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Kronprinz zeigt sich dem Volk: Anshu Jain übt Selbstkritik und lobt das Universalbankenmodell

Als der Adel noch unangefochten über Europa herrschte, gab es einen guten Brauch: Der Kronprinz zeigte sich schon vor der Nachfolge des amtierenden Königs dem Volke. Dagegen musste das Volk auf den Auftritt des – inoffiziellen – Kronprinzen der Deutschen Bank Anshu Jain lange warten. Doch am heutigen Dienstag (16. November) war es endlich soweit und der mögliche Nachfolger Josef Ackermanns an der Spitze der Deutschen Bank zeigte sich bei der Euro Finance Week in Frankfurt dem Volke.

Dabei gestand der derzeitige Chef des DB-Investmentbanking Fehler seiner Sparte in der Vergangenheit ein: “Investmentbanken müssen ebenso wie Regulierungsbehörden und Regierungen akzeptieren, dass einige ihrer Aktivitäten zu der Krise beigetragen haben. Nahezu jede Investmentbank ist zu groß geworden. Nahezu jede Investmentbank hat sich von ihrem Kerngeschäft entfernt und hat zu hohe Leverage und zu hohes Risiko übernommen, womit sie sich letztlich als unfähig erwiesen haben, das Risiko richtig einzuschätzen oder zu managen – insbesondere während der volatilen Marktbedingungen der Krise. Und in gewisser Hinsicht haben alle von uns für diese Fehler bezahlt.”

Die Verluste der Banken rund um den Globus hätten sich während der Krise auf rund 1,3 Billionen US-Dollar (960 Mio. Euro) summiert, womit es sich um den höchsten Branchenverlust der Geschichte handelt. Die Deutsche Bank habe ihre Lehren aus der Geschichte gezogen und ihr Investmentbanking rekalibriert.

Abschied vom Modell der reinen Investmentbank

Demnach sei die Bilanz um 45 Prozent verkürzt worden, der risikobehaftete Eigenhandel sei geschlossen worden und vor allem sei das Vergütungssystem so umgestaltet worden, dass es keine Anreize mehr für das Eingehen kurzfristiger exzessiver Risiken gebe.

Statt einer reinen Investmentbank sprach sich Jain für das Universalbankenmodell der Deutschen Bank aus, das von Ackermann propagiert wird. “Als jemand, der Berufserfahrung in beiden Modellen hat, glaube ich, dass es in der heutigen Nachkrisenwelt der eingeschränkten Liquidität und der verschärften Eigenkapitalanforderungen nicht länger möglich ist, ein relevanter Global Player zu sein mit einem reinen Investmentbanking-Geschäftsmodell”, ergänzte Jain.

Retailsparte zur Refinanzierung erforderlich

Dem margenschwachen Retailgeschäft komme daher eine Schlüsselbedeutung zu, weshalb sich Jain auch für die Übernahme der Deutschen Postbank durch den deutschen Branchenprimus aussprach.

“Die neuen Regulierungen bedeuten, dass Banken ohne eine hochqualitative Refinanzierungsbasis einen Wettbewerbsnachteil haben. Tatsächlich ist der Wert langfristiger und stabiler Kundeneinlagen heute wichtiger denn je”, sagte Jain.

Obgleich das Einstellen des Eigenhandels eine richtige Entscheidung gewesen sei, müssten die Banken auch weiterhin bereit sein, Risiken einzugehen. Nur so könne der Zugang der Unternehmen zu den Kapitalmärkten gewährleistet bleiben.

Mit seiner wohlausgewogenen Rede scheint Jain Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen zu wollen, die einen Investmentbanker an der Spitze der Deutschen Bank für das falsche Signal halten. Weiter sagte der 47jährige: “Ein langfristiges Wirtschaftswachstum kann nur geliefert werden, wenn zugleich ein starker, nachhaltiger und ja auch angemessen regulierter Investmentbanking-Sektor gewährleistet wird.” So spricht ein wahrer Kronprinz.

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