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Was Sie bei einem ‘Sabbatical’ beachten müssen!

Weltreise, Weiterbildung oder Neuorientierung. Es gibt viele Gründe für ein Sabbatical. Auch hierzulande ist die Sehnsucht nach einer Auszeit auf Arbeitnehmerseite durchaus vorhanden.

38 Prozent aller Deutschen würden sich laut einer Forsa-Umfrage gerne für einige Zeit aus dem Job ausklinken. Bei Managern ist der Wunsch sogar noch größer: 69 Prozent der Führungskräfte träumen davon, eine Auszeit zu nehmen, fand die Personalberatung Heidrick & Struggles heraus.

Inga Gobrecht hat sich diesen Wunsch erfüllt. Und schafft seit kurzem in einer Kneipe statt in einer Bankfiliale. Die 28jährige spricht jetzt weniger über Aktienkurse, Bilanzen und Depots, sondern mehr über Fußball, Darts und die englische Königin.

Im März verabschiedete sich Gobrecht von ihren Kollegen in der Privatkundenbetreuung der HypoVereinsbank in München. Seitdem lebt sie in London und kellnert in einem Pub.

Eine berufliche Auszeit nehmen – ausgerechnet jetzt? Mitten in der Krise seinem Chef verkünden, dass der die nächsten sechs bis zwölf Monate auf die Mithilfe verzichten muss? Die Vorstellung erscheint derzeit mindestens opportun – wenn nicht sogar tollkühn.

Tatsächlich nutzen viele Unternehmen das Sabbatjahr, um Auftragseinbrüche abzufedern, Kurzarbeit zu umgehen oder Entlassungen zu vermeiden.

So bot die zweitgrößte spanische Bank BBVA ihren Angestellten vor Kurzem an, für 30 Prozent des Gehalts zu Hause zu bleiben – in einem Rahmen von drei bis fünf Jahren. Wer akzeptierte, bekam noch eine Jobgarantie für die Rückkehr. Zudem übernimmt die Bank alle Gesundheitskosten.

Tatsächlich ist das “Sabbatical” nichts anderes als eine flexible Form der Arbeitszeitgestaltung. Erwerbstätige steigen für eine gewisse Zeit – von einem Monat bis zu mehreren Jahren – aus dem Arbeitsalltag aus.

Der Begriff stammt übrigens aus dem Hebräischen: “Shabbat” bedeutet etwa “loslassen, aufhören”. In den Zehn Geboten heißt es: “Du sollst den Sabbat heiligen”, an diesem Tag dürfen die Juden nicht arbeiten.

Der Gesetzgeber hat diesem Trend längst Rechnung getragen. Das Teilzeit- und Befristungsgesetz von 2001 sieht vor, dass jeder Arbeitnehmer in der freien Wirtschaft das Recht hat, seine Arbeitszeit flexibel zu gestalten. Allerdings muss der Betrieb mehr als 15 Mitarbeiter haben und der potenzielle Auszeitler schon mindestens sechs Monate dort beschäftigt sein. Auch dann kann der Chef den Antrag immer noch aus betrieblichen Gründen ablehnen. Ähnlich sieht es bei Beamten aus, die nach der Arbeitszeitverordnung ein Recht auf flexible Arbeitszeit haben.

Wer die Zeit allein nutzen und länger verreisen möchte, sollte rechtzeitig mit seinem Partner sprechen, schreibt Christa Langheiter in ihrem Buch Mut zur Auszeit. Andernfalls bestehe die Gefahr, dass sich der Partner ausgeschlossen fühlt und das Auszeitanliegen boykottiert, statt es zu unterstützen, warnt die Autorin, die nach einem Burn-out selbst mehrere Monate lang ausstieg.

Sind die möglichen Reibungen im sozialen Umfeld geklärt, steht ein Kassensturz an: Was ist finanziell drin, und wo kann gespart werden? Denn wer sich ein Sabbatical wünscht, verzichtet in den meisten Fällen auf einen Großteil seines Gehalts. “Rechnen Sie mit spitzem Bleistift. Wie viel brauchen Sie wirklich? Vergessen Sie dabei nicht Kosten wie unvorhersehbare Reparaturen am Auto oder in der Wohnung”, warnt Jobcoach Thomas Hübner in seinem Buch Die Kunst der Auszeit. Sind Fernseher, Telefon, Zeitung und die Mitgliedschaft im Fitnessstudio weiter notwendig? Wer eine längere Reise plant, kann einige Hundert Euro sparen, indem er seine Wohnung untervermietet und das Auto abmeldet.

An vielen Stellen kann Geld abgeknapst werden, aber nicht bei der Krankenversicherung: Wer aus dem Job aussteigt, muss sich selber versichern. Kunden einer privaten Kasse können ihre Verträge weiterführen, müssen allerdings den Arbeitgeberanteil mit übernehmen. Für gesetzlich Versicherte gilt: Wenn der Partner arbeitet, ist die Familienversicherung die günstigste Lösung. Sonst muss bis spätestens drei Monate nach Ende des Arbeitsvertrags eine freiwillige Police abgeschlossen werden. Die Verträge gibt es – je nach Einkommen während der Auszeit – ab 140 Euro im Monat.

Für die Reise ins Ausland gilt: Privatversicherte müssen sich um nichts kümmern, da ihre Verträge in der Regel einen weltweiten Versicherungsschutz enthalten. Gesetzliche Policen garantieren nur die Standardleistungen in den EU-Staaten – Krankentransport exklusive. Wer weiter verreisen möchte, sollte zusätzlich eine private Auslandskrankenversicherung abschließen. Informationen gibt es auf der Webseite der Deutschen Verbindungsstelle Versicherung-Ausland (DVKA).

Wer dem Arbeitgeber nach dem Sabbatical treu bleiben möchte, muss mit seinem Chef reden. “Potenzielle Auszeitler, die einen längeren Vorlauf einplanen, haben größere Chancen, ihn zu überzeugen”, sagt Jobcoach Hübner. Günstige Zeitpunkte, um eine Auszeit anzusprechen, sind ein Abteilungswechsel oder ein abgeschlossenes Projekt.

Für die Vorbereitung des Gesprächs schlägt Hübner zwei Wege vor: Wenn im Unternehmen Sabbaticals üblich sind, helfen Tipps von Rückkehrern. Ist eine Jobpause unüblich, “überlegen Sie, inwiefern die Auszeit für Ihren Betrieb einen Gewinn darstellt”, so Hübner, der nach seinem Zivildienst selbst mehrere Monate ausstieg, um seinen Lebensweg zu planen.

Stimmt der Chef zu, müssen Dauer der Auszeit, Fortführung des Arbeitsvertrags und Rückkehroptionen geklärt werden. “Halten Sie die Abmachungen auf jeden Fall schriftlich fest”, empfiehlt Hübner. “Lassen Sie sich zusichern, dass Sie an einen adäquaten Arbeitsplatz zurückkehren können und nicht Leiter irgendeines Sonderprojekts werden.”

Es gibt drei Möglichkeiten, den Arbeitsvertrag während der Auszeit fortzuführen. Der Vorteil ist, dass der Arbeitgeber Lohn und seinen Anteil zur Kranken-, Renten-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung weiter bezahlt.

1. Langzeitarbeitskonto:

Beschäftigte können auf dem Konto Überstunden, Urlaubstage und Sonderzahlungen sammeln und sich diese als Freizeit “auszahlen” lassen. Jedoch birgt die vermeintlich perfekte Option Tücken: Das Arbeitszeitgesetz schreibt eine maximale Arbeitszeit von acht Stunden am Tag vor. Zudem dürfen nach dem Bundesurlaubsgesetz nur die Tage auf dem Konto landen, die den Jahresmindesturlaub von 24 Tagen übersteigen. Diese müssen dann bis zum 31. März des Folgejahrs abgefeiert werden.

2. Lohnverzicht:

Angestellte verzichten für eine bestimmte Zeit auf einen Teil ihres Gehalts und erhalten entsprechend Freizeitausgleich. Verbeamteten Lehrern in Nordrhein-Westfalen zahlt das Land auf Wunsch sechs Jahre sechs Siebtel ihres Gehalts, das siebte Jahr haben sie frei. BMW-Mitarbeiter verzichten pro Sabbaticalmonat auf ein Zwölftel ihres Jahreseinkommens und steigen maximal ein halbes Jahr aus.

3. Sonderform der Teilzeitarbeit:

Siemens und die Deutsche Post bieten ihren Beschäftigten zeitlich befristete Teilzeitverträge an. Wer eine Vereinbarung über 30 Wochenarbeitsstunden abschließt und drei Jahre 40 Stunden pro Woche arbeitet, bekommt das vierte Jahr frei.

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