist das Ziel der Europäischen Zentralbank, die Bargeldversorgung zu 50 Prozent in die Hände privater Anbieter zu legen. “Von diesem Ziel sind wir noch weit entfernt”, sagte Bundesbank-Sprecher Funke. In Deutschland liegt der Anteil der Bundesbank noch bei 70 Prozent. Offensichtlich gibt es auch Probleme, ausreichend private Anbieter für diese Aufgabe zu finden.

Verdi hält dieses Argument aber für vorgeschoben. “Damit handelt die Bundesbank gegen den ausdrücklichen Willen der Marktteilnehmer, der Banken und des Einzelhandels”, sagte Foullong. Die Begründung, dass sie eine europäische Vereinbarung umsetze, sei ein vorgeschobenes Argument, mit dem sich die Bundesbank aus der Verantwortung für ihre arbeitsplatzvernichtende Maßnahme stiehlt und sich hinter der EZB versteckt, so der Gewerkschafter.

Die Filialen der Bundesbank versorgen Banken und Händler mit Bargeld und überprüfen Münzen und Scheine auf Falschgeld und Schäden. Moderne Sortier- und Zählmaschinen bei der Bundesbank haben die Kapazitäten der Filialen in den vergangenen Jahren beträchtlich erweitert, sodass eine Konzentration unvermeidlich ist. Über die bisherigen Schließungspläne hinaus prüft die Bundesbank die Errichtung von zwei großen Bargeldzentren in Süddeutschland.

Das würde zur Schließung weiterer neun Filialen führen. In Hamburg soll ein weiteres Bargeldzentrum entstehen. “Auf Hamburg werden größere Aufgaben zukommen, die auch mehr Personal erfordern”, so Bundesbank-Sprecher Funke weiter. Gegenwärtig arbeiten dort 375 Beschäftigte.

Damit verlängern sich für viele Kreditinstitute, die Hauptkunden der Bundesbank, die Wege zur Bundesbank. “Den Grundsatz, kein Weg zur nächsten Filiale soll länger als 50 Kilometer sein, können wir nicht mehr aufrechterhalten”, sagte Funke.

Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) hat derweil gegen die Schließungspläne protestiert. Es wäre inakzeptabel, wenn Schleswig-Holstein im Norden das einzige Flächenland ohne Bundesbank-Filiale würde, ließ Carstensen per Brief an Bundesbank-Präsident Axel Weber verlauten.

Mit Befremden habe er der Presse entnommen, dass die Bundesbank alle Filialen im Land (Kiel, Lübeck, Flensburg) schließen wolle, in Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen aber keine. Carstensen forderte Weber auf, das Konzept zu überdenken und eine für alle Länder ausgewogene Lösung zu erarbeiten.

Gerade junge Ökonomen, die frisch von der Uni kommen oder erst ein paar Jahre Berufserfahrung gesammelt haben, sollten sich regelmäßig die Webseite der Bundesbank anschauen. Gegenwärtig sucht das Institut u.a. mehrere Prüfer in Düsseldorf, Frankfurt und Stuttgart.

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