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Banking im Dienste der Paten: Wie Sie Karriere in Family Offices machen

Einen Exodus in Nadelstreifen erlebte kürzlich die UBS in Frankfurt. Rund 20 Wealth Manager kehrten dem Weltmarktführer im Private Banking den Rücken und wechselten zum Harald Quandt Trust in Bad Homburg. Denn Family Offices für Kunden mit Vermögen im zweistelligen Millionenbereich aufwärts liegen derzeit in Deutschland voll im Trend und scheinen attraktive Arbeitgeber zu sein.

Das Geschäft mit den Multimillionären boomt

“Das Marktpotenzial ist sehr groß; im Vergleich dazu gibt es in Deutschland durchaus noch Wachstumspotenzial für den Family Office-Markt”, sagt Marc Ahlers von der auf den Finanzmarkt fokussierten Unternehmensberatung MC4MS in Wiesbaden “Aktuell kann man beobachten, dass der Trend zum Family Office zunimmt”, ergänzt Ahlers. In Deutschland mit seiner Mittelstandskultur gebe es noch viele Familienvermögen und damit ein großes Marktpotenzial.

Da die Family Offices jedoch auf Diskretion bedacht sind, sei der Markt relativ intransparent. Generell müssten Single Family Offices, die das Vermögen von nur einer Familie betreuen, und Multi Family Offices sowie bankeigene Family Offices mit mehreren Kunden unterschieden werden. Insgesamt summiere sich ihre Zahl hierzulande auf einige Hundert.

Laut Ahlers gebe es bei der wichtigen Frage, wer die Anlageentscheidung trifft, einen Trend weg vom Private Banking bzw. Wealth Management der Banken hin zu den Family Offices, die somit zunehmend zu Wettbewerbern der Banken avancieren.

“Die Kunden sehen die Banken immer kritischer”, ergänzt Stefan Moritz, Geschäftsführer der Lampe Vermögenstreuhand in Hamburg, dem Family Office des Bankhaus Lampe. Die Finanzkrise habe das Vertrauen der hochvermögenden Klientel in Banken erschüttert, was die Family Offices und den dazugehörigen Arbeitsmarkt begünstige. “Family Offices gewinnen ganz klar an Bedeutung in Deutschland”, betont Moritz.

So plant auch Marcard, Stein & Co, das Family Office von M.M. Warburg in Hamburg, einen weiteren Personalaufbau. “Wir sind vorsichtig expansiv”, sagt die Personalbetreuerin von Marcard, Stein & Co Kathrin Lehmann.

Der klassische Karriereweg

Auch Relationship Manager großer Vermögen fangen in der Regel klein an. “Die Mehrheit der Beschäftigten in Family Offices verfügten über eine Bankausbildung”, beobachtet Moritz. Der klassische Weg führe über Abitur, Bankausbildung, wirtschaftsnahes Studium und langjährige Berufserfahrung im Wealth Management.

Der Certified Financial Planner (CFP) zählt mittlerweile zu den Basisqualifikationen. “Der CFP ist wichtig, damit man den Gesamtüberblick versteht”, ergänzt Lehmann. Da viele Assets im Ausland liegen, seien gute Englischkenntnisse unabdingbar. Da diese sich nur im Ausland erwerben ließen, seien Auslandsaufenthalte ein wichtiger Pluspunkt.

Bei der Lampe Vermögenstreuhand werden Junior Relationship Manager mit drei bis fünf Jahren sowie Senior Relationship Manager mit zehn und mehr Jahren Berufserfahrung unterschieden. Darüber hinaus gibt es Assistenten, die Post entgegennehmen, Termine überwachen und das Monitoring auf dem Laufenden halten. Assistenten müssen dabei selbst erkennen, wenn Handlungsbedarf besteht.

Spezielle Kompetenzen sind gefragt

Andere Kompetenzen wie Buchhaltung, Recht und Steuern sind auch von Bedeutung, werden aber oftmals bei externen Dienstleistern in einem intakten Netzwerk hinzugekauft. “Wir stellen den Netzwerkgedanken in den Vordergrund”, erläutert Moritz. Ein Relationship Manager müsse nicht in jedem Spezialgebiet bis ins Detail firm sein. “Der Bedarf muss identifiziert werden. Dann ist es die zentrale Aufgabe des Relationship Managers, den richtigen Spezialisten hinzuzuziehen”, ergänzt Moritz.

Dagegen setzt Marcard, Stein & Co auf Kompetenz im eigenen Haus. “Es gibt auch ein paar Experten. So beschäftigen wir Immobilienspezialisten, da Immobilien oftmals einen großen Anteil an den Vermögen darstellen”, sagt Lehmann. Überdies übernehme Marcard, Stein & Co die Buchhaltung der Familien, weshalb Steuerexperten und Mitarbeiter mit Wirtschaftsprüfungserfahrung gefragt seien.

Doch eine gute Ausbildung, Arbeitserfahrung und Diskretion alleine genügen nicht, weiß Dirk Albütz vom Executive Search-Unternehmen Heads! und zückt ein Anforderungsprofil. Darin werden “Sehr gute Allgemeinbildung und tadellose Umgangsformen” gefordert.

“Erschwerend kommt hinzu, die Familie zu managen, was auch viel mit persönlichen Dingen zu tun hat”, ergänzt Ahlers. “Das ist aber auch ein nicht zu unterschätzender Mehrwert, den ein Family Office gegenüber dem Wealth Management eines Finanzdienstleisters bieten kann.”

Wie Family Office-Mitarbeiter rekrutiert werden

“Es gibt nur wenige Leute, die wirklich senior in Family Offices sind, weshalb die Rekrutierung in der Branchen nicht ganz leicht fällt”, sagt Lehmann. Die Lampe Vermögenstreuhand greift daher auch auf Headhunter zurück.

So beobachtet auch Albütz eine rege Nachfrage von Family Offices. Bei den geeigneten Kandidaten handle es sich in der Regel um Relationship oder Portfolio Manager, die sich in Asset Allocation und Bewertungsverfahren auskennen. Dabei würden gelegentlich Kenntnisse in höchst alternativen Anlageklassen wie Weingüter und Forsten abverlangt.

Bei der Rekrutierung sei Diskretion Trumpf. Die Kandidaten gingen teilweise ins Vorstellungsgespräch, ohne den exakten Arbeitgeber in Spe zu kennen. “Wir vertreten eine namhafte Familie”, hieße es oftmals nur. Lediglich der Standort des Family Offices werde genannt. “Die Familie möchte, dass wir die Leute vorher aussieben”, ergänzt Albütz. “Die Kandidaten verstehen, dass in der Branche diskret gearbeitet wird.”

Auch Einsteiger haben Chancen

Doch bei Family Offices hat auch der Nachwuchs eine Chance. So stellt Marcard, Stein & Co auch Absolventen ein oder übernimmt Trainees von M.M. Warburg & Co. Die Einsteiger würden zunächst als Junior Family Officer einem erfahreneren Mitarbeiter zugeteilt und “peu à peu” selbstständiger arbeiten. “Die Tätigkeit in Family Offices ist so speziell, dass sich selbst erfahrene Private Banker erst einarbeiten müssen. Deswegen sind auch Hochschulabsolventen gefragt,” sagt Lehmann.

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