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Jobmassaker im Asset Management: Wie Sie die Herausforderung durch Big Data und Künstliche Intelligenz überleben

Die Zukunft des Asset Managements kommt - fast - ohne Menschen aus.

Die Zukunft des Asset Managements kommt - fast - ohne Menschen aus.

Andreas Hoepner ist sich sicher. Laut dem Associate Professor für Finance der Henley Business School im englischen Reading werden die Themen Big Data und Künstliche Intelligenz das Asset Management bis 2030 derart revolutionieren, dass ohne einschlägige Kenntnisse dort kaum noch eine Karriere möglich sein wird.

90.000 Jobs allein im Asset Management bedroht

Keine guten Aussichten für das traditionelle aktive Fondsmanagement, das ohnehin unter dem Siegeszug der passiven Anlageformen wie den ETFs leidet. Falls die Investmententscheidungen künftig von Algorithmen getroffen werden, dürften die Heerscharen von Analysten und Portfoliomanagern, die die Branche heute noch beschäftigt, obsolet werden.

Eine neue Studie des Beratungsunternehmens Opimas beziffert die Zahl der durch Künstliche Intelligenz bedrohten Stellen in den Finanzdienstleistungen auf 230.000 weltweit, wovon allein 90.000 auf das Asset Management entfallen.

CFA entdeckt Fintech als Thema

Auch die Fortbildungsanbieter haben den Trend erkannt und springen langsam auf den bereits fahrenden Zug auf. So will das CFA Institute bis 2019 sein Curriculum um Kenntnisse in der Analyse großer Datenmengen (Big Data) und den Umgang mit Algorithmen wie z.B. das sogenannte „Back testing“, die Probe aufs Exempel gewissermaßen, ergänzen.

„Arbeitgeber beginnen Absolventen mit praktischen Fintech-Kompetenzen zu bevorzugen und daher gibt es unter jungen Arbeitnehmern eine wachsende Nachfrage danach, um auf den neuesten Stand zu kommen und wettbewerbsfähig zu bleiben“, sagte Steve Horan vom CFA Instiute der Financial Times. Bereits vor zwei Jahren wurden die Themen Investment-Algorithmen und Hochfrequenzhandel in den Lehrplan aufgenommen. Dagegen sollen eigentliche Programmierkenntnisse auch in Zukunft außen vor bleiben.

DVFA prescht mit neuer Qualifikation vor

Auch die Deutsche Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA) überlegt, ihren Certified International Investment Analyst (CIIA) um entsprechende Kapitel zu ergänzen, berichtet Ulf Mayer von der DVFA in Frankfurt. Doch vorerst beschreitet die Organisation einen anderen Weg: Seit einigen Wochen lernt der erste Durchgang des neuen Certificate in Financial Data Science (CFDS).

Der neue Lehrgang soll vor allem Mitarbeiter aus dem Asset Management im Umgang mit Big Data und Algorithmen für die Zukunft fitmachen. Mayer rechnet damit, dass die Auswahl von Aktien, Anleihen usf. sowie die Strukturierung des Portfolios immer häufiger automatisch erfolgen wird.

„Wir alle wissen, dass das Portfoliomanagement nach Markowitz seine Grenzen hat“, sagt Mayer weiter. „In Zukunft wird es darum gehen anhand von Big Data und Algorithmen Portfolios zu strukturieren, die nicht optimal, aber optimaler sind.“

So könnten zur Aktienselektion Daten von außerhalb der Finanzmärkte herangezogen werden. Beispielsweise könnten auf Satellitenfotos automatisch die Fahrzeugbestände auf den Parkplätzen der Autohersteller gezählt und daraus Rückschlüsse auf die Auslastung gezogen werden. Der Fantasie scheinen dabei keine Grenzen gesetzt zu sein.

Ein weiterer Trend sei das Maschine Learning bzw. Deep Learning. Bislang wurden die Algorithmen von Menschen geschaffen und in die IT implementiert. Künftig sollen sich die Algorithmen automatisch weiterentwickeln.

Ein Vorreiter dieses automatisierten Portfoliomanagements sei Blackrock. Noch scheinen aber viele Fondsgesellschaften der Zeit ein wenig hinterherzuhinken. „Wir haben acht Teilnehmer beim CFDS. Wir hätten uns eigentlich eine zweistellige Zahl gewünscht“, gesteht Mayer. „Mit dem Programm sind wir aber in Europa vorneweg.“

Der CFDS richte sich weniger an IT-Spezialisten und Entwickler, sondern an die Praktiker im Asset Management. „Vorherige Programmierkenntnisse sind daher für den CFDS nicht erforderlich“, betont Mayer. „Allerdings setzen wir schon eine Affinität zu dem Thema und Grundkenntnisse in Finanzstatistik voraus.“

Neben dem Umgang mit großen Daten und Algorithmen werden den Teilnehmern Grundkenntnisse in der Programmiersprache Python vermittelt, die sich bei Big Data zum Standardinstrument entwickelt hat.

Die Fortbildung ist auf 145 Stunden angelegt, die auf fünf Monate verteilt sind. In den ersten 14 Wochen werden die Grundlagen im Selbststudium anhand des Lehrmaterials und Videos und drei jeweils zweitägigen Workshops in Frankfurt auf Englisch vermittelt. Anschließend erfolgt eine zweistündige Prüfung. Die zweiten 14 Wochen arbeiten die Teilnehmer unter Anleitung an einem eigenen Projekt, das idealerweise aus ihrem Arbeitsalltag stammt.

Anders als der CFA stellt der CFDS allerdings kein Schnäppchen dar. Für das Programm wird ein regulärer Preis von 8450 Euro plus Mehrwertsteuer fällig. Allerdings sind Frühbucherrabatte erhältlich.

Finanzdienstleister suchen händeringend nach Big Data-Experten

Und wie sieht es auf dem Arbeitsmarkt aus? Laut dem auf Technology & Digital in Finance spezialisierten Personalberater Hans M. Mantell von Indigo Headhunters in Frankfurt hätten die Finanzdienstleister endlich den Ernst der Lage erkannt und investierten beträchtlich in die Digitalisierung und Transformation. Durch den Boom der Fintechs sei allerdings auch der Druck auf die etablierten Anbieter gewachsen. „Finanzdienstleister suchen vor allem nach Experten für Big Data, Business Intelligence und Predictive Analytics“, beobachtet Mantell. Die Technologien erlaubten es z.B. Asset Managern, entweder die Kosten für das Research durch interne Personaleinsparungen bzw. weniger Einkauf von externen Research-Dienstleistungen zu senken, oder die Performance zu steigern. „Dagegen suchen Banken und Finanzdienstleister noch eher wenige Experten für Künstliche Intelligenz“, sagt Mantell. „Da experimentieren sie erst noch oder greifen auf Partner zurück.“

Kommentare (1)

Comments
  1. Typisch für efinancialcareers eine derart maßlose Übertreibung zu hypen. Keine Fakten, nur Panikmache. Journalismus fehl am Platz. Allein der Absatz “…bis 2030 derart revolutionieren, dass ohne einschlägige Kenntnisse dort kaum noch eine Karriere möglich sein wird.” zieht den gesamten Artikel ins Lächerliche. Werden AI und Algorithmen Jobs ersetzten? Ja, aber diese Panikmache steht auf einer Ebene mit 2012 Maya Weltuntergangstheorien.

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