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Wo die heißesten Jobs in der Versicherungsbranche versteckt sind

Während Banking als sexy gilt, haftet der Versicherungsbranche ein verstaubtes Image an. Auch für Gehaltsexzesse sind die Versicherungen – anders als das (Investment) Banking – nicht bekannt. Dennoch herrscht in so manchem Berufsfeld der Traditionsbranche geradezu Goldgräberstimmung – zumindest bei den Mitarbeitern.

Der Hintergrund für diesen Trend stellt die bevorstehende Einführung von neuen EU-Vorschriften zur Eigenmittelausstattung der Versicherungen dar, was auch als Solvency II bekannt ist. Mit diesem Konvolut soll sichergestellt werden, dass die Unternehmen ihren Zahlungsverpflichtungen auch unter Stressbedingungen nachkommen können. Ähnlich wie Basel III für die Banken soll Solvency II zur Stabilität der Finanzmärkte beitragen.

Risikomanager und Aktuare sind heiß begehrt

Obgleich die EU-Richtlinie erst bis Ende 2012 umgesetzt werden soll, herrscht schon jetzt rege Betriebsamkeit auf den einschlägigen Arbeitsmärkten. “Das hat einen sehr, sehr starken Einfluss auf das Risikomanagement. Dort gibt es weitere Stellen”, beobachtet Mike Boetticher von match personalberatung, der auf die Versicherungsbranche spezialisiert ist. “Kandidaten werden gesucht, die ein mathematisch-naturwissenschaftliches Studium mitbringen, mit Zahlen umgehen können, analytisch denken und in der Lage sind, die Komplexität zu beherrschen”, ergänzt Boetticher.

Das trifft natürlich besonders auf Versicherungsmathematiker zu. Diese dürften indes nicht abgehoben sein. Vielmehr müssten sie auch in der Lage sein, in einem Team mit Nichtmathematikern zusammenzuarbeiten und entsprechend kommunikationsfähig sein. Eine einschlägige Berufserfahrung ist mithin ein Pluspunkt.

Noch bessere Berufschancen haben Versicherungsmathematiker mit der Zusatzausbildung zum Aktuar. “Aktuare werden schon jetzt stark gesucht und das wird noch zunehmen, je näher die Deadline der Umsetzung von Solvency II naht. Dann wird der Markt leergefegt sein”, prophezeit der Recruitment-Experte.

Zusatzausbildung lohnt sich

Ein Aktuar hat ein mathematisch ausgerichtetes Studium hinter sich und muss einen berufsbegleitenden Ausbildungsgang beispielsweise bei der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV) in Köln absolvieren. Laut der DAV benötigen die Prüflinge durchschnittlich etwa zweieinhalb bis drei Jahre, um das Curriculum zu durchlaufen, das im Wesentlichen in praxisorientierten statistischen und finanzmathematischen Kenntnissen besteht.

“Die Kosten von insgesamt gut 10.000 Euro werden üblicherweise von den Unternehmen getragen”, weiß Birgit Kaiser von der DAV. Derzeit befänden sich etwa 1800 Prüflinge in dem Ausbildungsgang. “Wir stellen fest, dass wir über die letzten Jahre rund 200 bis 250 Absolventen jährlich zählen. Die Nachfrage ist nach wie vor groß”, betont Kaiser.

Die Unternehmen drängen sich den jüngeren Leuten geradezu auf. “Wenn Sie jemanden haben, der jünger ist, ein bis zwei Jahre in einer Versicherung gearbeitet hat, und bereit ist, diese Ausbildung zu machen, dann sind wir interessiert”, zitiert Boetticher eine Anfrage.

Sechsstellige Gehälter sind keine Seltenheit

Die Anstrengung scheint sich beim Jahresgehalt auszuzahlen. “100.000 bis 120.000 Euro sind für Aktuare nach acht bis zehn Jahren Berufserfahrung möglich”, sagt Boetticher. Dies deckt sich mit der jüngsten Gehaltsstudie des DAV aus dem Herbst 2010. Demnach erhielten die Umfrageteilnehmer in 2009 durchschnittlich ein Jahresbruttogehalt von gut 80.000 Euro.

Dabei gibt es jedoch eine Pointe: Die Umfrage berücksichtigt nicht nur die eigentlichen Aktuare, sondern auch sämtliche Teilnehmer am Fortbildungsprogramm. So liegt das Durchschnittsgehalt der Vollmitglieder, der richtigen Aktuare, bei gut 90.000 Euro, während Prüflinge nur gut 50.000 Euro nach Hause tragen.

Durch den Andrang jüngerer Leute in die DAV sind indes die älteren Mitglieder und damit auch die höheren Gehaltsklassen unterrepräsentiert, womit die wahren Gehälter in der Branche empfindlich nach oben abweichen. Ein statistischer Fehler, der selbst so manchem zahlenverliebten Aktuar ein Lächeln ins Gesicht zaubern dürfte.

Laut der Erhebung lag das durchschnittliche Jahresgehalt der Beschäftigten unter 40 Jahren noch spürbar unter 100.000 Euro, während es bei der Altersgruppe über 55 Jahren über die 200.000 Euro-Marke nach oben schnellt.

Auch gute Jobchancen für Wirtschaftswissenschaftler und IT-Experten

Abgesehen von Risikomanagern profitieren auch weitere Expertengruppen vom Solvency II-Jobboom. So stellen die neuen Vorschriften eine Herausforderung an das Datenmanagement und die Datenqualität dar, womit IT-Experten und IT-Berater derzeit bei Versicherern gute Berufschancen hätten.

Auch Wirtschaftswissenschaftler werden laut Boetticher gesucht, die sich mit der Rechnungslegung von Versicherungsunternehmen auskennen. Dazu zählen Kenntnisse im Asset Liability Management. Hierbei handelt es sich um die Kunst, wie Assets der Versicherungen risikogewichtet bewertet werden. “Die Rechnungslegung bei Versicherungen ist ganz anders als bei Banken”, betont Boetticher.

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