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Wie viel Ihre Arbeit wirklich wert ist

Die fairen Preise von Aktien, Rohstoffen oder Währungen zu bestimmen, ist schon schwierig genug. Doch bei der Jobsuche steht jeder Bewerber vor der Aufgabe, seine eigene Arbeitsleistung und seinen Marktwert selbst auf den Euro genau auszurechnen und hierfür gibt es leider keine Börsenkurse, an denen sich Bewerber orientieren könnten. Da die Ermittlung des eigenen Marktwertes erfahrungsgemäß nicht leicht fällt, hier einige Tipps:

1. Das Durchschnittsgehalt der zurückliegenden drei Jahre ist entscheidend

Was Ihnen in der Vergangenheit gezahlt wurde, bestimmt im Wesentlichen, was Ihnen auch in Zukunft gezahlt wird. “99 Prozent der Gehaltsdebatte gehen letztlich auf Ihre historische Vergütung zurück”, sagt Lee Thacker vom Executive Search-Unternehmen Silvermine Partners.

Jedes Unternehmen, das mit dem Gedanken spielt, Sie anzuheuern, wird sich zunächst anschauen, was Sie in 2010, 2009 und 2008 kassiert haben.

“Die meisten Vorgesetzten werden Ihnen ein Angebot unterbreiten, das nicht mehr als 20 Prozent höher liegt als die Gesamtvergütung im vergangenen Jahr. Allerdings wird Human Resources immer auch das Gehaltsniveau der zurückliegenden drei Jahre wissen wollen”, ergänzt Jason Kennedy vom Recruitment-Unternehmen Kennedy Group.

Falls Ihre Vergütung in 2010 also substanziell höher als in den vorausgehenden zwei Jahren lag, dann wird dies die Bank laut Kennedy berücksichtigen. Folglich werden Sie keine 20prozentige Erhöhung gegenüber 2010 durchsetzen können.

Doch falls andererseits Ihr Gehalt in 2010 geringer als in 2008 und 2009 ausgefallen ist, dann wird die Bank womöglich versuchen, die beiden vorausgehenden Jahre zu ignorieren und sich nur an 2010 zu orientieren. “Banken haben eine selektive Wahrnehmung”, meint ein anderer Headhunter. “Sie beachten die historische Bezahlung nur, wenn diese ihnen erlaubt, Sie herunterzuhandeln.”

Falls Sie in den vergangenen drei Jahren schlecht oder unterhalb des Marktniveaus bezahlt wurden, dann wird es Ihnen sehr schwer fallen, diese Barriere zu durchbrechen und eine substanzielle Gehaltserhöhung durchzusetzen, die Sie auf ein Niveau mit ihren Kollegen bringt. “Falls Sie in der Vergangenheit unterbezahlt worden sind, dann dürften Sie sich in einer sehr schwierigen Situation befinden”, warnt Stéphane Rambosson, der früher als Head of Equity Capital Markets für Frankreich bei der Citigroup tätig war und jetzt als Managing Partner beim Executive Search-Unternehmen Veni Partners arbeitet.

2. Im Sales ist der Ertrag relevant

Banken werden immer unwilliger, nach einem festgelegten Schema zu zahlen, dennoch gibt es einige Regeln, die auch weiterhin Bestand haben – wenn auch auf einer recht willkürlichen Basis.

Sofern Sie im Sales arbeiten, dann sollten Sie laut Headhuntern 7 bis 10 Prozent der von Ihnen generierten Erträge erhalten. Üblicherweise lehnen es die Banken ab, dies zu garantieren oder in schriftlicher Form festzuhalten. Dennoch gibt Ihnen dies einen Anhaltspunkt und Sie werden dadurch in die Lage versetzt, eine Mindestvergütung herauszuhandeln, die auf gemeinsam festgelegten Zielen beruht.

3. Für Prop Trader zählt die P&L

Prop Trader, die auf eigene Rechnung der Bank handeln, haben im Investmentbanking mittlerweile Seltenheitswert. Die wenig verbliebenen Exemplare dieser Gattung dürften ebenfalls Schwierigkeiten bekommen, förmliche Vergütungspakete auszuhandeln. Dennoch stellt laut Branchenexperten die historische Bezahlung auch weiterhin einen wichtigen Orientierungspunkt dar. Theoretisch sollten Prop Trader – je nach Haus – bis zu 20 Prozent der erwirtschafteten Gewinne einstreichen.

4. Beliebtheit bei Kunden und Kollegen zahlt sich aus

Bei Neueinstellungen dreht sich mittlerweile alles um “Due Diligence”. Das heißt, dass die Bank mit 50 Ihrer Kollegen über Sie sprechen und Ihre Leistung in diesen Gesprächen aus 360 Grad beleuchten wird. Als Folge davon dauert der Recruitment-Prozess heute wesentlich länger als früher.

Fazit: Falls Ihre Kunden und Kollegen Sie hochschätzen, dann sind Sie für Ihren potenziellen Arbeitgeber attraktiver. Dabei mag es sich nur um einen Nebenaspekt handeln, dennoch wird dies Ihre Verhandlungsposition stärken.

5. Achten Sie auf die Vergütungs-Chancen und Ertragsmöglichkeiten der Jobs, auf die Sie sich bewerben

Laut Rambosson legen einstellende Banken üblicherweise Vergütungs-Obergrenzen für Stellen fest und diese hängen von dem Ertragspotenzial der jeweiligen Stelle ab.

Demnach wird Ihr Wert nicht allzu sehr von der Wahrnehmung Ihres persönliches Wertes bestimmt als von der Wahrnehmung des Wertes der Stelle selbst. Obgleich dies selbstverständlich sein sollte, vergessen dies viele Leute oftmals.

“Letztendlich erhalten unverschämte Leute keine Angebote”, resümiert Thacker.

Kommentare (1)

Comments
  1. Sehr geehrte Frau Butcher, ich habe eine Frage zu Punkt 2. Was genau meinen Sie mit 10 % der Erträge? Sind damit z.B. im Kreditgeschäft die Zinseinnahmen oder ein vorher definierter Deckungsbeitrag, als z.B. Zinseinnahmen abzüglich Refinanzierungskosten, gemeint? MfG RAS

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