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“Das ist wie eine Lawine”: Neue Vergütungssysteme stiften Verwirrung

Den “Dolf-Day” haben die meisten Banken bereits hinter sich. An diesem denkwürdigen Tag erfahren die Mitarbeiter der Finanzhäuser, wie hoch ihre variable Vergütung für das abgelaufene Jahr ausgefallen ist. Da an diesem Tag so mancher Banker ein langes Gesicht macht, hat sich hierfür der neudeutsche Ausdruck: “Day of long faces” (Dolf) eingebürgert.

Doch heute wissen immer weniger Banker, in welche Richtung sie ihr Gesicht verziehen sollen. Denn seitdem die Anreizsysteme für die Finanzkrise mitverantwortlich gemacht werden, krempeln die meisten Institute ihre Vergütungssysteme kräftig um. Hier nur die jüngsten Beispiele aus mitteleuropäischen Gefilden:

Jede Bank mit einem eigenen Vergütungssystem

1) UBS:
Der Trend zu aufgeschobenen Bonuszahlungen hat sich bei der UBS bereits in 2009 gezeigt. So wurden Bonuszahlungen von 900 Mio. Franken für 2008 auf drei Zahlungstermine in 2010, 2011 und 2012 verteilt. Kleiner Haken: Das Geld fließt nur, wenn die Bank Gewinne erzielt. Dies war 2009 nicht der Fall; ergo schauen die betroffenen Banker in die Röhre.

2) Credit Suisse:
Für 2009 will die Credit Suisse ihren Mitarbeitern durchschnittlich 144.000 Franken als variable Vergütung zukommen lassen. Von dieser Summe sollen aber 40 Prozent zeitverzögert ausgezahlt werden. Auch hier ist die spätere Auszahlungen an Bedingungen geknüpft und somit unsicher.

3) Deutsche Bank:
Die Deutsche Bank wiederum stockt ihre Fixgehälter um 5 bis 30 Prozent auf und streicht dafür Boni. Welchen Anteil Boni und Fixgehälter an der Gesamtvergütung haben, hängt von der Hierarchieposition des Bankers sowie seinem Arbeitsort ab. Mithin kann es zwischen Frankfurt und London empfindliche Unterschiede geben.

Größter Wandel seit 20 Jahren

Einen so großen Wandel hat Sina Schahram-Nia nocht nicht erlebt – und er muss es wissen: Schahram-Nia war früher Investmentbanker und ist jetzt als Partner bei Montalbetti Associates mit dem Executive Search Bereich von Bankern betraut.

Bislang waren die Vergütungssysteme der Banken zumindest in ihrem Eckpunkten vergleichbar. Dabei gab es eine Faustformel: 50 Prozent der Erträge im Investmentbanking wurden an die Mitarbeiter ausgeschüttet und die Gesamtvergütung setzte sich aus einem branchenähnlichen Verhältnis von Fixgehältern und Bonuszahlungen zusammen. Sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer konnten somit ihre Position im Wettbewerbsumfeld ermessen, erklärt Schahram-Nia.

Doch jetzt ist vieles anders. In seinen Gesprächen als Executive Search Berater stellt er bei Banken und ihren Mitarbeitern eine wachsende Unsicherheit fest, da die unterschiedlichen Systeme kaum vergleichbar sind: “Am Ende kann man nicht mehr sagen, ob ein Bonus von 200.000 Euro jetzt weniger ist als eine aufgeschobene variable Vergütung von 300.000 Euro.”

Weder im Interesse der Banken noch der Mitarbeiter

“Das ist eine drastische, fundamentale Veränderung für Investmentbanken, weil sie ohne ein konkurrenzfähiges Vergütungssystem im Wettbewerb um die besten Talente nicht mithalten können und folglich auf lange Sicht nicht überleben können”, ergänzt Schahram-Nia. “Das ist weder im Interesse der Banken noch der Mitarbeiter.”

Als Ausweg aus dem Dilemma sieht der Executive Search Berater und ehemalige Investmenbanker nur zwei Möglichkeiten: den Weg zurück oder ein vollkommen neues System. Doch vorerst herrscht nur die schiere Verwirrung über den raschen Wandel. “Das ist wie eine Lawine”, kommentiert Schahram-Nia.

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