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GASTKOMMENTAR: Wie man sein Praktikum durchsteht

So Du hast also genügend Glück gehabt, einer der wenigen zu sein, die ein Sommer-Praktikum bei der Bank XY ergattert haben – fantastisch! Doch die Frage bleibt: Bist Du wirklich auf die bevorstehende Herausforderung vorbereitet? Täusche Dich nicht – das Praktikum ist kein Ticket für ein Traineeprogramm. Es gibt Dir lediglich die Chance zu zeigen, was in Dir steckt!

Die ersten beiden Wochen drehen sich um die Einarbeitung, die Mitpraktikanten kennenzulernen (bzw. als Wettbewerber einzuschätzen) und sich mit dem vertraut zu machen, was für die nächsten zehn Wochen Dein zuhause sein wird. Das meine ich wörtlich, weil ich meine Bettdecke und mein Kopfkissen mitgebracht habe und wenn ich gerade einmal drei Stunden Schlaf pro Nacht bekommen habe – dann war ich glücklich.

Nach den nicht gerade aufregenden ersten Wochen … kann das Spiel beginnen.

Praktikums-Rotationen

Die achtwöchigen Rotations-Praktika sind einerseits inspirierend. Denn sie erlauben Dir, Einblick und Kontakte in jeden Aspekt des Geschäfts zu bekommen, um herauszufinden, wo Du am besten hin passt. Anders als Praktika an nur einer Station, wo Du nur die Mitarbeiter beeindrucken kannst, die neben Dir arbeiten, handelt es sich bei den rotierenden Praktika und einen durchgehenden Schönheitswettbewerb:

Du musst jede einzelne Person, auf die Du triffst, beeindrucken. Die Personalabteilung wird Dich mit einem Ablaufplan für etwa drei Wochen versorgen. Der Trick besteht darin, jede Station aufmerksam zu verfolgen, konzentriert und zuvorkommend zu sein, Fragen zu stellen und als an allem interessiert zu erscheinen, selbst wenn Dich das Produkt nicht begeistern sollte. Nachdem Du eine Station verlassen hast, schickt der Verantwortliche eine Email mit einer Bewertung an die Personalabteilung.

Falls Dich die Rotation an eine Stelle verschlägt, die Dich interessiert, dann musst Du das deutlich machen. Idealerweise erhältst Du ein Projekt, mit dem Du Dich beschäftigst (das heißt, dass Du mehr Zeit an der Stelle verbringst, damit sie erkennen können, wie gut Du hierfür geeignet bist).

Der zweite Trick besteht darin, sich nicht allein auf die Rotation zu verlassen.

Meistens diktiert Dir der “Stundenplan” lediglich für zwei Stunden Deinen konkreten Aufenthaltsort. Dies belässt Dir den restlichen Tag, um Dich in Deine Projekte zu stürzen. Die cleveren Praktikanten machen das Beste aus jeder denkbaren Situation und nutzen diese Zeit, um tatsächlich ihre eigene Rotation zu gestalten.

Sprich mit Deinen Kollegen, Deinem Mentor und mit jedem, zu dem Du Kontakt bekommst. – erzähle Ihnen von Deinen Interessen und welche Stellen Dich begeistern und gelange so an alle wichtigen Informationen.

Beobachte Deine Umgebung und suche nach den Abteilungen, wo aktuell eingestellt wird – um nicht zum Narren gehalten zu werden: Wenn die Abteilungen einen bemühten Grünschnabel finden, der hart arbeitet und bereit ist, auch Mammutprojekte auf sich zu nehmen, dann werden sie das zu ihrem Vorteil nutzen, gerade wenn sie nur wenige Mitarbeiter aufweisen. Sicherlich magst Du einige Personen beeindrucken, erhältst ein gutes Feedback, doch Du hast Dir keinen Arbeitsvertrag gesichert.

Die traurige Wahrheit ist: Sowohl bei den Rotations-Praktika als auch bei den Praktika an einer Position gibt es viele Fälle, bei denen sich Praktikanten den Hintern abarbeiten, obgleich in der Abteilung gar nicht eingestellt wird.

Praktika in einer Abteilung

Bei den Praktika in einer Abteilung ist der Ablauf sehr einfach. Entweder stellt Dich die Abteilung ein, sie lehnen Dich ab oder sie verschieben Dich in einen Pool, womit sie anerkennen, dass Du ein guter Kandidat bist, aber nicht für sie. Damit bieten sie Dich anderen Abteilungen an, die tatsächlich Einstellungsbedarf haben.

Die geheime Praktikanten-Auktion

Wieso plappere ich über alle diese Details? Oftmals haben mich Praktikanten gefragt, wie die die großen Investmentbanken über 70 Praktikanten auf nur 20 bis 30 Einstiegsposition herunterstutzen und die schlichte Wahrheit ist: Es kulminiert alles in einer großen Auktion am Ende des Praktikums.

Alle Vorgesetzten treffen sich gemeinsam mit der Personalabteilung in einem Raum. Einige haben offene Stellen, andere nicht. Diejenigen ohne offene Stellen geben lediglich ein Feedback und diejenigen mit haben eine interne Währung – dabei handelt es sich um die Kraft für einen Praktikanten zu bieten, den sie haben wollen und oftmals verfügt jede Abteilung auch noch über einen Ausweichkandidaten. Und los geht’s.

Das Foto eines jeden Praktikanten taucht auf einem Bildschirm auf und die Verantwortlichen platzieren ihre Gebote. Du willst sicher kein Praktikant sein, bei dessen Erscheinen des Fotos Schweigen herrscht. Abteilungen mit einem dringenderen Bedarf verfügen über eine höhere interne Währung und können andere Bereiche ausstechen, die keinen so dringlichen Bedarf haben. Dabei ist es wichtig, dass Du selbst Deine Vorlieben bei der Personalabteilung angemeldet hast. Denn wenn zwei Abteilungen um den gleichen Praktikanten kämpfen, kann dies die Entscheidung zu Deinen Gunsten beeinflussen.

Üblicherweise erschrecken Praktikanten, wenn sie diesen Auktionsprozess entdecken. Doch ich versuche sie daran zu erinnern, dass es sich um eine Branche handelt, die mit Zahlen arbeitet – Kaufen/Verkaufen, Angebot/Nachfrage, Währungen, Rohstoffe, einer gewinnt, einer verliert. Nur davon haben wir Ahnung und daher ist es Deine Aufgabe, Dich zu einem wertvollen Rohstoff oder zu einer AAA gerateten Aktie zu machen, dann hast Du alle Trader genau da, wo Du sie haben willst.

Bei dem Autor handelt es sich um einen jungen Banker, der den Praktikumsprozess durchgemacht hat und ihn daher gut kennt…

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