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Interview mit Geschäftsführer des Auslandsbankenverbands: Welche Bank kommt als nächstes nach Frankfurt?

Oliver Wagner

Oliver Wagner, Geschäftsführer des Verbandes der Auslandsbanken in Deutschland.

Seit 2009 ist Oliver Wagner Geschäftsführer des Verbandes der Auslandsbanken in Deutschland. Seit dem Brexit hat er alle Hände voll zu tun, denn immer mehr ausländischen Banken drängen nach Frankfurt. Wir haben mit dem promovierten Juristen über die Auswirkungen des Brexits gesprochen und wo Frankfurt und Deutschland noch Nachholbedarf haben.

In den zurückliegenden Wochen haben sich die Nachrichten überschlagen: Standard Chartered, Daiwa, Nomura und Sumitomo beabsichtigen eine Banklizenz in Frankfurt zu beantragen. Andere wie Goldman Sachs wollen ihre Standorte um hunderte von Mitarbeitern aufstocken. Wer kommt als nächstes?

Mit den japanischen Banken haben wir jetzt eine Welle bei den Broker-Dealer-Häusern gesehen. Damit kommt ein Bankentypus, der bislang in dieser Größe und Form noch nicht in Deutschland tätig war. In diesem Bereich halte ich weitere Verlagerungen für möglich. Mit im Spiel sein könnten da noch US-Häuser oder ein oder zwei Japaner.

Politisch lässt sich noch nicht ganz ablesen, was aus dem Brexit herauskommt. EU-Kommission, Europäische Zentralbank (EZB), Bundesbank und die Französische Nationalbank haben aber schon signalisiert, dass das Euro-Clearing in einem Eurostaat stattfinden soll.

Das lässt sich politisch nachvollziehen. Doch wie viele Jobs bringt überhaupt die Verlagerung des Euro-Clearings?

Das Euro-Clearing an sich scheint mir nicht sonderlich personalintensiv zu sein. Wir sitzen allerdings ein wenig vor der Glaskugel, weil im Zuge des Euro-Clearings womöglich auch andere Handelsbereich wie FX oder das Repo-Geschäft mitverlagert werden könnten. Das lässt sich allerdings momentan nur schwer abschätzen.

Erst in den zurückliegenden Wochen hören wir, dass Banken tatsächlich Brexit-Jobs in Frankfurt schaffen, die allerdings zumeist im Zusammenhang mit der Beantragung einer Banklizenz stehen. Also die Schaffung von Jobs in Bereichen wie Compliance, Regulierung und Risikomanagement.

Genau. Momentan steht die Kundenseite noch nicht im Focus. Auch US-Banken, von denen viele bereits eine Banklizenz besitzen, müssen darüber nachdenken, ihr Middle und Back Office auszubauen, wenn sie zusätzliches Geschäft nach Frankfurt verlagern wollen. Es handelt sich also nicht nur um ein Thema für Banken, die eine neue Lizenz beantragen, sondern auch für Banken, die bereits eine haben.

Wer hat überhaupt Chancen von Brexit-Jobs zu profitieren? Werden die Banken vor allem vor Ort, Deutschsprachige aus London oder international rekrutieren?

Bei asiatischen Häusern sehen wir traditionell einen hohen Anteil an Entsandten. Das unterscheidet sich aber ebenfalls von Front zu Middle und Back Office erheblich. Auch bei Banken mit hohem Anteil von Entsandten arbeiten im Middle und Back Office viele lokale Kollegen. Die müssen mit den Regulatoren kommunizieren und bleiben meist länger als entsandte Kollegen, die oftmals nur Drei- bis Fünfjahresverträge haben und dann wieder in ihre Heimat zurückkehren. Das muss man natürlich berücksichtigen, wenn man über die Verlagerung von tausenden Jobs von London nach Frankfurt spricht. Gerade im Middle und Back Office werden die Banken – zumal in der Gründungsphase – erfahrene Kollegen vor Ort suchen.

Viele Auslandsbanken stehen jetzt bei BaFin und anderen Regulierungsbehörden Schlange. Was hören Sie von Ihren Mitgliedern? Was halten diese von der Arbeit der BaFin?

BaFin und Bundesbank haben uns da in den vergangenen Wochen positiv überrascht. Gesprächstermine zu bekommen, fällt relativ leicht und die Gespräche können auch auf Englisch geführt werden. Vor einem Jahr war das noch die große Frage. Auch beträchtliche Teile der Dokumentation können auf Englisch erfolgen. Die BaFin hat deutlich gemacht, was sie sich ansehen wird. Es wird keine Blankoschecks geben. Von unseren Mitgliedern höre ich allerdings: „Die wissen, worüber sie sprechen.“ Sie hatten, so sagte man mir, nicht überall in Europa den Eindruck, dass das der Fall ist. Bei der Aufsicht hat sich in den vergangenen Jahren extrem viel getan.

In den zurückliegenden Monaten war häufig zu hören, dass Auslandsbanken den strengen Kündigungsschutz in Deutschland als Standortnachteil sehen. Was würde sich da Ihr Verband wünschen?

Auch hochbezahlte Mitarbeiter unterliegen in Deutschland dem ganz normalen Kündigungsschutz. Wir würden gerne, dass der Kündigungsschutz für hochbezahlte Mitarbeiter mit einem Grundgehalt von über 200.000 Euro verringert wird. Diese müssen nicht unbedingt eine Leitungsfunktion haben, nehmen aber dennoch Risikopositionen für die Bank ein. Das höhere Kündigungsrisiko ist ja international auch in den hohen Gehältern eingepreist. Das ist schließlich ein Grund für die hohen Gehälter. Vor der Bundestagswahl wird sich wohl nicht viel bewegen. Auch wenn es sich bei diesen Gehaltsklassen nicht um die Klientel der Gewerkschaften handelt, fürchten diese doch, dass dies erst der Anfang eines breiteren Abbaus des Kündigungsschutzes sein könnte.

Worin liegen die Stärken und Schwächen Frankfurts im Vergleich zu anderen EU-Finanzzentren wie Paris, Dublin, Luxemburg oder Amsterdam?

Die Stärke Frankfurts liegt in seiner Zentralität und damit der Nähe zum Kunden: Es liegt in der Mitte Europas und Deutschlands und verfügt über einen Großflughafen. Es ist immer noch ausreichend Büroraum vorhanden, der auch vergleichsweise günstig ist. Internationale Schulen gibt es ebenfalls. Ein Thema könnte irgendwann einmal der Wohnraum werden. Allerdings rechnen wir derzeit nicht mit einem massenhaften Zuzug. Frankfurt könnte vielleicht noch ein wenig internationaler werden, aber das hat sich in den vergangenen zehn Jahren schon deutlich verbessert – vor allem durch die EZB.

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