☰ Menu eFinancialCareers

Dresdner-Bank-Verkauf ist eine Katastrophe für den Arbeitsmarkt

Nach monatelangem Gezerre ist die Zukunft der Dresdner Bank besiegelt. Und Deutschland bekommt nach der Deutschen Bank einen weiteren “nationalen Champion”. Freuen dürfen sich – wenn die Fusion handwerklich “gut” umgesetzt wird – vor allem die Aktionäre der Commerzbank. Schließlich kann der Vorstand “Synergien” im Volumen von mehreren Milliarden Euro “heben”.

Auch die Allianz kommt relativ gut dabei weg. Sie erhält nicht nur in zwei Schritten einen Kaufpreis von rund zehn Mrd. Euro, sondern bekommt quasi als Beigabe die Commerzbank-Fonds-Tochter Cominvest. Damit stärkt der Münchener Versicherungsriese das Geschäft mit privaten und institutionellen Vermögen – jener Bereich, der durch die Dresdner-Bank-Tochter DIT bereits deutlich ausgebaut worden war. Und kurioserweise behält die Allianz mit der Oldenburgischen Landesbank ausgerechnet eine profitable Tochter der Dresdner Bank.

Das war es aber auch schon mit den guten Nachrichten. Sonst gibt es nur Verlierer: Millionen Privatkunden und tausende Firmenkunden werden einen starken Anbieter verlieren, kurzfristig wird der Druck auf günstige Preise und Konditionen deshalb abnehmen. Dem Finanzstandort Frankfurt wiederum kommen mittelfristig einige tausend Arbeitsplätze abhanden. Und früher oder später werden auch hunderte von Bankmitarbeiter in den Filialen ihre Sachen einpacken können.

Ob diese Menschen – nach derzeitigem Stand etwa 6.500 – sozialverträglich abgewickelt oder betriebsbedingt gefeuert werden, spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle. Denn wie in anderen Branchen auch, stehen mittelbar viel mehr Arbeitsplätze auf dem Spiel; sei es bei Immobilienmaklern, Kantinenbetreibern oder sonstigen Dienstleistern, die an den Banken und Bankmitarbeiter verdienen. Der Großraum Frankfurt wird deshalb kurzfristig an Kaufkraft verlieren.

Und ob die größere Commerzbank das eingesparte Geld tatsächlich an die Kunden – wie von einigen Experten vorhergesagt – weitergeben kann, darf bezweifelt werden. Schließlich stärkt das Institut mit der Übernahme lediglich seine Position auf dem Heimatmarkt. Ein defensiver Deal sozusagen.

Auf Dauer könnte die Bank im weltweiten Wettbewerb nur mithalten, wenn sie sich auch auf den internationalen Wachstumsmärkten engagiert. Von einer Expansion nach China oder Indien ist die nach wie vor klamme Commerzbank aber so weit weg, wie die Erde vom Mond.

Warum die meisten Kommentatoren in der Presse diese Übernahme dennoch bejubeln bleibt rätselhaft. Ausgerechnet die FAZ, die sonst immer die Fahne für möglichst intensiven Wettbewerb hochhält und “nationale Champions” grundsätzlich skeptisch sieht, deklariert die Übernahme der Dresdner Bank zum Gewinn für den Finanzplatz Frankfurt.

Deutlich kritischer sieht die Börsen-Zeitung das monatelange “Fusionstheaterstück”. Es gebe keine “Wohlfühl-Fusion”, außerdem beerdige die Allianz mit dem Verkauf der Dresdner Bank ihre Allfinanz-Strategie.

Aus Sicht der Bankmitarbeiter, aber auch für die auf Finanzdienstleister spezialisierten Personalberater könnte es freilich noch schlimmer kommen. Nämlich dann, wenn die Deutsche Bank auf diese neue “Bedrohung” reagiert – und die Postbank schluckt.

Niemand sollte sich dann etwas vormachen: Für den Banker-Arbeitsmarkt wäre ein solcher Schritt eine Katastophe. Unabhängig davon, ob der Preis für die Post-Tochter billig, angemessen oder überteuert wäre. Aber auch der eine oder andere Headhunter in Frankfurt wird sich dann Sorgen über seine Zukunft machen müssen. Mitten im sich abzeichnenden Konjunkurabschwung stünde dann einem gestiegenen “Angebot an Lebensläufen” vermutlich für längere Zeit eine deprimierende Leere bei offenen Stellen gegenüber.

Kommentare (2)

Comments
  1. Die Lohndrückerei hat schon wieder begonnen, denn in vielen kleineren Unternehmen gilt der Tarifvertrag gar nicht. Jüngeren Mitarbeitern ist zu empfehlen, wenn möglich in eine andere Branche zu wechseln.

  2. Was wird aus den Finanzierungen bei der Dresdner Bank für private Wohnhäuser? Was wird aus Privatkonten? Geht das Geld etwa verloren?
    Viele Fragen bleiben offen.

Ihr Kommentar wird gerade geprüft. Nach erfolgreicher Prüfung wird es live gestellt.

Antworten

Pseudonym

E-Mail

Alle Informationen zu unseren Community-Richtlinien finden Sie hier