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Wie Sie eine Stelle bei einer angelsächsischen Investmentbank bekommen!

Einen Job bei einer Investmentbank zu bekommen, ist nicht einfach. Im Durchschnitt bekommt eine Bank für jede freie Stelle 60 Bewerbungen. Bei einigen Häusern liegt die Quote natürlich höher. Als das Geschäft noch boomte, erhielt die UBS rund 95 Bewerbungen je Ausschreibung. Die Société Générale schätzt die Zahl der Bewerbungen für 2.400 Absolventenstellen auf 350.000

erste Hürde: Die Bewerbung und der Lebenslauf (CV)

Die Hälfte der Kandidaten wird bereits hier ausgesiebt, sagt Sarah Crawford, bei Goldman Sachs in Europa für die Einstellung von Hochschulabsolventen verantwortlich.

Woran scheitern die Leute? Schlechtes Englisch – Rechtschreib-, Grammatik- und Interpunktionsfehler kann ein Stolperstein sein, warnt ein Rekruter einer anderen großen US-Investmentbank. Das Einreichen von mehreren Bewerbungen mit kopierten Textbausteinen kommt ebenfalls nicht gut an. Im schlimmsten Fall führt das zur falschen Schreibweise von Banknamen.

Jedes Papier, dass ausgefüllt werden muss, erfordert Konzentration und Anstrengung. Banken wollen wissen, warum sich jemand gerade bei ihnen bewirbt – und nicht, warum man sich für einen Konkurrenten interessiert. Deshalb fährt man besser damit, wenn man sich auf eine kleine Zahl von Banken konzentriert, statt sich bei fast jedem Institut zu bewerben. Das Research-Haus Trendence will herausgefunden haben, dass sich die erfolgreichsten Studenten nur bei drei oder vier Instituten beworben haben.

Man sollte übrigens nicht erwarten, dass der Bewerbungsprozess überall gleich abläuft. Während zum Beispiel Goldman Sachs und UBS eine einfache Online-Bewerbung mit angehängtem Lebenslauf genügt, nutzen andere Investmentbanken Online-Formulare, die mehr in die Tiefe gehen.

Wenn Sie das Augenmerk auf den Lebenslauf gerichtet haben, sollten Sie auf einen klaren Aufbau, Lesefreundlichkeit und den Nutzen für die Bank (!) achten. Listen Sie nicht nur einfach Ihre Arbeitserfahrung auf, sondern benutzen Sie Aufzählungspunkte – schreiben Sie, was Sie getan und erreicht haben!

“Denken Sie an ein bestimmtes Projekt, das Sie gemanagt haben: Was haben Sie zum Erfolg beigetragen?”, rät Paula Hewitt, Expertin für Finanzberufe bei der auf Bewerbungen spezialisierten Agentur Fuller CV. “Wie erfolgreich waren Sie insgesamt? Gab es Abgabefristen, Mengen, Zielgrößen – haben Sie die kontinuierlich erreicht? Haben Sie die Ziele und Erwartungen übertroffen?”

zweite Hürde: Der Rechentest

Immer mehr Banken laden Bewerber zu Tests ein, um neben dem Englisch auch die Rechenfähigkeiten zu prüfen. Andere nutzen außerdem Sprachtests, um das logische Denken in Englisch zu checken.

Wer sich bei Barclays Capital bewirbt, muss zum Beispiel schon zu Beginn des Bewerbungsprozesses einen Rechen- und Ausdruckstest bestehen.

“Manchmal rufen uns Studenten an und sagen, dass sie während des Tests von ihrer Freundin angerufen worden sind”, erzählt der Absolventenbetreuer einer Investmentbank. “Warum haben die bloß ihr Telefon angelassen and geantwortet. Offenbar haben sie nicht verstanden, wie ernst dieser Test und unter welchem Zeitdruck er abläuft.”

Man kann sich zwar nicht auf diese pyschometrischen Tests vorbereiten, aber es ist trotzdem sinnvoll, sich auf das Format einzustellen. Vielleicht kann Ihnen Ihre Universität bei der Vorbereitung helfen. Beispielaufgaben finden Sie im : eFinancialCareers.comStudentencenter.

Bei diesen Tests müssen Sie ziemlich gut abschneiden, denn wer nicht besteht, ist draußen. Dabei werden zwischen 50 und 60 Prozent der Bewerber ausgesiebt.

dritte Hürde: Das Vorstellungsgespräch

“Das Vorstellungsgespräch” ist eigentlich die falsche Überschrift. Viele Banken laden Bewerber nämlich zu mehreren Interviews ein.

Die Mehrheit lädt Bewerber mindestens zu zwei Gesprächsrunden ein. Ein erstes Durchleuten mit der Personalabteilung gefolgt von einem weiteren Gespräch mit einem Manager.

Einige Banken wie SocGen und Barclays Capital nutzen das Telefon für erste Gespräche, um Kandidaten herauszufiltern.

Was erwartet Sie dabei? “Die Fragen drehen sich normalerweise um die Stelle und die Branche, sind aber nicht zu technisch”, sagt ein Personalmitarbeiter einer Bank. “Man wird zum Beispiel gebeten, einen bestimmten Aspekt des Investmentbanking kurz zu referieren.”

Beim ersten Vorstellungsgespräch wollen die Banken herausfinden, ob der Kandidat wirklich an einer Bankkarriere interessiert ist und zur Unternehmenskultur passt. “Man wird garantiert zur Motivation befragt”, sagt ein HR-Profi einer anderen Investment. “Wir wollen keine Lehrbuchantworten zum Thema Teamarbeit hören, sondern suchen eine natürliche Gesprächssituation mit Beispielen aus dem Leben des Bewerbers.”

In späteren Gesprächsrunden werden die Banken die technischen Fähigkeiten des Bewerbers testen. Wer sich zum Beispiel auf eine Vertriebsstelle bei festverzinslichen Wertpapieren bewirbt, muss mit Fragen rechnen, wie nd warum der Kurs einer Anleihe auf Zinsänderungen reagiert.

Wer es in die zweite Runde bei Goldman Sachs schafft, muss mit bis zu sechs Bewerbungsgesprächen rechnen, die zwischen 30 Minuten und einer Stunde dauern können. Die Gesprächspartner sind in der Regel Associates – Junior-Banker, mit ein paar Jahren Berufserfahrung, die technische Fragen stellen, wie sich zum Beispiel der Ölpreis entwickeln wird.

Wer das Bewerbungsgespräch schaffen will, muss Fragen nach der Motivation für die jeweilige Stelle bei der bestimmten Bank schlüssig beantworten können. Bewerber müssen deshalb vorher recherchieren, worum es bei dem Job genau geht (Ansprechpartner: andere Banker, Karrieremessen, die eFC-“Sektor-Profile”) und was gerade im Umfeld der Bank passiert. Das findet man in der einschlägigen Finanzpresse und auf den Webseiten des Instituts. Weitere Informationen gibt es hier.

vierte Hürde: Das Assessmentcenter

Wer die Hürden Bewerbung/Lebenslauf, Tests und Vorstellungsgespräch geschafft hat, muss sich als nächstes auf den Besuch eines Assessmentcenters einstellen.

Dabei werden die Kandidaten möglichst realitätsnah unter die Lupe genommen. Zwar verzichtet Goldman Sachs darauf, doch viele andere Banken setzen auf sie.

Ein Assessmentcenter dauert normalerweise einen Tag und beinhaltet ein Vorstellungsgespräch, einen Rechentest und weitere psychometrische Tests, eine Gruppendiskussion und eine Präsentation.

Durchschnittlich nehmen zwölf Kandidaten teil, es können aber auch 30 sein. Normalerweise bekommen 25 bis 50 Prozent der Kandidaten ein Jobangebot. Einige Banken trennen sich übrigens bereits im Laufe des Tages von “Underperformern”.

Die psychometrischen Tests sind hier oft anspruchsvoller als zu Beginn des Bewerbungsverfahrens. Bewerber sollten sich nicht nur auf eine zweiten Rechentest, sondern auch auf umfassende Logik- und Ausdruckstests vorbereiten.

Beim Logiktest werden Bewerber oft gefragt, Stellungnahmen mit Sätzen zu verknüpfen. Beim Ausdruckstest geht es den Banken darum festzustellen, ob ein Bewerber in einem komplexen Text – zum Beispiel einem Geschäftsbericht – Schlüsselbegriffe erkennen kann. Da diese Tests in Englisch stattfinden, müssen die Sprachkenntnisse entsprechend gut sein.

Wer die erneuten Tests und Gespräche geschafft hat, muss sich in der Gruppendiskussion auf die größte Herausforderung gefasst machen. Sechs Kandidaten müssen in einer bestimmten Zeit ein Problem lösen. Die Banken beoachten dabei, wie die Bewerber im Team zusammenarbeiten.

Ruhige und schüchterne Charaktäre müssen darauf achten, dass sie etwas sagen. Natürliche Lautsprecher sollten dagegen aufpassen, dass sie andere nicht dominieren oder unterbuttern.

In der abschließenden Präsentation müssen die Bewerber die Daten analysieren und als Argument für eine These rüberbringen. Häufigste Fehler sind das Nicht-Identifizieren von wichtigen Punkten, das Präsentieren von schwachen Argumenten und das Einknicken, wenn etwas in Frage gestellt wird.

Die Inhalte der Assessmentcenter variieren von Bank zu Bank. Bei Royal Bank of Scotland zum Beispiel wurde ein Kandidat für die Verwaltung gebeten, die Auswirkungen der Finanzkrise auf Asien zu präsentieren. In der Gruppendiskussion musste er mit anderen überlegen, welches Sportereignis eine fiktive Gesellschaft sponsern sollte.

Bei J.P. Morgan wiederum wurde ein Finanzen-Bewerber gefragt, sich in die Situation bei einer Bank hineinzuversetzen, die gerade aus der Fusion mit einer anderen Bank hervorgegangen ist. Seine Lösungsverschläge musste er anschließend präsentieren. Seine Gruppendiskussion dreht sich um die Frage, ob ein IT-Support-Team am besten in Mumbai, Bournemouth oder London angesiedelt und wie es finanziert werden sollte.

Kommentare (2)

Comments
  1. “Jedes Papier, dass ausgefüllt werden muss, erfordert Konzentration und Anstrengung.”

    Auch wenn ich ansonsten ein eher schüchterner Charaktär bin, muss ich jetzt doch mal darauf hinweisen, dass dieses Papier wohl zu den 50% Prozent gehört, die in der ersten Runde ausgesiebt werden.

    Nichts für ungut, dennoch ein hilfreicher Artikel. ;)

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