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Das Trading erweist sich zunehmend als schlechter Karriereschritt

In einem Anfall von Political Correctness meiden die Banken den Eigenhandel. Erst hat JPMorgan den Eigenhandel eingestellt und jetzt folgt Goldman Sachs.

Doch für all die Eigenhändler dürfte es nicht allzu viele Stellen bei Hedgefonds geben. Denn Hedgefonds sind überaus wählerisch beim Einstellen von Eigenhändlern. Sie wollen nur die allerbesten.

Bedeutet dies, dass die meisten Eigenhändler in die Abgeschiedenheit der Abstellkammer verbannt werden?

Offenbar nicht. Wir haben mit zwei von ihnen gesprochen und beide mussten zurückstecken und wickeln nur noch Kundenaufträge ab.

“Überall tauchen Chancen auf”, sagt ein Junior-Trader, der sich auf dem Abstellgleis der Arbeitslosigkeit befindet. “Ich plane, in den kundengetriebenen Handel zurückzukehren und ich bin ziemlich sicher, dass dort etwas erhältlich ist.”

“Ich spreche derzeit mit vier verschiedenen Banken über den Kundenhandel”, sagt ein anderer altgedienter Credit Trader, der im Eigenhandel tätig war. “Im Kreditgeschäft dreht sich das Karussell ziemlich schnell und viele Banken haben Löcher zu stopfen.”

Eine Karriere im Trading ist nicht mehr, was sie einmal war

Dennoch ist das Trading nicht mehr das, was es einmal war.

“Die Märkte waren wesentlich freier – es war einfacher, Geld mit Arbitragegeschäften zwischen ähnlichen Kontrakten Geld zu verdienen. Bei 60 Prozent des Tradings handelt es sich heute um Algotrading, was es wesentlich schwieriger macht, derartige Margen zur erzielen”, sagt William de Lucy, Chef des Eigenhandels bei Amplify Trading. “Heutzutage müssen Sie entweder einen Blick auf den Markt haben, der auf Fundamentaldaten oder Makroökonomie beruht oder Sie müssen in der Lage sein, mit Algorithmen umzugehen.”

“Es gibt wahrscheinlich nur noch die Hälfte der Jobs und die Hälfte davon geht auch noch zu den finanzmathematisch ausgerichteten Leuten”, ergänzt er.

Headhunter, die sich mit Tradern beschäftigen, geben an, dass die Chancen geradezu austrocknen.

“In den zurückliegenden 18 Monaten ist es definitiv schwieriger geworden, Trader zu platzieren”, sagt Tej Dhindsa vom Recruitment-Unternehmen Ingram Mayet. “Wenn die Banken und Fonds einmal Trader freigestellt haben, dann müssen sie diese nicht notwendigerweise ersetzen. Vielmehr vergeben sie die Stellen intern, so dass das bestehende Personal mehr Aufgaben zu erfüllen hat.”

Laut Dhindsa gibt es viele Trader, die seit 2008 nicht mehr im Geschäft sind. Viele von ihnen hätten sich freiwillig eine Auszeit in der Hoffnung gegönnt, einmal zurückzukehren und sind jetzt in der Abstellkammer hängengeblieben und Handeln auf eigene Rechnung.

“Es gibt da draußen Leute, die einmal ein Festgehalt von 95.000 bis 100.000 Pfund (115.000 bis gut 120.000 Euro) erhalten haben und die jetzt für kaum mehr als die Hälfte arbeiten würden, nur um in den Handelssaal zurückzukehren”, gibt Dhindsay zu bedenken.

Dennoch bedauert keiner der Eigenhändler, mit denen wir gesprochen haben, ihren Karriereweg. “Beim Trading handelt sich definitiv nicht um einen schlechten Job”, sagt ein erfahrener Händler. “Dort kann man in ein paar Jahren mehr Geld kassieren, als die meisten von uns Idioten in ihrem ganzen Leben verdienen.”

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