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Erstsemester müssen Arbeitsplätze schaffen

Der Hörsaal 2 ist bis auf den letzten Platz besetzt. 1.300 Erstsemester der Universität Lüneburg brüten über Konzepten zur Verringerung der erdrückenden Arbeitslosigkeit in einer fiktiven Elbestadt namens Leinwig.

Das ist die Aufgabe der Studierenden in ihrer Startwoche. “Die Präsentation darf nicht länger sein als zehn Minuten und zehn Minuten sind schon verdammt lang”, ermahnt vorne am Rednerpult Frank-Jürgen Weise, Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA).

Zusammen mit der BA hat die Universität die Fallstudie für die Erstsemester organisiert. Nach der Präsentation der Ergebnisse am Ende der Startwoche wählt eine Jury von Arbeitsmarktexperten die besten Lösungsansätze aus.

Auch Ministerpräsident Martin Wortmann (CDU), Landesvater des fiktiven Bundeslandes Nordland, informiert sich in Leinwig über die angespannte Lage. Die Landesregierung hat der gebeutelten Stadt mit 120.000 Einwohnern und einer Arbeitslosenquote von zwölf Prozent eine Finanzspritze von zehn Millionen Euro in Aussicht gestellt – wenn es den Studierenden gelingt, ein Maßnahmenpaket zu schnüren, das den Arbeitsmarkt entspannt.

“Man sollte sich auf das Thema Bildung und Qualifizierung konzentrieren”, rät Wortmann, in dessen Rolle Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) geschlüpft ist, den Studierenden. Denn hierzulande habe Qualität durch Innovation Chancen.

Vielen Erstsemestern gefällt die Teamarbeit bei der Fallstudie. “In der Schule gab es Gruppenarbeit, aber da hat die Hälfte nicht mitgemacht”, sagt Maria Wrensch, die Kulturwissenschaften studiert. Bei dem Leinwig-Projekt beschäftigt sich die 19-Jährige, die im Nebenfach Betriebswirtschaft studiert, mit Tourismusfragen. “Für meine Fächerkombination ist das ideal”, sagt sie. Angesichts der Startwoche mit prominenter Besetzung hat die Studienanfängerin aber auch Bedenken: “Ich habe Angst, dass wir zu sehr als Elite gepusht werden.”

Problemdefinition, Entwicklung von Ideen anhand eines Logikbaums, Maßnahmenbewertung, Interviewtechnik oder Präsentationserstellung sind Schlagwörter der ersten Woche. “Es sind ein bisschen viele Vorträge, man könnte es ein wenig kürzen und nicht ganz so dick auftragen”, meint Anna Eigemeier, die Umweltwissenschaften studiert. Dass Frank-Jürgen Weise bei der live aus Nürnberg übertragenen Pressekonferenz zu den Arbeitslosenzahlen von September auch die Werte von Leinwig verlesen hat, hält die 19-Jährige für übertrieben.

“Relativ heftig” findet der 20 Jahre alte Philipp Holst den Studienbeginn mit einem Zehn-Stunden-Tag. “Da lernt man die Leute aber auch besser kennen und es ist nett, dass man gleich eine Bindung an die Uni findet.”

Claude Meisch ist aus Luxemburg nach Lüneburg gekommen. “Das Leuphana-Konzept und das Komplementärstudium haben mich angesprochen”, sagt der 20-Jährige. Neben dem Studium der Umweltwissenschaften wird Meisch auch Spanisch lernen.

Mit dem Rollenspiel will die Universität die Studenten auf das interdisziplinäre Bachelor-Studium in Lüneburg einstimmen. Zunächst absolvieren alle Studienanfänger ein gemeinsames Semester mit viel Methodik und Grundlagen.

Später müssen sie neben ihrer gewählten Kombination aus Haupt- und Nebenfach ein sogenanntes Komplementärstudium mit “hauptfachfremden” Seminaren belegen. Der neue Bachelor war im vergangenen Jahr in Lüneburg eingeführt worden.

BA-Chef Weise zieht ein positives Fazit der Kooperation: Entscheidend bei der Fallstudie sei, dass Studenten verschiedenster Fachrichtungen zusammenarbeiten. Dabei würden die jungen Leute Dinge in Frage stellen, die sonst längst niemand mehr anzweifelt. Für Weise ist das Projekt auch persönlich eine Bereicherung: “Die Leute geben mir richtig Energie, ich gehe zurück mit neuer Inspiration.” (dpa)

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