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Aus dem Tagebuch eines Praktikanten (IX): Über eine überfällige Beurteilung und einen unverständlichen Akzent

Die Woche begann mit der Zwischenbesprechung meines Praktikums, die nur läppische drei Wochen überfällig war. Tatsächlich verbleiben von meinem Praktikum gerade einmal drei Wochen, weshalb ein pünktlicheres Feedback wesentlich hilfreicher gewesen wäre – aber lieber spät als gar nicht.

Als ich das Selbstbeurteilungsformular im Vorfeld des Treffens ausgefüllt habe, geriet ich in einen Zwiespalt: Sollte ich mich selbst und meine Leistungen herausstreichen oder sollte ich mich auf die Seite der Bescheidenheit schlagen in der Hoffnung, dass das Feedback meine Arbeit umso strahlender erscheinen ließe? Ich entschied mich für die zweite Möglichkeit.

Das eigentliche Meeting verlief recht zwanglos und konstruktiv. Erstaunlicherweise fiel das Feedback aus dem Risikomanagement extrem gut aus; sie waren mit meiner Arbeit sehr zufrieden und betonten meinen Beitrag, während der Trainee abwesend war und ein wichtiges Geschäft abgeschlossen wurde – und sie empfahlen mich für einen Job in der Bank!

Doch ich war mehr beunruhigt über das Feedback aus meiner Rotationsstation am “Markets Desk”, das leider ein wenig gemischt ausfiel, obgleich es insgesamt doch ganz gut war. Mir wurde bescheinigt, dass ich Initiative gezeigt und dass ich die Aufgaben rasch verstanden habe. Dennoch hätten meine mangelnden Excel-Kenntnisse die Aufgaben, die ich erledigen konnte, begrenzt. Überdies sei ich zu ruhig gewesen – ich hätte also mehr fragen sollen.

Ich muss schon sagen, dass mich der letzte Punkt einigermaßen überrascht hat. Ich habe mir also das Feedback hinter die Ohren geschrieben und trudelte zurück in meine Abteilung. Ich habe also viele Fragen auf jeden abgefeuert, der einigermaßen frei zu sein schien, um sicherzustellen, dass sich dieser Eindruck nicht wiederholen würde!

Es war auch der Beginn einer der wenigen verbleibenden Wochen, um mich selbst zu beweisen und ich konnte es kaum erwarten, dies in Angriff zu nehmen. Ich bin um den Handelstisch herumgeschlichen und habe nach Arbeit gefragt, doch es gab nichts, was so anspruchslos gewesen wäre, um es mir zu übertragen, und niemand hatte Zeit, mir ein Projekt zu übertragen.

Schließlich überreichte mir mein Managing Director, der meine fruchtlosen Versuche aufmerksam beobachtet hatte, ein dickes Handbuch über Rohstoffe und sagte mir, dass ich es studieren solle. Die nächsten Tage verbrachte ich also damit, diesen Band in meinen Kopf zu bekommen und anschließend versuchte ich, mit meinen frisch erworbenen Fachkenntnissen mit den Vertriebsmitarbeitern ins Gespräch zu kommen.

Im Verlauf der Woche hörte es sich ein wenig mehr danach an, dass ich etwas von dem verstand, über das ich redete. Um ehrlich zu sein, war ich ein wenig gelangweilt, doch ich vermochte es zu verbergen, da dies bereits an meinen Vorgängern kritisiert worden war.

Doch gegen Ende der Woche näherte sich eine neue Aufgabe: Der Managing Director bat mich zusammen mit dem Trainee in einen Besprechungsraum und wollte von mir, dass ich sein Gespräch mit einem Kunden aus den Schwellenländern mitprotokollierte.

Das mag sich nach einer Sekretariatsaufgabe anhören, aber es handelte sich tatsächlich um eine der bisher schwierigsten Aufgaben in meinem Praktikum. Der Akzent des Anrufers war derart stark, dass es mich überraschte, dass mein Managing Director ein flüssiges Gespräch mit ihm zuwege brachte. Nach dem Ende des zehnminütigen Telefonats war mein Notizblock noch immer gänzlich unbeschrieben – glücklicherweise lachte der Trainee nur und sagte mir, dass ich mir keine Sorgen machen solle.

Er briefte mich dann über das, was in dem Gespräch angesprochen worden war und sagte mir, dass ich ihm dabei helfen solle, den Preis von einigen exotischen Optionen zu ermitteln. Nach einem kleinen Frage und Antwort-Spiel mit einem der Vertriebsmitarbeiter schloss ich mich dem Trainee an, während er den Preis ermittelte und versuchte intelligente Fragen zu stellen.

Als wir am Ende der Woche den Kunden mit unseren Preisen anriefen, entschloss er sich für einen anderen Anbieter, der ihm einen günstigeren Preis unterbreitet hatte. Nach zwei Arbeitstagen war das reichlich frustrierend, aber mir wurde gesagt, dass das ganz normal sei und ständig vorkomme. Manchmal gewinnt man und manchmal verliert man eben…

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