☰ Menu eFinancialCareers

Die schlauesten und dümmsten Fragen aus Jobinterviews

Dumme-Fragen-GettyImages-68

Mit eigenen Fragen können Bewerber in einem Vorstellungsgespräch Extrapunkte sammeln. Doch viele Kandidaten nutzen die Chance nicht oder nur ungeschickt. „Wir hören von unseren Kunden immer wieder, dass die Kandidaten zu wenige Fragen gestellt haben oder sie am Ende des Gesprächs heruntergerattert haben. Und das, obwohl es eigentlich plausibler gewesen wäre, sie im Gesprächsverlauf zu stellen“, sagt Personalberater Stevens Moser von kessler.vogler in Zürich. „Die Kunden haben dann den Eindruck, dass die Kandidaten im Gespräch nicht richtig zugehört haben.“

Keine Frage, bei den Fragen im Vorstellungsgespräch kann so einiges schieflaufen. Daher haben wir hier dumme Fragen aus Schweizer Vorstellungsgesprächen gesammelt und wie es besser geht:

Die dümmsten Fragen…

1. „Was machen Sie überhaupt in Ihrem Unternehmen?“

Eine gründliche Vorbereitung auf ein Vorstellungsgespräch stellt oberste Kandidatenpflicht dar. „Deswegen dürfen Kandidaten nichts fragen, was sie bei der Vorbereitung eigentlich recherchiert haben sollten“, meint Headhunterin Karin Signer von Signer Beratungen in Zürich. Wenn also ein großer Deal kürzlich die Medien beschäftigte, dann sollten Sie das wissen.

2. „Wie hoch fällt mein Gehalt aus?“

Fragen zu Gehalt oder Zusatzleistungen sind legitim – allerdings kommt es auf das richtige Timing an. Nachfragen hierzu dürfen erst gestellt werden, wenn der Arbeitgeber selbst das Thema anschneidet, was üblicherweise erst spät im Vorstellungsprozess geschieht. „Das Thema Salär spricht generell der Arbeitgeber an“, warnt Stefan Niederer von Guggenbühl, Bächer, Niederer & Partner in Zürich.

„Das geht beim Motivationsgrund schnell in die falsche Richtung. Beim Salär müssen Sie warten, bis der Arbeitgeber das von sich aus anspricht“, betont Fabian Büsser von Page Personnel in Zürich.

„Vorschnell nach der Bezahlung zu fragen, ist der Schweizer Mentalität schlicht nicht zu vermitteln“, ergänzt Signer.

3. „Bekomme ich einen Parkplatz in Zürich?“

Parkplätze sind in Zürich Mangelware. Laut Signer kann ein Parkplatz pro Monat rasch 400 Franken kosten – also fast 5000 Franken im Jahr. „Nach ein paar Jahren können Sie sich allein für die Parkplatzkosten einen Neuwagen leisten“, kommentiert Signer. Deshalb handelt es sich um eine recht prekäre Frage.

4. „Wann kann ich denn nachhause gehen?“

Fragen nach den Arbeitszeiten kommen oft schlecht an. Besonders von Angestellten höherer Gehaltsklassen wird regelmäßig erwartet, etwas länger zu bleiben. Dennoch hält Moser die Frage für legitim: „Bei vielen Fragen kommt es auf den Ton und die Art an, wie sie gestellt werden. Es stimmt schon, der Ton macht die Musik.“

5. „Wie fallen meine Entwicklungsmöglichkeiten aus?“

Manchmal unterscheiden sich intelligente und weniger intelligente Fragen lediglich im Timing, meint Niederer. Während bei jüngeren Mitarbeitern die Frage nach den Entwicklungsmöglichkeiten höchst sinnvoll sei, gelte diese nicht für Führungskräfte. „Bei Führungskräften hört sich diese Frage schon ein wenig merkwürdig an“, kritisiert Niederer.

„Wer bei seinen Entwicklungsmöglichkeiten von einem Zehnjahresplan spricht, hinterlässt den Eindruck, bereits auf die übernächste Stelle zu schielen“, warnt Büsser.

6. „Ich habe auf einem Insiderportal über Sie gelesen. Was hat es damit auf sich?“

Kritische Berichterstattung über das eigene Unternehmen wird in der sonst so diskreten Schweiz ungern gelesen. „Wenn man etwas auf einem Insiderportal gelesen hat, sollte man nicht zu kritisch nachfragen“, warnt Niederer. Dennoch hält der Personalberater kritische Fragen für durchaus legitim. Sie müssten allerdings mit Fingerspitzengefühl vorgebracht werden.

… und die schlauesten Fragen aus Schweizer Vorstellungsgesprächen

1. „Welche Folgen hat Ihre Strategie auf meine Tätigkeit?“

Arbeitgeber lieben Mitarbeiter, die mitdenken. Moser erinnert sich an eine Kandidatin, der es gelungen ist, mit ihren Fragen besonders viele Extrapunkte zu sammeln. „Nachdem die Strategie im Gespräch erörtert worden war, hat die Kandidatin ganz konkret nachgefragt, welche Auswirkungen das auf ihre Position hat“, sagt Moser. „Das ist sehr gut angekommen.“

2. „Warum wird die Stelle neu besetzt?“

Eine der relevantesten Fragen ist, wieso die fragliche Stelle neu besetzt wird. Wurde sie neu geschaffen und wenn nicht, warum ist der Vorgänger gegangen? Falls sich die ehemaligen Stelleninhaber rasch abwechselten, stellt dies immer ein Alarmzeichen dar. Allerdings besteht das Risiko, dass der potenzielle Arbeitgeber im Zweifelsfall eine ehrliche Antwort scheut. „Wenn ein Arbeitgeber mit dieser Frage ein Problem sieht, dann ist es vielleicht auch nicht der richtige Arbeitgeber für Sie“, warnt Signer.

3. „Wie sieht die Teamstruktur aus?“

Laut Signer bietet die Teamstruktur Aufschluss über die Verhältnisse in dem Unternehmen: Wie alt sind die Kollegen, wie lange sind sie mit von der Partie und auf welcher Karrierestufe (z.B. Analyst, Associate, Vice President) befinden sie sich? „Damit kam man viel über die spätere Arbeit erfahren“, sagt Signer.

4. „Wie sind meine Entwicklungs- bzw. Fortbildungsmöglichkeiten“

Jüngeren Mitarbeitern rät Niederer nach den Entwicklungsmöglichkeiten im Unternehmen zu fragen. „Damit signalisiert man Ehrgeiz und Interesse“, betont Niederer. Ähnliches gilt für die Fortbildungsmöglichkeiten im Unternehmen. Generell handle es sich um ein gutes Zeichen, wenn ein Arbeitgeber ein umfangreiches Fortbildungsangebot und Entwicklungsprogramme biete.

5. „Wie stellen Sie sich die optimale Persönlichkeit für den Job vor?“

Eigentlich sollte die fachliche Qualifikation schon aus den Bewerbungsunterlagen hervorgehen und verbleibende Zweifel am Beginn des Auswahlprozesses ausgeräumt werden. Viel schwieriger ist die Frage zu beantworten, ob die „Chemie“ zwischen Vorgesetzten, Angestelltem und dem Rest des Teams stimmt. „Um das herauszufinden, empfehle ich Fragen zur Persönlichkeit“, erzählt Signer. „Sie können z.B. den Vorgesetzten fragen, wie er seine Persönlichkeit beschreiben würde oder wie er sich den optimalen Mitarbeiter vorstellt.“

6. „Wie sieht Ihr Führungsstil aus?“

Für jeden Kandidaten handelt es sich um eine höchstinteressante Frage, ob der potenzielle Vorgesetzte begnadet in Mitarbeiterführung oder ein notorischer Choleriker ist. Eine ausweichende Antwort sollte Bewerber skeptisch stimmen. „Es handelt sich aber um eine mutige Frage“, sagt Moser. Denn damit werden die Finger an einen empfindlichen Punkt gelegt. „Ich habe mich schon gewundert, dass diese Frage kam. Zum Glück ging damals alles gut aus.“

Besondere Tipps zum Schluss

„Ich empfehle generell offene Fragen und keine geschlossenen Fragen zu stellen“, betont Moser. Offene Fragen werden mit einem Fragewort wie z.B. „was, warum, wieso, wer“ eingeleitet und zwingen den Gesprächspartner zu einer ausführlichen Antwort. Geschlossene Frage wie „Sind Sie eine gute Führungskraft?“ kann der Gesprächspartner indes nur mit ja oder nein beantworten. „Bei geschlossenen Fragen ist das Potenzial für Rückantworten gering“, warnt Moser. „Fachvorgesetzte lieben es aber zu sprechen. Deswegen rate ich immer zu offenen Fragen.“

Unterdessen empfiehlt Büsser sich ganz genau über die Teammitglieder und die übrigen relevanten Mitarbeiter zu informieren. „Manchmal erscheint jemand unangekündigt bei einem Vorstellungsgespräch. Wenn man dann sagen kann: ‚Ach Herr Müller Sie sind doch der CFO‘, kommt das sehr gut an.“


Kommentare (0)

Comments

Ihr Kommentar wird gerade geprüft. Nach erfolgreicher Prüfung wird es live gestellt.

Antworten

Pseudonym

E-Mail

Alle Informationen zu unseren Community-Richtlinien finden Sie hier