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Privatunis wollen mehr Stipendien an weniger betuchte Studenten vergeben

Private Elite-Unis in Deutschland wollen nicht länger als Hort von Reichen-Sprößlingen gesehen werden. Deshalb bauen viele ihre Stipendienprogramme aus, berichtet das Handelsblatt.

Die European Business School (EBS) will den Anteil der Stipendienempfänger unter ihren Studenten bis 2011 auf 25 Prozent von derzeit 10 Prozent steigern. “Wir wollen allen Studenten ein Studium an der EBS ermöglichen”, sagt Geschäftsführerin Sabine Fuchs.

Michael Frenkel, Rektor der Konkurrenz-Kaderschmiede WHU im rheinland-pfälzischen Vallendar, hat die Latte noch höher gelegt. Bis spätestens 2012 soll der Anteil der Stipendiaten bei 40 bis 50 Prozent liegen.

Stipendien haben die privaten Hochschulen schon immer vergeben, aber nicht weil sie es wollten, sondern weil sie sonst keine staatliche Akkreditierung bekommen hätten. Sie wollten das Image loswerden, bei ihnen bestimmteb Geld und Herkunft den Zugang zum Studium, zitiert das Blatt Michael Hartmann, Forscher an der Technischen Universität Darmstadt.

Neben ideellen Gründen geht es aber vor allem ums Überleben bei sinkenden Studentenzahlen und zunehmendem Konkurrenzkampf mit staatlichen Hochschulen.

So will Deutschlands älteste Privat-Uni Witten-Herdecke, die erst vor kurzem eine Pleite abgewendet hat, die Zahl ihrer Studenten um 25 Prozent auf 1.500 erhöhen und gleichzeitig die Studiengebühren anheben. An der EBS und WHU sollen in drei bis vier Jahren sogar doppelt so viele junge Menschen studieren wie heute.

Wegen des Geburtenknicks werden Konkurrenten knapp. “Wir konkurrieren mit den guten staatlichen Hochschulen um die besten Studenten”, bestätigt WHU-Rektor Frenkel. Er will deshalb auch solche Studenten anlocken, die sich die Studiengebühren von rund 10.000 Euro pro Jahr eigentlich nicht leisten können.

Vor kurzem hat die WHU den “umgekehrten Generationenvertrag” eingeführt: Die Studenten zahlen die Studiengebühren erst zurück, wenn sie nach dem Studium angefangen haben zu arbeiten. Die Höhe der Beiträge hängt von ihrem Einkommen ab, dabei gibt es Höchst- und Mindestgrenzen. Die auf die Ausbildung von Juristen mit wirtschaftlichem Schwerpunkt spezialisierte Bucerius Law School hat ein solches Programm bereits eingeführt, Witten-Herdecke ebenfalls.

Die EBS sucht gerade Investoren für einen Bildungsfonds, aus dem Stipendien gezahlt werden sollen. Bis 2011 sollen 15 Mio. Euro zusammenkommen. Auch diese Stipendien sollen nach dem Studium einkommensabhängig zurückgezahlt werden.

Neben den Finanzierungsmodellen der Hochschulen gibt es noch die Stipendienprogramme zahlreicher Stiftungen, von denen allerdings so gut wie alle auch den Studenten an öffentlichen Hochschulen offenstehen. Das einzige Förderprogramm speziell für private Hochschulen hat die Vodafone Stiftung ins Leben gerufen. Das Programm richtet sich an Migranten. Seit 2006 hat die Stiftung 37 junge Menschen gefördert.

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