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Gastkommentar: Von wegen globale Arbeitswelt

Für den Job wollen immer weniger Deutsche ihre Heimat verlassen, so Andreas Christl von TALENTspy.

Andreas Christl, Gründer und Managing Partner der international tätigen Personalberatung mit Sitz in München, weiß, dass es immer weniger Deutsche ins Ausland zieht.

Head of Financial Controlling bei einer Investmentbank oder Leiter Risk Management/Gesamtbanksteuerung. Die beiden Stellen klingen auf den ersten Blick interessant. Beide Positionen beinhalten Personalverantwortung und ein ziemlich attraktives Gehalt inklusive Sozialleistungen. Beide Unternehmen sind in ihrem jeweiligen Bereich führend, bieten Freiräume und Perspektiven. Das Manko? Die eine Position ist in der Schweiz und die andere in Luxemburg. Sie lesen richtig: Während Stellen im Ausland früher begehrt waren, sind sie heute viel schwieriger zu besetzen. Interessant ist dabei auch, dass gerade die – meist familiär ungebundenen – Young Professionals abwinken.

Dabei sind die Voraussetzungen und die Vorbereitung auf eine Auslandsentsendung heute besser denn je. Unternehmen unterstützen ihre Mitarbeiter professionell durch Relocation Service, Sprachtrainings etc. Fast möchte man daraus folgern, dass wir fremde Länder und Kulturen nur noch virtuell über Fernsehen und Internet kennen lernen wollen; sozusagen aus sicherer Distanz. Gegen diese These sprechen die seit einigen Jahren ungewöhnlich hohen Auswanderungsstatistiken. Aktuell verlassen rund ein Drittel mehr Bürger ihre Heimat als noch vor zehn Jahren. Und die Deutschen sind im Ausland offensichtlich sehr erfolgreich, denn die wenigsten kommen zurück.

Ganz oder gar nicht

Wie passen die beiden Punkte zusammen? Offensichtlich gibt es ein “Ausland ganz oder gar nicht”-Phänomen. Entweder man sieht seine Zukunft ganz in der Ferne – immer noch gerne in den USA – oder man hat es sich zu Hause auf dem Sofa so bequem gemacht, dass selbst gute Jobs in anderen Ländern nur ein müdes Lächeln erzeugen.

Aus Karrieresicht ist das ein nicht ungefährliches Spiel. Personalchefs wollen auf den Lebensläufen Auslandserfahrung sehen, sie erwarten Fremdsprachenkenntnisse, die der beruflichen Praxis standhalten und sie wünschen Mitarbeiter, die gelernt haben, Veränderungen in ihr eigenes Denken und Handeln zu integrieren. Und genau das lernt man, wenn man den Sprung in ein anderes Land und in eine andere Kultur wagt. Für die Finanzbranche kommt noch ein Aspekt hinzu. Die fachlichen Standards werden auch heute noch in London, New York, in der Schweiz und Luxemburg gesetzt. Ein simpler Zahlenvergleich macht deutlich, wo die Musik spielt: In der Londoner City arbeiten 325.500 Menschen im Geldgewerbe, in Frankfurt sind es rund 71.000.

Zum Schluss möchte ich Ihnen noch eine sehr persönliche Erfahrung mitgeben. Ich habe selbst 20 Jahre in Spanien und Portugal verbracht und es war eine tolle Zeit. Ich meine, dass Neugier ein sehr guter Ratgeber ist, wenn es darum geht, einige Jahre außerhalb Deutschlands zu leben und zu arbeiten.

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