☰ Menu eFinancialCareers

Arbeitsmarkt für Derivate-Nachwuchs ist wegen Lehman dramatisch eingebrochen

Die Finanzkrise hat den Arbeitsmarkt für Derivate-Experten total zerrüttet. In Frankreich finden selbst Absolventen der besten Universitäten in dem Bereich oft keine Anstellung mehr. Die Pariser Großbanken BNP Paribas und Société Générale haben ihre Führungspositionen am Weltmarkt für Aktienderivate eingebüßt und daraufhin massiv Stellen abgebaut.

Nur die Hälfte der Studenten, die an der renommierten École Polytechnique einen Abschluss in Wahrscheinlichkeitsrechnung und Finanzen gemacht hat, fand vergangenes Jahr einen Job bei einer Investmentbank. An der Elite-Uni École Centrale schaffte dies nur ein Drittel der Absolventen, während in den vergangenen drei Jahren die Quote noch bei etwa 75 Prozent lag.

Trotz zwei Abschlüssen in mathematischer Finanzierung und einem Praktikum bei BNP Paribas gelang es auch Dorothée Bary nicht, einen Job als Derivate-Händlerin zu ergattern. “Vor der Krise dachte ich, dass ich mit einem Praktikum eine Wahrscheinlichkeit von 90 Prozent für einen Job hätte”, sagte Bary. “Das Praktikum lief gut, aber es war unmöglich, den Job zu bekommen.”

Auch Charles de Ravel d’Esclapon war mit einem Mathematik-Abschluss für Finanzen, Wirtschaft und Versicherung und einem Praktikum von sechs Monaten bei BNP Paribas nicht erfolgreich, eine Festanstellung bei der Bank zu erlangen.

Exotische Aktienderivate, die in der Regel außerbörslich gehandelt werden, sind bei Investoren in Ungnade gefallen, da das Risikobewusstsein über diese undurchsichtigen Instrumente gestiegen ist, erläutert Petter Kolm, stellvertretender Direktor für Mathematik an der New York University.

“Kapitalfluss”-Produkte, die an den Börsen gehandelt werden und mit denen Investments abgesichert werden, sind dagegen weiter gefragt. Marktführer in diesem Segment ist jedoch US-Konkurrent Goldman Sachs. “Die französischen Banken sind große Namen bei strukturierten Aktien-Derivaten. Aber in dem Bereich sind die Privatkunden immer noch vom Schock gelähmt”, sagt Simon Yates, Co-Leiter europäische Aktien bei Credit Suisse.

Tatsächlich ist der Derivate-Markt im zweiten Halbjahr 2008 erstmals geschrumpft. Die Positionen in außerbörslichen Aktien-Derivate-Instrumenten sind nach den Daten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich um 36 Prozent gesunken. Das Volumen an Kreditausfallswaps fiel ebenfalls um 27 Prozent; Zins-Derivate, die den größten Marktanteil haben, gingen um 8,6 Prozent zurück.

Eine Erholung der Nachfrage nach strukturierten Produkten ist in diesem Jahr kaum wahrscheinlich. Die Gründe: weniger Emissionen von strukturierten Produkten, ein Rückgang des von Hedgefonds verwalteten Kapitals, der Verschuldung und des Risikoappetits – und eine Verlagerung von komplizierten zu einfachen Standardprodukten, was für die Investmentbanken geringere Provisionen bedeutet.

Vor diesem Hintergrund haben die Studenten ihre Jobvorstellungen angepasst. “Es gab kaum Chancen”, erläutert Absolvent Charles de Ravel d’Esclapon, der nun für die Wirtschaftsberatungsgesellschaft MAPP tätig ist. “Lehman war so etwas wie ein Weckruf. Ich habe gemerkt, dass ich etwas anderes machen wollte.”

Kommentare (0)

Comments

Antworten

Pseudonym

Pflichtfeld

E-Mail

Ungültige E-Mail-Adresse

Alle Informationen zu unseren Community-Richtlinien finden Sie hier