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Berufseinstieg auf verschlungenen Pfaden

Vielfalt und Chancenreichtum machen die Private Equity-Branche spannend. Doch der Einstieg gleicht einem Trichter – den Berufsanfänger von der falschen Seite durchqueren.

Die Bedeutung von Private Equity für die Unternehmensfinanzierung wächst – nicht zuletzt dank erhöhter Anforderungen an die Eigenkapitalausstattung von Unternehmen. Da nimmt es wenig Wunder, dass die Private Equity-Branche als wachstumsstärkster Markt der internationalen Finanzindustrie gilt. Und entsprechend viele und vielfältige Chancen bietet.

Nach Angaben des Bundesverbands deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) hielten die 6.279 Portfoliounternehmen hierzulande im vergangenen Jahr Beteiligungskapital in Höhe von 31,9 Milliarden € – investiert in 6.279 Unternehmen. Im Vorjahr waren es noch 5.986 Portfoliogesellschaften, die 28,7 Milliarden € Beteiligungskapital hielten. “Private Equity ist mittlerweile auch in der deutschen Wirtschaft eine feste Größe geworden”, stellen Oliver Thum, Christian Timmreck und Thomas Keul in ihrem Buch “Private Equity” fest.

Chancen anfangs dünn gesät, später zahlreich

Entsprechend groß ist der Bedarf an guten Mitarbeitern in der Branche. Zu Beginn des Berufslebens sind die Chancen allerdings eher dünn gesät. Doch mit drei bis fünf Jahren Berufserfahrung wandelt sich das Bild. Dann sind erfahrene Kräfte unterschiedlichsten Kalibers gesucht. Und durchaus begehrt.

Private Equity-Gesellschaften tun grob gesprochen dies: Sie investieren in unterschiedlichste Unternehmen in den verschiedensten Lebensphasen und aus verschiedensten Branchen. Das Ziel: Beim anschließend angestrebten Weiterverkauf wollen sie hohe Renditen aus ihrem Investment ziehen.

Dieses Ziel erreichen Investmentgesellschaften – zu denen auch Venture Capitalists gezählt werden – in der Regel, indem sie starken Einfluss auf das Unternehmen nehmen, in das sie investieren: das Management umbauen, restrukturieren und gegebenenfalls sanieren, die Produktpalette optimieren, neue Märkte erschließen sowie analysierend und beratend zur Seite stehen. Selbst, mit ihren entsprechend erfahrenen Mitarbeitern oder auch, indem ihre Beteiligungsunternehmen auf das Netzwerk aus Beratern, Coaches, Anwälten oder etwa Wirtschaftsprüfern zurückgreifen können.

Umwege führen zum Ziel

Die Gesellschaften besorgen das Geld meist über Fonds bei verschiedenen Kapitalgebern. Im vergangenen Jahr waren die Hauptkapitalgeber dem BVK zufolge mit 24,1 % die Versicherungen gefolgt mit 15,5 % von den Funds of Funds, 12,1 % den Kreditinstituten und 11,1 % dem öffentlichen Sektor. 8,8 % der über Fonds gesammelten Mittel stammten von Privatanlegern oder Family offices, 5,4 % von Pensionsfonds und 4,9 Prozent aus der Industrie.

Neben exzellenten Finanzierungsfachleuten brauchen Private Equity-Gesellschaften für ihr Geschäft also Branchenexperten und erfahrene Manager. “Typischerweise haben Mitarbeiter, die bei uns neu einsteigen eine Berufserfahrung von fünf bis sechs Jahren – durchaus aber auch mal nur zwei bis drei Jahre”, erklärt Hans Gottwald, Partner bei der Beratungsgesellschaft für Private Equity Orlando Management GmbH aus München. “Wir nehmen gern Bewerber, die vorher in einer Beratungsgesellschaft, einer Investmentbank oder auch im operativen Management bei einem Mittelständler oder in einem Konzern tätig gewesen sind.”

Branchen- und Managementerfahrung verschafft Vorteile

Eine breite Palette also. Wichtig ist Gottwald, dass Bewerber zuvor Erfahrung mit einer anspruchsvollen Toolbox erworben haben. “Dass sie also ein gutes analytisches und methodisches Rüstzeug mitbringen, mit dem sie die Investment Cases analysieren können”, führt er aus.

Welche Kenntnisse besonders gefragt sind, variiert dabei von Gesellschaft zu Gesellschaft. Es gibt Gesellschaften, die sich auf bestimmte Branchen oder Regionen spezialisiert haben und vielleicht auch noch bestimmte Lebensphasen.
Global agierende, große Gesellschaften haben meist Länderbüros und Divisionen für die verschiedenen Schwerpunkte.

Unter dem Strich waren die Branchen mit den höchsten Mittelzuflüssen im vergangenen Jahr laut BVK die Konsumgüterindustrie (26,3 %), der Maschinen- und Anlagenbau (13,9 %), die Kommunikationstechnologie (12,5 %) sowie der Handel (10,2 %).

Den Einstieg in die Private Equity beschleunigt sicherlich das einwöchige Kompaktstudium an der european business school (ebs) in Oestrich-Winkel, das diese gemeinsam mit dem Bundesverband Alternative Investments (BAI) konzipiert hat. Direkt für Einsteiger ist aber auch das Kompaktstudium nicht konzipiert. Vielmehr richtet es sich an Spezialisten im Bereich Wealth Management, Stiftungen und Family Offices, aus Versicherungsgesellschaften, Beteiligungsgesellschaften und Pensionskassen sowie vermögende Privatkunden, wie es aus der ebs heißt.

Traineeships sind nicht üblich

Anders als in Beratungsunternehmen oder auch Banken sind Traineeships in der Private Equity-Branche nicht üblich. Dennoch kann auch ein Direkteinstieg funktionieren. “Wir bieten durchaus in einzelnen Bereichen auch Einstiegsmöglichkeiten für Absolventen oder Bewerbern mit wenig Berufserfahrung an”, sagt Silke Gebhard, verantwortlich für Human Resources bei der Münchener Investmentgesellschaft von Braun & Schreiber GmbH Private Equity Partners. “Hierfür haben wir in der Vergangenheit sowohl Praktika als auch Direkteinstellungen angeboten.”

Auch deutsche Großbanken bieten ihren Firmenkunden Private Equity als Finanzierungsmöglichkeit an. Einen eigenen Bereich unterhält aber nicht jedes Bankhaus deswegen. Daher ist der Direkteinstieg auch hier oft nicht einfach. Besser geht es zuerst in die Investmentbankingsparte oder in den Firmenkundenbereich. Da bekommen junge Absolventen und Berufseinsteiger schneller einen Job.

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