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Das ideale Bewerbungsschreiben

Nichts langweilt Personalchefs mehr als ein mit Floskeln übersätes Anschreiben. Mit einer ebenso informativen wie originellen Bewerbung haben Sie dagegen beste Aussichten, sich von der Masse der Jobsucher abzusetzen.

Wenn Sie dagegen eine Bewerbung nach der anderen im 0-8-15-Format abschicken, dürfen Sie sich nicht wundern, wenn ihnen ständig Briefe und Emails mit der Phrase “Leider konnten wir ihre Bewerbung nicht berücksichtigen” finden.

Um das zu verhindern, stehen Einleitungssätze wie “Mit großem Interesse habe ich Ihr Inserat in der FAZ vom 21. Februar gelesen” auf dem Index. Sie sind langweilig, wiederholen Altbekanntes und kosten den Personaler wichtige Lese-Zeit. Bezug, Aktenzeichen und Chiffrenummern gehören in die Betreffzeile.

Das Wichtigste nach vorn

Sie dürfen, nein Sie sollen gleich im ersten Satz klarmachen, warum Sie der richtige Kandidat für diese Stelle sind. Dabei sollten Sie aber aufpassen, dass Sie Ihren Lebenslauf lediglich wortgewaltig wiederholen. Denn die meisten Personalreferenten – neudeutsch “Human Ressource Officer” – lesen Ihre Lebensgeschichte ohnehin als erstes.

Das Anschreiben ist aber auch kein Begleitschreiben für eine gedruckte oder elektronische Bewerbungsmappe. Es ist Ihre eigenständige Präsentation. Auf einer (!) Seite sollten Sie dem Leser vermitteln, warum Sie fachlich und charakterlich der ideale Kandidat für die Stelle sind.

Sie haben in den Semesterferien Erfahrung im Aktienresearch bei der Bank XY gesammelt? Dann sollte das im ersten Satz für den Junior-Posten stehen.

Beschreiben statt Vernebeln

Worthülsen wie “Organisationstalent” und “Kommunikationsstärke” können Sie dagegen getrost vergessen. Oder können Sie sich darunter etwas Konkretes vorstellen?

Besser ist es, wenn Sie die für den Job (!) relevanten Erfahrungen kurz beschreiben: Sie haben in ihrem ersten Job Team-Meetings organisiert? Und im Studium haben Sie als Tutor Kommilitonen im Grundstudium unter die Arme gegriffen. Dann schreiben Sie das auf, wenn das für die Stelle wichtig sein könnte.

Wenn Sie sich um einen Praktikumsplatz bei einem Finanzdienstleister oder einem Unternehmensberater bewerben, haben Sie vermutlich das Problem, dass Sie weder Ihr Führungs- noch ihr Organisationstalent nachweisen konnten, oder?

Weit gefehlt: Personaler würden schon gerne wissen, ob Sie jahrelang die Jugendfeuerwehr geleitet oder eine Volleyballmannschaft trainiert haben. Als Beleg für einen Job mit mindestens zehn Jahren Erfahrung und Personalverantwortung dürfen Sie diese Informationen aber selbstredend verschweigen.

Wer bürgt für Sie?

Ideal wäre es, wenn Sie Referenzen vorweisen können. Der Hinweis, dass Abteilungsleiter Meier oder Professorin Müller für Sie bürgen könnten, hebt Sie von Ihren Job-Konkurrenten ab. Natürlich vorausgesetzt, Sie nennen die richtige (!) Telefonnummer – und warnen ihren “Kronzeugen”, dass sich demnächst ein Personaler über Sie erkundigen könnte.

Wem nun aber partout nichts Kreatives in den Sinn kommen will, der sollte vielleicht ein Blatt Papier nehmen – und dann alles aufschreiben, was ihm zum Unternehmen und zu der inserierten Stelle in den Sinn kommt. Nach einer halben Stunde sollte das Blatt voll sein. Wenn Sie eine andere Methode bevorzugen – Mindmapping o.ä. – nur zu.

Sollte die Schreibblockade trotz erhöhter Kaffee- oder Teezufuhr anhalten, können Sie immer ann man immer noch eine Freundin oder einen Bekannten um Hilfe bitten. Schreiben Sie dann aber um Gottes Willen nicht in die Bewerbung, dass Kreativität zu Ihren Stärken zählt.

Und wenn das Anschreiben fertig ist, sollte man nicht einfach die Email absenden, sondern zunächst überprüfen (oder prüfen lassen), ob sich nicht doch irgendwo eine Falle oder Floskel versteckt hat, die einem HR-Profi sofort unangenehm auffällt – und den “Ablage-Absage”-Reflex auslöst.

Stolpersteine

– aus Bewerbungsratgebern kopierte Allgemeinplätze – statt Namen, Zahlen, Fakten, Orte

– Eignung und Job passen nicht zusammen – Berufsanfänger sollten sich nicht auf Senior-Positionen bewerben

– zu hoch dosiertes Eigenlob

– eine zu ehrliche Selbstdarstellung – Choleriker können sich in der Gruppentherapie darüber freuen, dass sie nach sechsmonatiger Verhaltenstherapie zum Brüllen nun nach draußen gehen, aber nicht im Anschreiben

– Nicht-Bedenken der Arbeitgeberinteressen: das Unternehmen will mehr Umsatz machen, neue Produkte entwickeln, neue Märkte erobern – was können Sie dazu beitragen?

– Rechtschreib- und Grammatikfehler, falsche Satzzeichen, eintöniger Satzbau

Work-Life-Balance

Wenn Sie den Job vor allem deshalb wollen, weil man ganz in der Nähe in den Bergen kraxeln oder Ebbe und Flut genießen kann, (dafür haben sich PR-Fritzen das scheußliche Wort “Work-Life-Balance” einfallen lassen) dann dürfen Sie das auch erwähnen – aber nicht im Anschreiben, sondern irgendwann möglichst unauffällig während des Vorstellungsgesprächs.

Der Personaler will lesen, warum Sie gerade das Unternehmen toll finden. Die Sehenswürdigkeiten der Landschaft und das kulturelle Angebot der Stadt eignen sich höchstens als “Small-Talk”-Thema.

Haben Sie all diese Punkte abgehandelt, fehlt nur noch ein eleganter Schluss. Formulierungen wie “Über eine Rückmeldung würde ich mich freuen” passen übrigens nicht wirklich zu Bewerbern, die sich vorher als selbstbewusste Nachwuchskräfte mit Biss vorgestellt haben

“Ich freue mich, Sie bald persönlich kennenzulernen.” – Auf solche Bewerber freut sich auch der Personalchef.

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