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GASTKOMMENTAR: Wie ich Recruiter umgangen habe und zu vier Vorstellungsgesprächen eingeladen wurde

Wenn Sie von den Ergebnissen Ihrer Jobsuche enttäuscht sind und nichts voranzugehen scheint, dann schlage ich eine neue Strategie vor: Vermeiden Sie Recruiter.

Die meisten Leute verlassen sich bei der Jobsuche auf Recruiter. Sie versenden ihre Lebensläufe, fragen gelegentlich telefonisch nach, treffen sich mit Recruitern zum Kaffee, lehnen sich zurück und warten.

Manchmal klappt das, doch meistens nicht.

Die Wahrheit lautet: Wenn Sie sich auf diese Methode verlassen, dann werden die meisten Chancen an Ihnen vorbeigehen. Denn der Arbeitsmarkt in den Finanzdienstleistungen verhält sich ineffizient. Wieso erlauben Sie Recruitern, dass das so weitergeht?

Doch wie können Sie allein einen Job finden? Die Antwort lautet: Networking. Die meisten Leute betreiben dies auch, aber nur halbherzig. So erzählen sie ihren engsten Freunden, dass sie mit ihrem Job unzufrieden sind oder dass ihnen gekündigt wurde. Doch das Stigma, sich beruflich nicht in einer guten Position zu befinden, führt dazu, dass oft alles beim Alten bleibt.

Dafür gibt es gute Gründe: Bei den besten Freunden ist es wahrscheinlich, dass diese sich für Sie am meisten ins Zeug legen. Doch bei den engsten Freunden handelt es sich naturgemäß nur um einen kleinen und begrenzten Kreis. Ich ziehe es persönlich vor, mein Networking breiter zu betreiben, wobei ich die folgenden Methode verwendet habe. Dies hat sich für mich ausbezahlt, doch des bedarf Zeit und Engagement.

Falls Sie dazu im Stande sind, diesem Weg zu folgen, dann wird sich das wahrscheinlich auch für Sie auszahlen. Falls nicht, dann können Sie Ihr Glück immer noch in der Recruitment-Lotterie versuchen. Seien Sie jedoch nicht enttäuscht, wenn Sie das nirgendwohin führt.

1. Legen Sie eine Excel-Tabelle über alle Leute an, die Sie kennen

Dabei meine ich jede einzelne Person, von der Sie eine Adresse in Ihrem Emailaccount haben und auch all diejenigen, mit denen Sie auf Social Media-Seiten vernetzt sind.

2. Legen Sie eine Kolumne für “Anmerkungen” an

Fügen Sie Informationen über Gefallen bei, die Sie der betreffenden Person in der jüngsten Vergangenheit geleistet haben oder über andere Gründe, wieso Ihnen die Person helfen könnte.

3. Klassifizieren Sie diese Leute nach Priorität

Dabei handelt es sich um eine Kombination, wie gut Sie die betreffende Person kennen und wie viel Einfluss diese besitzt. Wenden Sie die 80/20-Regel an, wonach weniger Leute die obere Priorität erhalten. Diese werden Ihnen hilfreicher sein, weshalb Sie sich darauf konzentrieren sollten.

4. Verfassen Sie eine kurze Email, dass Sie sie (idealerweise) treffen oder (realistischerweise) mit ihnen telefonieren möchten

Sie sollten nicht allzu genau darauf eingehen, weshalb Sie sie treffen wollen – außer falls Sie das wirklich für erforderlich halten. Stellen Sie es Einfach als ein Meeting dar, um auf dem Laufenden zu bleiben und ein wenig zu plaudern. Viele Leute betrachten dies als von gegenseitigem Vorteil, solange sie dafür nicht allzu viel Zeit opfern müssen. Bleiben Sie hartnäckig und arrangieren Sie einen Termin für das Meeting oder das Telefongespräch. Stellen Sie sich darauf ein, diese Leute in ihrem Büro oder ihrer lokalen Umgebung zu treffen, um es für sie bequemer zu machen.

5. Falls es zu einem Treffen kommt, dann hören Sie ihnen zu

Fragen Sie nach ihren Problemen, Nöten und nach ihren persönlichen Lebensumständen – falls Sie sich gut genug kennen.

Erst wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist, sollten Sie um ihre Hilfe bitten. Erklären Sie, dass Sie sich auf dem Arbeitsmarkt befinden und halten Sie eine Kurzzusammenfassung über Ihrer Kompetenzen parat und wie diese zu ihrem idealen Job passen. Dabei sollten Sie deutlich machen, wonach Sie tatsächlich suchen. Sie müssen präzise sein, ansonsten wird es rasch vergessen. Und wiederholen Sie das am Ende.

6. Bleiben Sie am Ball

Anschließend sollten Sie sich in einer Email bedanken. Vermerken Sie in Ihrer Excel-Tabelle jede Hilfe und jeden Kontakt, den sie angeboten haben – ebenso wie die Dinge, die diese von Ihnen wünschen (z.B. die Kopie Ihres Lebenslaufs etc.), sowie wichtige Informationen. Die Tabelle sollten Sie zügig vervollständigen, so lange die Erinnerung noch frisch ist.

7. Kommen Sie regelmäßig darauf zurück, auch wenn nichts Konkretes ansteht

Erinnern Sie sie an Ihre Situation (Ihre Kompetenzen und Ihren Jobwunsch), aber beginnen Sie die Email mit etwas, was sie betrifft. Wie lief ihr CFA-Examen, die Wohnungssuche, der interne Jobwechsel, die Sportveranstaltung etc. Damit erscheint Ihre Email weniger als Hilferuf, obgleich es sich genau darum handelt. Denn es gibt keinen Grund, egoistisch zu klingen.

Schließlich sollten Sie die Emails und die Anrufe auf die optimalen Zeiten der Woche legen. Denken Sie darüber nach, wann die Zielperson am ehesten eine Minute Zeit erübrigen kann, um sich mit Ihnen zu beschäftigen. Und führen Sie auch Schritt sieben aus, nachdem Sie bereits einen neuen Job gefunden haben. Denn bei Ihrem Netzwerk handelt es sich um ein Kapital, dass Sie später noch einmal nutzen wollen.

Der Autor hat in verschiedenen Funktionen bei Banken und Asset Managern gearbeitet.

Kommentare (1)

Comments
  1. Das Ganze hat etwas (erschreckend) effizientes an sich…, aber wahrscheinlich klappt das auf diese Weise auch noch.

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