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Aus dem Tagebuch eines Praktikanten: Die erste Woche ist schlecht gelaufen

Nachdem ich mich energisch bei nahezu jeder Investmentbank mit einer Webseite beworben hatte, wurde ich immerhin zu zehn Vorstellungsgesprächen eingeladen, was letztlich zu vier Angeboten führte. Ich führe diesen überdurchschnittlichen Erfolg auf die Perfektionierung meiner Bewerbungen zurück, nachdem ich mich im Vorjahr eher sporadisch für Frühlingspraktika beworben hatte. Nachdem ich meine Aussichten und – ganz wichtig – die Praktikantenbezahlung abgeschätzt hatte, habe ich mich für ein Angebot entschieden.

Es heißt, dass der erste Eindruck innerhalb von dreißig Sekunden gemacht wird. Damit im Hinterkopf war ich der letzte Praktikant, der am Arbeitsplatz eingetroffen ist, da ich nicht mit der Unzuverlässigkeit der öffentlichen Verkehrsmittel gerechnet hatte! Es gibt nichts schlimmeres, als im Investmentbanking zu spät zu kommen. Glücklicherweise war der Personalverantwortliche ebenso schlecht vorbereitet wie ich und bemerkte nicht, dass ich mich 20 Minuten zu spät in den Raum hineinstahl.

Aus Gesprächen mit Praktikanten aus dem Vorjahr wusste ich, wie wichtig es ist, einen guten Freundeskreis unter den Praktikanten zu haben, mit denen Du Deine Höhen und Tiefen teilen kannst – was bei den Praktikanten im Investmentbanking hauptsächlich Tiefen bedeutet (mit langen Arbeitszeiten und unglaublich langweiliger und hoher Arbeitsbelastung)!

Obgleich viele gesagt haben, sie seien überrascht, die anderen Praktikanten zu treffen, fühlte ich mich nach so vielen Vorstellungsgesprächen endlich zuhause angekommen zu sein. Die meisten anderen kamen von Harvard, Oxford oder Cambridge. Ich nicht! Aber dies stellte kein Problem dar. Wenn ich an diesen Tag zurückdenke, dann bin ich amüsiert, wie steif und zurückhaltend jeder war – auch wenn ich sie jetzt erst seit einer Woche kenne (denn ich habe mit ihnen bereits so viel Zeit verbracht!). Es handelt sich nicht mehr um die Leute, die ich anfangs getroffen habe. Mithin habe ich mich allen vorgestellt. Obwohl das bis zu einem gewissen Punkt ein wenig unbeholfen war, war es notwendig. Und ich habe rasch im Kopf eine kleine Liste von möglichen Freunden aufgestellt.

Der erste und zweite Tag vergingen relativ schnell. Es gab diverse Präsentationen über die verschiedenen Geschäftsbereiche der Bank und die allgemeinen Verwaltungsaufgaben. Mein Praktikum besteht aus zwei Stationen, und schon während meiner Vorstellungsgespräche wurde ich nach meinen Vorlieben gefragt, die ich ihnen auch mitgeteilt habe. Als wir eine Liste mit unseren Stationen erhalten haben, war ich schockiert: Keine von den Stationen zählte zu meinen Vorschlägen und die erste Station befand sich eher im Risk Management als im Frontoffice nahe an den Märkten (wofür ich mich beworben hatte).

Wie war das möglich? Ich habe mich sofort bei der Personalabteilung gemeldet und mir wurde zugesichert, dass dies schnellstmöglich geprüft würde.

Als der Mittwoch anbrach, teilte mir die Personalabteilung mit, dass sie das immer noch prüfen würde. Somit hatte ich keine andere Wahl, als zu der vorgeschriebenen Station zu gehen. Nach nur fünf Minuten wurde mir ein Mammutprojekt übertragen. Mein Versuch, dem zuständigen Managing Director zu sagen, dass ich eigentlich gar nicht dort sein sollte, stieß auf taube Ohren. Nur ein einziges Zugeständnis wurde mir gemacht: Da ich kein vorheriges Training erhalten habe, bräuchte ich das Projekt auch nicht abzuschließen.

Der Grund für den Stillstand bestand darin, dass die Frau aus der Personalabteilung, die für die marktnahen Bereiche zuständig war, schwanger war und nur zwei Tage in der Woche arbeitete (ein Kumpel erzählte mir, dass es sich schon um ihr viertes Baby handelte!) Die Mitarbeiter in einem Handelssaal sind ziemlich eng zusammengepfercht und man kann die Gespräche noch mehrere Tische entfernt verstehen. Ich fand schnell heraus, dass mit der fraglichen Dame nahezu jeder ein Hühnchen zu rupfen hatte.

Also habe ich die folgenden zwei Tage damit verbracht, mit dem Projekt voranzukommen, das mir übertragen worden war und ich versuchte herauszufinden, wo ich anfangen sollte! Darüber hinaus habe ich versucht, ihr immer dann einen bösen Blick zuzuwerfen, wenn ihr Blick in meine Richtung wanderte. Doch da sie bloß zwei Tage in der Woche arbeitete, erwies sich das als schwierig.

Jetzt ist die Woche vorüber, ich kann mir nicht helfen, aber ich hätte wohl eines der anderen drei Angebote annehmen sollen! Alle übrigen schienen gut zurechtzukommen, während ich ins kalte Wasser geworfen worden bin und anscheinend nichts tun kann. Hoffentlich wird sich in der kommenden Woche ein Wunder ereignen!

Kommentare (1)

Comments
  1. Wer auch immer dieser Prakti ist – wie kann man so jung und schon so unausstehlich sein? (Aus Gesprächen mit Praktikanten aus dem Vorjahr wusste ich, wie wichtig es ist, einen guten Freundeskreis unter den Praktikanten zu haben, mit denen Du Deine Höhen und Tiefen teilen kannst – was bei den Praktikanten im Investmentbanking hauptsächlich Tiefen bedeute). Ganz erhlich, du wirst es im Investment Banking weit bringen…

    Hoffe dir niemals zu begegnen!

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