☰ Menu eFinancialCareers

Vertreibt Dubais Sittenstrenge die Ausländer?

Der Fall von Charlotte Adams aus Großbritannien, die wegen eines Kusses in der Öffentlichkeit zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden ist, zeigt auf, wie die strengen Sittengesetze des Emirates Ausländer in Schwierigkeiten bringen können.

Kann dies ausländische Arbeitskräfte im Finanzsektor künftig von einem Umzug nach Dubai abhalten, obgleich die Region auf fremde Arbeitskraft dringend angewiesen ist?

Charlotte Adams hat in der vergangenen Woche ihren Berufungsanstrengungen gegen die einmonatige Gefängnishaft für das Küssen ihres Lebensgefährten Ayman Najafi in der Öffentlichkeit aufgegeben, obgleich sie protestierte, dass es sich lediglich um einen Kuss auf die Wange gehandelt habe (was auch nach dem Recht Dubais erlaubt ist).

Najafi, der als Personalberater für Banken und andere Branchen arbeitet, will sich noch entscheiden, ob er das Berufungsgericht anruft – Dubais obersten Gerichtshof.

“Der Kuss-Vorfall vertieft sicherlich die Delle in Dubais Reputation, und zwar nicht nur bei Ausländern, die dort leben und arbeiten, sondern auch auch bei sonnenhungrigen Touristen”, sagt Christopher Davidson, Professor für mittelöstliche Studien an der nordenglischen Universität Durham.

Man könnte sicherlich argumentieren, dass jeder Ausländer, der sich im Mittleren Osten niederlassen will, zuvor die strengen Sittenregeln der Region büffeln sollte (was besonders für Stellen in der öffentlichen Verwaltung Dubais gilt).

Dennoch werden in dem vergleichsweise liberalen Umfeld Dubais einige dieser Gesetze – wie z.B. das Verbot zusammenzuleben für unverheiratete Paare – nicht durchgesetzt. Und solange man nicht die Gesetze gegen Trunkenheit in der Öffentlichkeit offen missachtet, wird oftmals über den Alkoholkonsum hinweggesehen.

Doch laut Davidson ändert sich dies: “Dies ist der letzte Vorfall in einer Reihe von hartem Durchgreifen und Suche nach Sündenböcken. Solange sich die wirtschaftlichen Bedingungen verschlechtern, steigen die Spannungen zwischen der lokalen konservativ eingestellten Bevölkerung und den sich fehlverhaltenden Fremden. In den zurückliegenden Monaten haben wir eine Zahl von Freiheitsstrafen für Gesten, schlüpfrige Textbotschaften, Zusammenleben unverheirateter Paare und vorehelichen Sex gesehen.”

Es sollte auch nicht vergessen werden, dass die Region ebenso strenge Gesetze zu Schuldentilgung und Drogen aufweist. Beispielsweise wurde der britische DJ Grooverider zu vier Jahren Haft verurteilt, nachdem in seinem Gepäck zwei Gramm Cannabis gefunden worden waren, als er in 2008 nach Dubai einzureisen versuchte.

Aus westlicher Perspektive ist dieses Vorgehen zu streng und falls der konservative Ruf von Dubai weiter zulegt, könnte dies beträchtliche Auswirkungen auf den Finanzsektor nach sich ziehen.

Trotz der Versuche, sich stärker auf eigene Arbeitskräfte zu stützen, ist der Finanzsektor des Mittleren Ostens immer noch stark von ausländischer Fachkompetenz abhängig. Mittlerweile gibt es einen beachtlichen Ersatz für westliche Talente vor Ort, dank des Zuflusses in den zurückliegenden Jahren. Doch es gibt Hinweise darauf, dass sich diese Entwicklung verlangsamt.

“Gleich ob es an den öffentlichkeitswirksamen Fällen von Sittenverstößen oder nur an mangelnden Gelegenheiten liegt, beobachten wir weniger Investmentbanker, die an einen Umzug nach Dubai interessiert sind”, sagt ein Headhunter aus Dubai. “In jedem Fall suchen die Unternehmen eher nach der Verbindung von Kenntnissen der Region und westlicher Fachkompetenz, als nur nach der Verlagerung von Arbeitskräften in die Region.”

Kommentare (0)

Comments

Antworten

Pseudonym

Pflichtfeld

E-Mail

Ungültige E-Mail-Adresse

Alle Informationen zu unseren Community-Richtlinien finden Sie hier