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Zehn Jahre danach: Wie die Finanzkrise zu faulen Tradern geführt hat

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Zehn Jahre ist es jetzt her. Damals hat BNP Paribas drei Investmentvehikel für Subprime-Kredite geschlossen und die Europäische Zentralbank (EZB) fast 100 Mrd. Euro in das europäische Bankensystem gepumpt. Die Finanzkrise nahm ihren Lauf.

Seither hat sich laut Insidern der Job von Kredit-Tradern dramatisch gewandelt. Nicht nur wurde der Eigenhandel der Banken z.B. mit der Volcker-Rule in den USA beschnitten, sondern auch die Marktdynamik hat sich aufgrund der massiven Eingriffe der Zentralbanken grundsätzlich verändert. Allein die EZB hat für 2,3 Bio. Euro Anleihen der Eurozone erworben.

Laut Louis Gargour, Chief Investment Officer des Hedgefonds LNG Capital sei mittlerweile eine ganze Generation unter den künstlichen Marktbedingungen herangewachsen, die die Zentralbanken herbeigeführt haben. „Viele der Leute, die heute im Markt arbeiten, haben 2009 begonnen“, sagt Gargour. „Sie machen das also erst seit einem Kreditzyklus und die gesamte Zeit stand die EZB als Käuferin bereit… Was passiert aber, wenn sich die EZB vom Markt zurückzieht?“

Seitdem die EZB als „500 Kilo-Gorilla“ die Anleihemärkte leerkaufe, beschränke sich der Job der Kredit-Trader darauf, die offiziellen Aussagen und Kriterien der EZB zu studieren und diejenigen Anleihen an Kunden zu verkaufen, die die EZB gerade auf ihrer Einkaufsliste habe. Denn damit würden die Kunden Geld verdienen. „Das ist ein Freifahrtschein“, kommentiert Gargour.

Laut einem ehemaligen Kredit-Trader von Barclays trete die EZB als „allgemeiner Käufer“ auf, mit dem sich noch nie eine Geschäftsbank angelegt habe. „Die Preise steigen und die Zinsen fallen und das war‘s. Die Volatilität ist niedrig und es gibt immer ein Mindestangebot von der EZB… Daher wissen nur noch wenige Kredit-Trader, was es heißt, bei hoher Volatilität zu handeln und wie ein langfristiger Verkauf aussieht.“

Tatsächlich seien die heutigen Trader faul, meint auch ein Kredit-Trading-Veteran von JP Morgan. „Sie haben eine Vorstellung davon, was die EZB kauft und dann kaufen sie das auch und verkaufen es weiter. Sie traden gegen das an, was die EZB gerade kauft. Sie arbeiten einfach gegen eine Order an. Das ist genau das, wovor wir früher gewarnt wurden.“

Dennoch geht es nicht nur darum in einem Markt ohne klare Richtung zu arbeiten. Die Veteranen meinen, dass die EZB auch die neue Generation der Trader der Möglichkeit beraubt habe, in einzelnen Anleihen short zu gehen. Seitdem die EZB die meisten Anleihen einfach aufkauft, hätten sich die traditionellen Hedging-Praktiken erledigt. „Als die Investoren noch Schuldtitel besaßen, haben sie diese gerne ausgeliehen“, erzählt ein ehemaliger Chef des Kredit-Tradings einer US-Bank in London. „Aber die EZB sitzt einfach auf ihnen. Wenn Sie die Anlagen nicht leihen können, dann können Sie in ihnen auch nicht short gehen – die alte Form der zweischneidigen Märkte lässt sich viel schwerer umsetzen.“

„Wenn Sie in einer Anleihe short gehen wollen, dann muss Ihnen jemand diese Anleihe erst einmal ausleihen“, bestätigt Gargour. „Nachdem die EZB jedoch das Angebot vom Markt genommen hat, kann sie auch niemand mehr ausleihen. Beim Shorten geht es heute eher um Indizes als das Shorten einzelner Wertpapiere. So können z.B. im IG Index oder seinen Komponenten short gehen.“

Andererseits berichten Insider, dass die neuen Bedingungen die Trader dazu gebracht haben, neue Fähigkeiten zu erwerben. Da die Banken nicht länger gewillt sind, Risiken in ihre Bücher zu nehmen, Hedgefonds Korrekturen scheuen und die EZB Gewehr bei Fuß steht, ist auch die Liquidität gefallen. Der ehemalige Chef des Kredit-Tradings meint, dass dadurch die Bedeutung persönlicher Beziehungen zum Kunden gestiegen und die Anfälligkeit des Tradings für Automatisierung gesunken sei. „Alle denken, dass das Credit Trading künftig elektronisch abgewickelt wird, das trifft aber nur für kleine Orders von 500.000 bis 1 Mio. Dollar zu. Wenn Sie vor zehn Jahren 25 Mio. an gewöhnlichen Anleihen verkaufen mussten, dann haben Sie einfach gleichzeitig fünf Banken gefragt und hatten rasch einen Markt. Wenn Sie heute einen Auftrag in dieser Höhe haben, dann sollten Sie sehr vorsichtig sein, ihn bekannt zu geben. Wenn Sie fünf Banken fragen, dann bewegt sich der Markt. Sie müssen also sicherstellen, dass Sie Leute fragen, die Sie kennen und denen Sie vertrauen. Bei Kredit-Trading kommt es heute viel mehr auf Beziehungen an als vorher.“

Wenn man den Geschichten der Veteranen glaubt, dann sind die jüngeren Trader nur Schwätzer, die darauf spezialisiert sind, in steigenden Märkten zu verkaufen. Wenn die EZB irgendwann einmal ihre Aufkäufe stoppt, dann könnte das unter ihnen einen wahren Schock auslösen. „Jeder weiß, sobald die EZB signalisiert, ihre Politik der Aufkäufe zu verändern, dann werden alle im Investment-Grade-Sektor beträchtliche Verluste erleiden“, warnt Gragour. „Die Generation, die heute das Kredit-Trading betreibt, hat keine Erfahrungen mit Marktversagen oder Kreditzyklen. Aber die Märkte verändern sich und diese Leute werden noch einiges hinzulernen müssen.“

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