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Sprache und Inhalt eines Arbeitszeugnisses – Wenn Lob stinkt

In Arbeitszeugnissen sollte Sie Ihr (Ex-)Arbeitgeber über den grünen Klee loben – selbst wenn die Grammatik darunter leiden sollte. Sonst könnte es mit dem neuen Traumjob nichts werden. Hier ein paar Tipps, die Ihnen beim Dechiffrieren von Personaler-Deutsch helfen.

“Frau Adam verfügt über Fachwissen und zeigt ein gesundes Selbstvertrauen.”
Die Mitarbeiterin verfügt zwar nur über geringes Fachwissen, vertritt dieses dafür aber mit einer großen Klappe.

“Herr Bauer hat alle Arbeiten ordnungsgemäß erledigt.” Der liebe Herr Bauer ist Bürokrat, der keine Initiative entwickelt.

“Wir lernten Frau Carmen als eine sehr einsatzwillige und bewegliche Mitarbeiterin kennen, die stets bemüht war, die ihr übertragenen Aufgaben zur vollsten Zufriedenheit in ihrem und im Interesse der Firma zu lösen.”
Mit dieser codierten Aussage warnt der Arbeitgeber vor einer geschickten Diebin.

“Wir haben uns im gegenseitigen Einvernehmen getrennt.”
Dem Arbeitnehmer musste das Ausscheiden nahe gelegt werden, sonst wäre ihm gekündigt worden. Nur die Formulierung “Frau/Herr Meier verlässt das Unternehmen auf eigenen Wunsch” besagt, dass der Mitarbeiter von sich aus – und zwar ohne Druck – gekündigt hat.

“Herr Dengel zeigte ein einwandfreies Verhalten gegenüber den Kollegen.”
Der Mitarbeiter hat sich zwar gegenüber den Kollegen korrekt verhalten hat, aber nicht gegenüber den Vorgesetzten. Die hier angewandte Technik heißt “Leerstellentechnik” – es wird einfach etwas Wichtiges weggelassen.

“Mit ihren Vorgesetzten ist Frau Engelbert gut zurechtgekommen.”
Jeder HR-Profi weiß, dass es sich bei der Bewerberin um eine Mitläuferin handelt, die sich gut zu verkaufen weiß. Wer so etwas in seinem Zeugnis stehen hat, sollte den Arbeitgeber bitten, diese Formulierung zu streichen.

“Herr Fliege hat die ihm übertragenen Aufgaben zu unserer vollsten Zufriedenheit erledigt.”
Die Formulierung “vollste Zufriedenheit” ist zwar grammatikalisch falsch, hat sich aber bei Zeugnis zu einer Art Branchenstandard entwickelt. Fehlt eine solche Floskel, werden Personalchefs argwöhnisch.

“Wir wünschen ihr für die Zukunft viel Erfolg.”
Denn bei uns hatte sei keien. Autsch! Besser wäre “Wir wünschen ihr weiterhin viel Erfolg.”

“Er war sehr tüchtig und wusste sich gut zu verkaufen.”
Auf deutsch: Er war ein unangenehmer und rechthaberischer Wichtigtuer.

“Die Qualität seiner Arbeitsergebnisse lag über den Anforderungen.”
Da ist noch mehr drin. Ein sehr gutes Zeugnis strotzt vor Lobhudelei, zum Beispiel: “Die Qualität seiner Arbeitsergebnisse lag, auch bei sehr schwierigen Arbeiten, bei objektiven Problemhäufungen und bei Termindruck, stets sehr weit über den Anforderungen.”

“Wir danken für ihre Mitarbeit.”
Die Mitarbeiterin war anwesend, mehr aber auch nicht. Eine deutlich bessere Dankesformulierung wäre zum Beispiel: “Wir bedauern ihr Ausscheiden sehr und danken ihr für die stets guten Leistungen.”

“Seine Pünktlichkeit war vorbildlich.”
Pünktlichkeit ist etwas Selbstverständliches – wird das so hervorgehoben, weiß ein HR-Profi, dass jemand sonst nicht viel vorzuweisen hatte.

“Im Kollegenkreis galt sie als tolerante Mitarbeiterin.”
Weil der Hinweis auf Vorgesetzte fehlt, interpretieren Personalprofis diesen Satz als Warnung. “Sie hat sich regelmäßig mit dem Chef angelegt” – und ist für Vorgesetzte deshalb ein harter Brocken.

“Allen Aufgaben hat er sich mit Begeisterung gewidmet.”
Dieser Kollege hat sich in der Tat allen Aufgaben mit Begeisterung gewidmet und ordentlich mitgemischt – aber leider ohne den notwendigen Erfolg.

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