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Wie der BND in der Finanzkrise um Studenten buhlt

Proppenvoll ist der Hörsaal eins in der Neuen Aula, auf die Frau vor der Tafel prasseln Fragen ein. “Erkennen Sie das Staatsexamen an?” Nein, sagt die Frau: “Auf die Lehrer sind wir eigentlich nicht so aus.” Kann man sich auch als Wehrdienstverweigerer bewerben? “Doch, doch.” Welche Kampfsportarten sollte man beherrschen?

Da sieht die Frau mal wieder den Moment gekommen, ein Bild zu korrigieren: “Diese ganzen Killergeschichten sind ein Klischee. Wir vergeben keine Lizenz zum Töten. Und wir laufen auch nicht im Schlapphut rum.”

Wir – das ist der BND. Der Bundesnachrichtendienst, Deutschlands Spionage-Organisation.

“Solche Präsentationen wären vor einiger Zeit noch undenkbar gewesen”, sagt Heidi Denz, die beim BND fürs Personal zuständig ist: “Wir brauchen eine ganz andere Personalstruktur und müssen uns deshalb offensiv öffnen.” In der Uni hatte die Bundesbehörde mit Plakaten geworben. “Die Welt im Blick: Der Bundesnachrichtendienst sucht engagierte, kompetente, motivierte, leistungsstarke (. . .).” 86 Berufe stehen auf der Liste der Einstellungs-Chancen des BND.

Besonders gesucht sind Juristen. “Das sind die Generalisten bei uns, die kann ich in alle Abteilungen stecken”, sagt Denz. Aber auch Politologen, Islamwissenschaftler, Volkswirte, Diplom-Kaufleute und Sprachkundige, besonders in Arabisch, Chinesisch, Farsi und Russisch sind gefragt.

Ein paar Studentengenerationen vorher wäre der Saal sicher auch voll gewesen. Aber kaum ein Heimspiel für den BND. Dieses Mal beschränkte sich Kritik am Dienst auf eine Episode. Das Öffnen der Hörsaaltür knallt in die Worte von Heidi Denz, zwei junge Männer stürzen herein, ringen miteinander, einer nimmt den anderen in einen Catchergriff, sie rufen etwas von “Abschieben” und “BND” und “Folter”- dann sind sie auch schon wieder draußen. Eine Mitarbeiterin der Marketing-Agentur rennt hinterher. “Ich wusste gar nicht”, kommentiert Denz, die ungerührt zugesehen hatte, den Protest-Vorfall, “dass Sie eine Theater-Truppe haben.” Der Saal lacht.

Dass der BND verfassungswidrig im Inland Journalisten bespitzelt hat, im Irak die USA unterstützte und womöglich in die El-Masri-Affäre verwickelt war – kein Thema bei den Studenten. Wohl aber dies: Eine Arbeit, bei der man viel herumfliegen kann (über hundert so genannte Residenturen, also Auslandssitze, hat der BND), aber nicht rausfliegt.

Heidi Denz streicht die Verbeamtung heraus, und ihr Kollege von der Technik, der Informatiker und Ingenieure für das Abhörgeschäft sucht, sich aber mit Details zurückhält (“alles zu geheim”), bringt ein weiteres Argument für krisenfeste Arbeitsplätze: “Die Krisenherde nehmen eher zu, der Stoff wird uns nicht ausgehen.”

Was muss man bieten, um unterzukommen beim BND? Deutscher muss man sein, gute Noten haben (ein Befriedigend ist das Minimum für Juristen), den IQ-Test im obligatorischen Assessment Center sollte man auch bestehen, die aufwändige Sicherheitsüberprüfung sowieso – und den Umzug nach Berlin sollte man nicht scheuen. Die Zentrale in München-Pullach wird nämlich aufgelöst, und dass etliche BNDler lieber in Bayern bleiben und kündigen, dürfte auch zum Personalbedarf der 6000-Leute-Behörde beitragen.

Stichwort Behörde: Beim BND gibt’s verdammt viele Schreibtisch-Jobs: “Waffen tragen bei uns nur ganz wenige”, so arbeitet Denz gegen Geheimdienst-Mythen an. “Wir wollen Leute zum Reden bringen. Da bringen Sie diese Leute doch nicht um.”

Gesucht sind “Menschen, die sich zurücknehmen können, teamfähig sind, auf andere zugehen können.” Und mit Diskretion ihre Informanten schützen können: “Die gefährden ja ihr Leben.” Informanten heißen dienstintern übrigens “menschliche Quellen mit Informationsführung”.

Leichter ist das Geheimdienst-Geschäft nicht geworden, wie Heidi Denz durchblicken ließ: “Im Kalten Krieg hat man in das sowjetische Politbüro geschielt und über die Reihenfolge alter Männer orakelt.” Heute versucht der BND, auf Augenhöhe mit Terroristen, Waffenschiebern oder der organisierten Kriminalität zu bleiben.

Quelle: Schwäbisches Tagblatt

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